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Urteil gefällt: Aus Sicht der Isartalerin ein hartes.

Urteil wegen Strafvereitelung 

Eine fragwürdige Helferin

Der Horrorunfall, den im September 2016 alle Beteiligten wie durch ein Wunder überlebten, hat nun für eine weitere Isartalerin ein Nachspiel. Das Amtsgericht verurteilte die 40-Jährige wegen Strafvereitelung.

Oberes Isartal Strafvereitelung ist ein Delikt, das die Justiz, weil es ihre Kompetenz besonders stark berührt, seit jeher hart ahndet – mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Darum war auch eine 40-jährige Isartalerin nach einem schweren Verkehrsunfall mit einem Strafbefehl von 5200 Euro und zwölf Monaten Fahrerlaubnissperre bedacht worden. Denn sie war, als sie von der Horrorkollision gehört hatte, eilends zur Unfallstelle gefahren und versuchte dort, die zum Teil erheblich in Mitleidenschaft gezogenen Beteiligten von dort weg zu treiben, auf dass sie nicht einer möglichen Strafverfolgung anheim fallen könnten. Doch angesichts mehrerer Verletzter misslang dies gründlich, die Polizei fand alle Beteiligten. Der 19-Jährige, der den Unfall verursacht hatte, wurde vor gut zwei Monaten zu 3000 Euro Geldauflage, 80 Sozialstunden und zwölf Monaten Fahrerlaubnissperre verdonnert. Nunmehr stand die fragwürdige Helferin vor dem Kadi. Denn sie hatte Einspruch gegen den Strafbefehl, der ihr zu hoch schien, erhoben. Doch damit scheiterte die Isartalerin gründlich: Amtsrichter Andreas Pfisterer stellte sie und ihren Anwalt Axel vom Brocke vor die Wahl, entweder den Einspruch fallen zu lassen oder nach Vernehmung mehrerer Zeugen eine möglicherweise noch höhere Ahndung zu bekommen. Nach einer Beratungspause gab die 40-Jährige auf und beließ es bei den 5200 Euro.

Staatsanwältin Kirstin Ufrecht hatte schon eingangs den mehrfachen Strafvereitelungs-Versuch der Frau dargelegt: Am 7. September 2016 war es auf der Karwendelstraße am Ortsausgang von Krün zu der von besagtem 19-jährigen, mit 1,23 Promille alkoholisierten Wallgauer verursachten Karambolage gekommen. Bei ihr wurden elf junge Einheimische, die vorher in einer Almhütte einen alkoholreichen Abend verbracht und hauptsächlich auf der Ladefläche des Pickup gesessen hatten, zum Teil erheblich verletzt. Der Wagen prallte ja dann, wie berichtet, mit einem entgegenkommenden Pkw zusammen, dessen 24-jährige Insassin ebenfalls erhebliche Blessuren erlitt.

Die Angeklagte fuhr, als sie von dem Unfall gehört hatte, mit ihrem Auto sofort zur Unfallstelle. Dort soll sie laut Staatsanwältin auf die jungen Leute dahingehend eingewirkt haben, sich eilends von der Stelle zu entfernen und keine Aussagen über den Unfallhergang und den Fahrer zu machen. Einige der geschockten Beteiligten sind dieser Aufforderung nicht nachgekommen, doch manche flüchteten über Felder und Wiesen – und wurden dann mühevoll von der Polizei wieder aufgefunden.

Für die Staatsanwaltschaft aber bedeutet dies eine mehrfach versuchte Strafvereitelung mit Aufforderung zum unerlaubten Entfernen vom Unfallort. Und das Amtsgericht verfügte prompt im September dieses Jahres den Strafbefehl von 130 Tagessätzen à 40 Euro samt einem Jahr Fahrerlaubnissperre.

„Darüber, dass das Verhalten insgesamt völlig falsch war, braucht man nicht zu diskutieren“, räumte Verteidiger Axel vom Brocke im Hinblick auf seine Mandantin sofort ein. Doch dem Verteidiger geht es auch um die Verhältnismäßigkeit: Der alkoholisierte Unfallverursacher sei mit einer Jugendstrafe von 3000 Euro Geldauflage und 80 Sozialstunden geahndet worden sowie zwölf Monaten Fahrerlaubnissperre. Die Frau jedoch, die andere, wenn auch mit völlig falschen Mitteln, vor Strafe habe bewahren wollen, sei sehr viel stärker bestraft worden. Denn als sie selbst zur Unfallstelle gekommen war, erklärte die Angeklagte, seien sowohl der Verursacher als auch einige andere der jungen Leute ohnehin nicht mehr anwesend gewesen, geschockt seien sie auseinander gelaufen.

Doch Richter Andreas Pfisterer ließ nicht mit sich verhandeln: Entweder den Strafbefehl akzeptieren oder nach sehr eingehender Zeugenvernehmung mit noch höherer Strafe rechnen müssen. Das genügte: Die Frau gab auf, und der Strafbefehl wurde rechtskräftig.

Wolfgang Kaiser

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