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Blütezeit in Gerold: (v. l.) Klaus Solleder (Kreisobmann Bauernverband), Stefanie Berwein (Zugspitz-Region), Florian Diepold (Klimaschutzmanager im Landkreis), Michael Schödl (Landesbund für Vogelschutz), Lisa Loth (Regionalmanagerin Zugspitzregion), Axel Döring (Bund Naturschutz), Daniela Feige (Gebietsbetreuerin Werdenfelser Land), Bernadette Wimmer (Untere Naturschutzbehörde/Gebietsbetreuern Werdenfelser Land), Dominik Landerer (Ranger im Naturpark Ammergauer Alpen) und Josef Heigl (Straßenmeisterei) freuen sich über die Blumenwiese an der B 2.

Kampf gegen das Artensterben

Blühende Landschaften in Gerold

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Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen soll‘s wieder blühen. Ein erster kleiner Schritt wurde im Krüner Weiler Gerold gemacht.

Gerold – Knabenkraut, Bläulinge und Wiesenknopf – sie alle findet man reichlich auf der Wiese direkt an der nervtötend stark befahrenen Bundesstraße 2 unweit des Krüner Weilers Gerold. In Anlehnung an Helmut Kohls viel zitierten Satz kann man bei dem etwa 1000 Quadratmeter großen Streifen mit Fug und Recht von blühenden Landschaften sprechen. Der Farbklecks inmitten grüner Monotonie ist eines der ersten sichtbaren Zeichen des Arbeitskreises „Blühender Landkreis“. Dieser bringt unter Federführung der Zugspitz Region GmbH Landwirte, Umweltschützer und Fachorganisationen an einen Tisch – zum Wohle der Artenvielvalt in der vom Tourismus geprägten Ferienregion.

Die Vision der Kreisrätin Tessy Lödermann (Bündnis 90/Die Grünen), die seit gut eineinhalb Jahren ein ökologisches Umdenken einfordert und den „Blühenden Landkreis“ propagiert, ist also nach zähem politischen Ringen Realität geworden.

Beim jüngsten Ortstermin des Arbeitskreises in Gerold war die ehemalige Landtagsabgeordnete allerdings nicht dabei. Dafür aber mit Axel Doering (Bund Naturschutz) einer ihrer eifrigsten Mitstreiter. Er glaubt, den Grund zu kennen, warum die Wiesen in der Region immer eintöniger werden. „Das Mähen ist Teil unseres Schlamassels.“ Mähen, düngen – und das vier bis fünfmal im Jahr –, da können keine blühenden Bergwiesen entstehen. Doch ohne Blumen gibt’s immer weniger Insekten und damit immer weniger Vögel – eine Spirale nach unten, die durchbrochen werden muss.

„Ein Drittel der Biomasse ist schon verloren“, teilt Michael Schödl (Landesbund für Vogelschutz/LBV) mit. „Wir merken, dass die Vögel auf das Insekten-Sterben reagieren.“ Der Experte spricht zwar noch nicht von einem Verschwinden ganzer Arten, aber „die Menge an Vögeln“ geht spürbar zurück.

Umso schöner für den LBV, dass es nun neue Nahrungsquellen für Insekten in Gerold gibt. Diese staatliche Fläche wird künftig deutlich defensiver von der zuständigen Straßenmeisterei gekürzt. „Im engsten Straßenraum müssen wir allerdings mähen“, bringt Josef Heigl von der Oberauer Straßenmeisteri den Sicherheitsaspekt an der stark belasteten Verkehrsader B 2 ins Spiel.

Die wichtigste Erkenntnis beim „Blühenden Landkreis“ ist Regionalmanagerin Lisa Loth (Zugspitz Region GmbH) zufolge: „Nichtmähen bedeutet keine Unordnung.“ Ganz im Gegenteil: Es beschert neues Leben – eine Chance für die bedrohte Tier- und Pflanzenwelt. „Doch wir sollten auch die Bedenken der Bevölkerung ernst nehmen“, unterstreicht Bernadette Wimmer (Untere Naturschutzbehörde). So muss Landwirten beim Zurückdrängen verschiedener Kreuzkraut-Arten geholfen werden. Diese gelbblühende Pflanze enthält Giftstoffe, die für das Vieh leberschädigend sind.

Dominik Landerer, Ranger im Naturpark Ammergauer Alpen, fast es folgendermaßen zusammen: „Wir müssen Umweltbildung betreiben, es in die Köpfe reinbringen.“ Für Loth ist in puncto „Blühender Landkreis“ ein Anfang getan. „Aber man kann es noch viel besser machen.“

Klaus Solleder, temperamentvoller Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes aus Unterammergau, bricht in diesem Kontext nochmals eine Lanze für seinen Berufsstand, der nicht zuletzt durch das jüngste Volksbegehren in die Rolle des Buhmanns gedrängt wurde. „Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen werden 90 Prozent nach Agrarumweltmaßnahmen bewirtschaftet.“ Seine Botschaft: Ohne Mithilfe der Bauern gibt’s keine blühenden Landschaften. „Wir müssen alle an einen Tisch und Lösungen finden.“

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