+
Der Herr im Stall: Landwirt Mathias Gschwendtner macht die Arbeit mit Gemeindestier Maxl sichtlich Spaß.  

Landwirtschaft in Krün 

Gemeindestier: Experten rütteln an einer Institution

Er macht unzählige Dorfschönheiten glücklich – und das soll weiterhin so bleiben. Der Gemeindestier ist in Krün einfach eine liebgewonnene Tradition geworden. Daran können auch die nüchternen Kalkulationen überörtlicher Rechnungsprüfer nichts ändern.

Krün – DenMaxl kann so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Friedlich steht der 18 Monate alte Prachtkerl im Stall und frisst gemächlich Gras. Auch seine vielen Vorgänger fühlten sich beim Schogglbauern pudelwohl. Auf diesem Anwesen mitten in Krün kümmert man sich seit nun mehr 80 Jahren um den Gemeindestier. Und wenn’s nach Hausherrn Mathias Gschwendtner (59) geht, soll das soll noch lange so bleiben. Diese liebgewonnene Tradition abzuschaffen, käme für den Vollblut-Landwirt einem Sakrileg gleich. „Das würden wir Bauern uns nicht gefallen lassen.“

Gewichtige Stimme im Rat

Immerhin acht Familien zählt im 2000-Einwohner-Dorf noch die Weidegenossenschaft. Diese besitzt mit Gschwendtner und Alois Kramer junior (Ferl), beide CSU, auch im Gemeinderat eine gewichtige Stimme. In eben diesem Gremium hörten die beiden aus Agrarier-Sicht schier Ungeheuerliches. Als Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) die Ergebnisse der überörtlichen Rechnungsprüfer vorstellte, kam auch der Punkt „Zuchttierhaltung“ zur Sprache. Hierzu bemerkten die Finanzexperten: „Aufwendungen für die Zuchttierhaltung sind durch Erhebung angemessener Entgelte abzudecken. Andernfalls sollte die Gemeinde in eigener Zuständigkeit prüfen, ob die Nutzung des Gemeindestiers die stetig ansteigenden jährlichen Kosten für dessen Haltung rechtfertigt.“ Rüttelt da etwa jemand an einer Institution?

Aus für Prachtbullen

Zugegeben, in vielen anderen Gemeinden im Landkreis hat man aus mannigfaltigen Gründen die Prachtbullen längst aus dem Stall befördert. Wenigstens in Ohlstadt gibt’s noch ein solches Exemplar. Dabei ist die Arbeit mit ihnen ein wahrer Segen, gerät Gschwendtner regelrecht ins Schwärmen. Und überhaupt. „Ein Stier ist viel frommer als so manche blöde Kuh.“

Im Mai haben der Schoggl, der Ferl und der Bürgermeister bei der Auktion in Weilheim den Maxl für 2200 Euro ersteigert. Solche Ausflüge möchte der Rathauschef nicht missen. „Auch das ist Tradition“, bemerkt Schwarzenberger. Seine Vorgänger sollen die Rückreise vom Viehmarkt sogar noch für den einen oder anderen Abstecher genutzt haben. So kehrte die Krüner Stier-Delegation gerne im „Karg“ in Murnau und im „Schatten“ in Partenkirchen ein. Doch das nur am Rande.

2000 Euro Unterhalt pro Jahr

An der Pflege des sogenannten Natursprungs hegt keiner der Verantwortlichen auch nur den Hauch eines Zweifels. „Damit fördern wir die Landwirtschaft“, betont Schwarzenberger. Zumal die etwa 2000 Euro Unterhalt pro Jahr angesichts einer prall gefüllten Gemeindekasse locker geschultert werden können. Der spätere Verkauf des Stiers – um Inzucht zu vermeiden, muss er nach ungefähr zwei Jahren ersetzt werden – beschert obendrein Einnahmen von 1000 bis 1500 Euro.

Gute Gründe also, die Stierhaltung beim Schoggl noch lange fortzusetzen. Seinem tierischen Gast Maxl soll übrigens nicht nur das Gras schmecken. Auch seine eigentliche Aufgabe, den Fortbestand der Krüner Herde zu sichern, erfüllt er laut Bürgermeister mit großer Hingabe. „Der hat richtigen Spaß.“

Christof Schnürer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Hochwasser auf der Staatsstraße 2062: Ein leidiges Dauerthema
Die Staatsstraße 2062 bei Achrain war wegen Hochwassers gesperrt - schon wieder. Pläne für eine Höherlegung der Strecke gibt es bereits. Doch bis die umgesetzt werden, …
Hochwasser auf der Staatsstraße 2062: Ein leidiges Dauerthema
Kramertunnel: Es geht weiter - wenn keiner klagt
Überrascht – sind sie alle. Begeistert die einen, wütend die anderen. Diese Nachricht löste in Garmisch-Partenkirchen Emotionen aus: Die Regierung von Oberbayern …
Kramertunnel: Es geht weiter - wenn keiner klagt
Kranseil gerissen: Arbeiter stirbt an Baustelle in Garmisch-Partenkirchen
Traurig: In Garmisch-Partenkirchen ist ein Bauarbeiter gestorben. Er wurde ersten Erkenntnissen zufolge von einem Kranseil am Kopf getroffen.
Kranseil gerissen: Arbeiter stirbt an Baustelle in Garmisch-Partenkirchen
Kongresshaus: Droht die nächste Kostenexplosion?
Die neuen Kostenschätzen für das Kongresshaus dürften den Gemeinderäten schwer im Magen liegen: Diesen zufolge liegt die Summe bei 29 Millionen Euro - weit mehr als die …
Kongresshaus: Droht die nächste Kostenexplosion?

Kommentare