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G7 in Elmau: Wichtige Erinnerungen an das Gipfel-Treffen 2015

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Von: Helena Grillenberger

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Auch 2022 findet auf Schloss Elmau wieder der G7-Gipfel statt.
Auch 2022 findet auf Schloss Elmau wieder der G7-Gipfel statt. © Imago Images

Bereits 2015 fand der G7-Gipfel in Elmau statt. Schon damals standen Russland und Ukraine auf der Agenda. Was sonst rund um das Treffen der Regierungschefs wichtig war: ein Überblick.

Elmau – Epidemien, Flüchtlinge, Russland – bereits vor sieben Jahren standen diese Punkte auf der Agenda beim G7-Gipfel in Elmau. Der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte 2015 noch für eine baldige Rückkehr Russlands in die G7 bzw. G8 geworben. „Wir dürfen kein Interesse daran haben, dass G8 auf Dauer ein G7-Format bleibt“, erklärte der heutige Bundespräsident damals gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Denn Russland werde dringend gebraucht, wenn es um die Lösung von festgefahrenen Konflikten in der europäischen Nachbarschaft wie in Syrien, Irak und Libyen sowie dem iranischen Atomprogramm ginge.

Treffen:G7-Gipfel
Datum:7.-8. Juni 2015
Veranstaltungsort:Schloss Elmau
Wichtiges G7-Thema:Russlands Annexion der Krim

Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte 2015 im Merkur-Interview: „Der Gipfel wird keine Eintagsfliege sein“, die Arbeit gehe nach dem Treffen der Regierungschefs weiter. Deutschland hat, wie auch 2015, auch 2022 wieder die G7-Präsidentschaft inne. Doch was ist geblieben vom G7-Gipfel 2015? Die wichtigsten Erinnerungen im Überblick.

G7-Gipfel auf Schloss Elmau: Die Themen von 2015 - Ukraine und Russland Schwerpunkt

Bereits 2015 waren Russland und die Ukraine ein Schwerpunktthema beim G7-Gipfel in Elmau. Nach der Annexion der Krim 2014 war Russland vom G8-Gipfel ausgeschlossen worden, in Elmau wurde über eine mögliche Rückkehr beraten sowie die Frage, auf welchem Wege man die Ukraine unterstützen könne. Die ukrainische Regierung hoffte damals auf Waffenlieferungen aus dem Westen, die deutsche Regierung blieb bei einem Nein.

Das waren die Gipfel-Themen 2015 im Überblick:

Auch die Flüchtlingskrise beschäftigte die Regierungschefs beim G7-Gipfel 2015. Offiziell stand das Thema nicht auf der Agenda, besprochen wurde es dennoch. So erklärte Merkel damals im Merkur-Interview: „Wenn wir über Gefahren durch Terrorismus oder über Armut sprechen, dann steht dies mit auf der Tagesordnung, denn beides sind Fluchtursachen.

Wenn wir im Augenblick so viele Menschen aus dem Mittelmeer retten müssen, so tun wir damit ja noch nichts gegen die Gründe für ihre Flucht. Deshalb ist es so wichtig, dass die G7 sich nicht nur mit der Wirtschaft beschäftigen, sondern mit Entwicklungszielen und mit der Frage, wie wir unsere Entwicklungshilfe noch wirksamer einsetzen, damit Menschen ein würdiges Leben führen können und nicht in Scharen ihre Heimat verlassen.“

G7-Gipfel 2022 in Elmau: Soviel kostete das Treffen der Regierungschefs im Jahr 2015

Die Kosten und der Aufwand, die für die Ausrichtung des G7-Gipfels betrieben wurden, standen 2015 in der Kritik. Über 110 Millionen Euro waren veranschlagt worden, die tatsächlichen Kosten beliefen sich auf etwa 135 Millionen Euro. Der Bund der Steuerzahler hatte den finanziellen Aufwand zuvor sogar auf fast 360 Millionen Euro beziffert. 

Polit-Prominenz vor Bilderbuch-Kulisse: Im Juni 2015 postierten sich die Staats- und Regierungschefs der führenden westlichen Industrieländer zum Gruppenfoto vor Schloss Elmau.
Polit-Prominenz vor Bilderbuch-Kulisse: Im Juni 2015 postierten sich die Staats- und Regierungschefs der führenden westlichen Industrieländer zum Gruppenfoto vor Schloss Elmau. © dpa

Dabei flossen allein 80.000 Euro in das Logo des Gipfeltreffens, welches nach dem Ausschluss Russlands von G8 zu G7 geändert werden musste. Auch für die Sicherheitsmaßnahmen wurde damals viel Geld in die Hand genommen: Rund 20.000 Polizisten waren 2015 in und um Elmau im Einsatz. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hatte vor dem Gipfel erklärt, er rechne mit 2.000 bis 3.000 Demonstranten. Am Ende waren es wohl nicht einmal 500 Personen, die tatsächlich vor Ort demonstrierten.

G7-Gipfel auf Schloss Elmau im Jahr 2015: Das blieb der Gemeinde Krün von dem Treffen

Während die Regierungschefs auf Schloss Elmau tagten, gab es für die Ortsansässigen einige Einschränkungen. Versiegelte Gullydeckel, selbst in den Orten rund um das Schloss Elmau. Besonders betroffen war auch die Gemeinde Krün. Familien, die ihren Hühnerstall auf der gegenüberliegenden Straßenseite nicht mehr aufsuchen durften. Ob die Region vom G7-Gipfel profitierte, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Der Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) plante direkt eine Dokumentation über den G7-Gipfel. Denn: Der Ortsteil Klais, in dem Schloss Elmau liegt, gehört zur Gemeinde Krün. Dort vor dem Rathaus fand das legendäre Weißwurstfrühstück von Obama und Merkel statt.

Eine Kopie der Sitzgruppe, an der Obama ein paar Schlucke alkoholfreies Bier trank und einige Bissen Weißwurst aß, erinnerten bereits im Sommer 2015 an das Ereignis vom 7. Juni. Sogar zwei kleine Museen zum G7-Gipfel waren geplant, später sprach man von einem Pavillon vor dem Rathaus.

Bei Brezn und Weißbier diskutierte der damalige US-Präsident Barack Obama 2015 in Krün mit Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Später bedankte sich Obama per Brief beim „First Mayor“ der Alpengemeinde.
Bei Brezn und Weißbier diskutierte der damalige US-Präsident Barack Obama 2015 in Krün mit Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Später bedankte sich Obama per Brief beim „First Mayor“ der Alpengemeinde. © Steffen Kugler/DPA

G7 in Elmau: Kritik von Naturschützern am Gipfel 2015 - Tiere während Brutzeit gestört

Axel Doering, der Garmischer Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN) in Bayern, sah den Gipfel kritischer: „Zu groß, am falschen Ort und zur falschen Zeit“, lautete seine damalige Bilanz. Viele Tiere wurden damals mitten in der Brutzeit durch den kilometerlangen Sicherheitszaun rund um Schloss Elmau gestört. Brütende Adler seien vom ständigen Hubschrauberlärm aufgeschreckt worden. „In der Kinderstube der Natur wurde grober Unfug getrieben“, sagte Doering 2015.

Darüber hinaus sei das öffentliche Leben in den Tagen um den Gipfel fast zusammengebrochen, erläuterte der Umweltschützer weiter. Zahlreiche Bankfilialen und Geschäfte hatten teils mehrere Tage geschlossen. Nicht einmal Geldautomaten spuckten noch Bares aus.

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Auch außerhalb der Region waren die Auswirkungen des G7-Gipfels damals deutlich zu spüren: Auf den Bahnhöfen in Rom und Mailand saßen plötzlich hunderte Flüchtlinge fest, da Deutschland - obwohl der Gipfel nur vom 7. bis zum 8. Juni dauerte - vom 26. Mai bis zum 15. Juni strenge Grenzkontrollen an seinen Schengen-Binnengrenzen eingeführt hatte. Damit wurden vorübergehend die Flüchtlingsrouten innerhalb der EU unterbrochen.

G7-Gipfel in Elmau 2015: Demonstrationen gegen Treffen der Regierungschefs

Gegen den Gipfel 2015 gab es einige Demonstrationen. So versammelten sich damals rund 40.000 Menschen in München, um gegen das Treffen der sieben Industrienationen-Chefs zu demonstrieren. Auch in Garmisch-Partenkirchen und Umgebung hatte es Proteste gegeben. Die Demonstrationen 2015 blieben jedoch größtenteils friedlich, der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) war überzeugt: „Unser Sicherheitskonzept ist total aufgegangen.“ Auch 2022 sind wieder umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen geplant.

Doch es gab auch Proteste mit Verletzten: So wurden bei einer Auseinandersetzung mit G7-Gegnern einige Beamte mit Feuerlöschern und Flaschen angegriffen, hieß es vonseiten der Polizei. Im Vorfeld der Demo hatte die Polizei ihr Aufgebot verstärkt, da sie auch mit Demonstranten aus dem gewaltbereiten autonomen Spektrum gerechnet hatte.

G7-Gipfel in Elmau: Das ist vom Treffen 2015 geblieben

Was ist nun vom G7-Gipfel 2015 geblieben? Erinnerung an verliebte Polizisten, den Biergarten-Charakter des Empfangs sowie ein großartiges Bild von Merkel und Obama. Aber auch die negativen Aspekte bleiben im Gedächtnis - und erklären die Sorgen der Anwohner, erneut in ihrem Alltag eingeschränkt zu werden.

Und was bleibt politisch vom Treffen der Sieben? Welche Ziele verfolgt der diesjährige Gipfel? In den vergangenen Jahren haben die beteiligten Staaten unter anderem die Stabilisierung der Finanzmärkte, die Reform der internationalen Unternehmensbesteuerung, die Eindämmung von Aids, Tuberkulose und Malaria sowie die Stärkung der Frauenrechte und den Kampf gegen den Klimawandel angestrebt. Aktuell engagieren sie sich auch bei der Bewältigung der Corona-Pandemie: Beispielsweise indem sie die globale Impfstoffproduktion vorantreibt und Impfdosen an Entwicklungsländer verteilt. (hgr)

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