Architekt Christian Siedenburg aus Krün in seinem Büro vor dem Modell der Klaiser Freizeit-Wohnanlage.
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Architekt Christian Siedenburg hat sich in puncto Klaiser Ferienanlage viele Gedanken gemacht.

Gemeinderat Krün sagt Ja

Vier Häuser, 13 Ferienwohnungen: Freizeit-Oase mitten in Klais

  • vonChristof Schnürer
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Die PAW-NordSüd-GmbH hat Großes vor: In Klais plant das Unternehmen eine noble Ferienanlage. Vier Häuser mit insgesamt 16 Wohnungen sollen in Bahnhofsnähe entstehen. Der Gemeinderat Krün segnete das Bauvorhaben ohne Gegenstimme ab.

Klais – Ein Projekt dieser Größenordnung hat es im beschaulichen Klais wohl noch nicht gegeben: Auf der großzügigen innerörtlichen Grünfläche zwischen der Kapelle und dem Bahnhofsgelände soll eine Ferienanlage der gehobenen Klasse realisiert werden. „Das wertet die Situation dort natürlich auf“, meinte der Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), als er im Gemeinderat die Pläne der PAW-NordSüd-GmbH präsentierte. Dieses Unternehmen aus Schriesheim (Rhein-Neckar-Kreis) hat sich unter anderem auf den Kauf und die Verwaltung von Immobilien, beispielsweise Ferienwohnungen, spezialisiert. Hinter der Gesellschaft steht übrigens eine Familie aus Mittenwald.

Jedes Gebäude wird seinen eigenen Charakter bekommen.

Architekt Christian Siedenburg

In unmittelbarer Nähe also plant diese eine innerörtliche Freizeit-Oase mit vier Häusern. Darin finden sich insgesamt 16 Wohnungen, 13 davon sind Ferienwohnungen. „Sehr hochwertige“, wie der Bürgermeister hinzufügt. Das Projekt ist nicht nur wegen der vielen Millionen Euro an Kosten ambitioniert. Das stellt der beauftragte Architekt Christian Siedenburg aus Krün gegenüber dem Tagblatt klar. „Wir wollen unseren qualitativen Beitrag zur Weiterentwicklung des Ortes leisten“, untermauert Siedenburg. „Wir wollen das Gegenteil von Bauträgern sein, denen es nur ums Geld geht, wir haben einen architektonischen Anspruch.“ Es gehe nicht darum, „möglichst viel Rendite rauszuziehen, sondern etwas Anständiges zu bauen“. Der Experte spricht von „langfristigem Anlagedenken“. Mit anderen Worten: Es soll auf dem 5500 Quadratmeter großen Gelände kein seelenloser Einheitsbrei umgesetzt werden. „Jedes Gebäude wird seinen eigenen Charakter bekommen.“ Die einzelnen Komplexe seien „aus der örtlichen Bautradition entwickelt, weisen breit gelagerte Satteldächer, ein verputztes Erdgeschoss und filigrane Holzverschalungen im Ober- und Dachgeschoss auf“. Zwischen den vier Häusern entsteht eine Tiefgarage. Die Einfahrt dazu sowie die gesamte Erschließung und Anordnung der oberirdischen Parkplätze verläuft rückseitig entlang des angrenzenden Waldrands, sodass diese vom Ortskern her nicht wahrnehmbar sind.

Vier Wohnkomplexe inmitten einer Grünanlage sollen entlang der Bahnhofstraße entstehen.

„Städtebaulich bilden die giebelseitig zueinander gestellten Häuser eins und zwei mit dem Carport einen halb offenen Hof, der sich mit einem Bauerngarten zum Ortskern hin öffnet“, verdeutlicht der Architekt. Im Zentrum der Anlage findet sich zudem ein Kiosk. „Da kann dann vielleicht auch ein Klaiser Bürger seine Semmeln kaufen“, warf Schwarzenberger in die Runde. In diesem Kontext hakte Gemeinderätin Sandra Steinhauser (Liste Klais) nach: „Weiß man, ob die Anlage geschlossen ist?“ Worauf ihr der Rathauschef entgegnete: „Das ist Privatgrund, nicht der Klaiser Kurpark.“

Letztlich segnete der Krüner Gemeinderat das Baugesuch einhellig (12:0) ab. Selbst Martin Schober (Aktiv für Krün) sagte Ja. Und das obwohl er unter anderem angesichts der Raumhöhen in den Dachgeschossen von knapp fünf Metern eingeworfen hatte: „Für mich ist es eindeutig, dass das Zweitwohnungen werden.“ Das sei eine Unterstellung, kritisierte ihn darauf der Bürgermeister. Schobers Bedenken basieren eher auf einem Gefühl. „Ich kann’s nicht beweisen.“

Es ist alles ausgereizt, aber nichts überschritten worden.

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger

Dem Millionenprojekt liegt ein rechtskräftiger Bebauungsplan „Klais West“ zugrunde. Keine einzige der Vorgaben darin sei missachtet worden, betont Architekt Siedenburg. „Es ist alles ausgereizt, aber nichts überschritten worden“, ergänzt Schwarzenberger, der mit Nachdruck feststellt, dass aus den geplanten Domizilen – Stand heute – „keine Eigentumswohnungen“ entstehen können. Nichts desto weniger sei es ein „sehr komplexes Bauvorhaben“. Dieses „sollte baurechtlich geprüft werden“. Mit anderen Worten: Der Gemeinderat gab dem Projekt zwar seinen Segen. Es soll, wie bei Bebauungsplänen üblich, aber nicht im vereinfachten Genehmigungsfreistellungsverfahren umgesetzt werden. Die Experten im Landratsamt mögen die Pläne doch noch mal gründlich studieren. Gibt es aus Garmisch-Partenkirchen abschließend grünes Licht, rechnet Architekt Siedenburg mit dem Spatenstich noch in diesem Jahr.

Das Echo im Gemeinderat war überaus positiv. „Mir gefällt das gut“, urteilte etwa Franz Ostler (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG). Dem konnte sich Anneliese Albrecht (CSU) nur anschließen. „Jahrelang haben wir geklagt, dass in Klais nichts los ist.“ Das könnte nun mit der Freizeitanlage bald vorbei sein. Diese möchten die Auftraggeber übrigens in zwei Abschnitten verwirklichen. So soll Haus drei später folgen, da dafür das bestehende und derzeit noch teilweise vermietete Haus in der Bahnhofstraße 13 der neuen Planung weichen muss.

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