Die falsche Ausfahrt zeigte Google maps an.
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Die falsche Ausfahrt (blau) zeigte Google maps an. Die rote ist die Richtige.

Ausfahrt an B 2 bei Krün

Druck zeigt Wirkung: Gefährlicher Navi-Fehler behoben

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
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Die falsche Streckenführung bei Google maps gehört der Vergangenheit an. Die Route an der B 2 bei Krün wird nun richtig angezeigt.

  • Die falsche Streckenführung bei Google maps gehört der Vergangenheit an.
  • Die Route an der B 2 bei Krün wird nun richtig angezeigt.
  • Zuvor hatten Gemeinde, Landratsamt und Polizei Druck auf den Internetriesen gemacht.

Krün – Es waren kuriose und teils gefährliche Szenen, die sich in den vergangenen Wochen an der Ausfahrt der Bundesstraße 2 zum Krüner Ortsteil Bärnbichl abspielten. Autofahrer bremsten von 100 Kilometer pro Stunde auf 0 herab und fuhren fälschlicherweise die Auffahrt Bärnbichl hinab – nachdem sie zuvor die Bundesstraße überqueren mussten. Gemeinde, Landratsamt und Polizei machten Druck auf den Internetgiganten Google, der durch seine falsche Streckenführung bei seinem Kartendienst Google Maps für den fehlgeleiteten Verkehr verantwortlich war. Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) kann nun Entwarnung geben: Der Fehler ist nun behoben, die Strecke wird wieder richtig angezeigt, riskante Abbiegeversuche werden damit hoffentlich der Vergangenheit angehören.

Technikaffine Beobachter

Doch dass Google eingelenkt hat, ist nicht nur den Behörden zu verdanken. Auch einige technikaffine Beobachter, die den Tagblatt-Artikel von vergangener Woche aufmerksam gelesen hatten, haben tatkräftig mitgeholfen. Unter anderem der Münchner Informatiker Lars Trebing. Er gab der Gemeinde Krün wertvolle Informationen, um auch künftig solche Fehler schnellstmöglich unterbinden zu können. Hierfür ist vor allem die Bevölkerung gefragt.

Trebing ist Teil eines Netzwerks von Freiwilligen, die die Karte des Navigationsdienstes „Waze“ aktualisieren. Dieser Dienst gehört ebenfalls zum Konzern Google. Trebing ist dort State Manager beziehungsweise Bundeslandmanager für Bayern und ist somit tief involviert in die komplexe Thematik. Er kümmert sich gemeinsam mit einigen Kollegen darum, dass Straßensperrungen möglichst aktuell und korrekt in den Karten von Google Maps dargestellt, neue Ortsumfahrungen „idealerweise stundengenau mit ihrer Eröffnung verwendet“ und Tempolimits richtig angezeigt werden. Ziel ist es, dass Navi-Nutzer die richtige Stelle finden und dass Fehler wie jener am Bärnbichl möglichst schnell behoben werden. Informatiker wie Trebing sind sozusagen die stillen Helfer im Hintergrund. „Das bedeutet oft interessante, aber auch anstrengende Detektivarbeit, bei der aus Fehlermeldungen ein möglichst klares Bild von der Situation entstehen soll und dadurch Lösungswege gefunden werden sollen.“

Das bedeutet: Je mehr Menschen einen Fehler parallel an Google melden, umso schneller wird er ernst genommen und ausgebessert. Trebing hat deshalb die falsche Streckenführung bei Krün an sein Netzwerk an Mitstreitern geschickt – darunter Kollegen, „die sich im Google-Maps-Glaubwürdigkeits-Punktesystem schon ein wenig hochgearbeitet haben“. Ihre Meldungen haben noch mehr Gewicht, Google reagiert auf diese schneller. Das und der Druck der Ämter und Medien dürften letztlich zum Erfolg geführt haben.

Was genau den Fehler bei der Abfahrt der Bundesstraße 2 nach Bärnbichl verursachte, darüber kann auch der Fachmann nur spekulieren. „Google ist nicht sonderlich transparent, was seine Arbeitsweise betrifft.“ Doch Trebing ist ziemlich sicher, dass das Problem wohl menschengemacht ist. Denn der Konzern erstellt die Kartendaten nicht vollautomatisch.

Nächste Mission

Jedenfalls verfolgt Trebing schon eine weitere „Mission“: Er will die verquere Verkehrsführung von Grainau zum Eibsee richten. Wer nämlich diese Strecke bei Google Maps eingibt, wird nicht auf die direkte drei Kilometer lange Strecke geschickt, für die man gerade einmal sieben Minuten braucht. Sondern über das österreichische Ehrwald und von dort aus über eine Forststraße ans Südufer des Eibsees. Das sind insgesamt 33 Kilometer bei einer Dauer von einer Stunde und sechs Minuten.

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