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„Betreten verboten“: Großer Frust am Geroldsee - Naturjuwel wird zur Tabuzone

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Uferansicht am Geroldsee bei Krün
Nur noch ein paar Pfosten schauen heraus: Selbst der Steg ist im Geroldsee verschwunden. © Barbara Falkenberg

Badefreunde sind ratlos: Seit einiger Zeit prangt an der Liegewiese am Geroldsee ein Schild. Die Botschaft der Grundstückseigentümerin: „Betreten verboten!“ Anlass dafür sind wohl auch finanzielle Gründe.

Krün – Christiane und Gisbert Graiff aus Frankfurt stehen fassungslos vor dem versperrten Gatter am Geroldsee. Seit sechs Jahren verbringen die beiden regelmäßig ihren Urlaub in Krün. Zur Erholung gehören immer auch die Besuche im „Geroldbad“ auf der Westseite des beliebten Naturjuwels. Die zwei Euro Eintrittsgeld pro Person haben sie immer gerne bezahlt. „Das war doch ein fairer Preis, und die Besitzerin hat uns immer wieder in nette Gespräche verwickelt, wir haben uns hier sehr wohl gefühlt.“

Liegewiese am Geroldsee: Betreten verboten - Urlauber fassungslos

Umso enttäuschter sind die Rentner in diesem Jahr. „Wir sind sehr traurig, die Überdachungen, der Steg, alles weg, und durch den Zaun kommt man ja noch nicht einmal mehr ans Wasser“, bedauert der 64-Jährige. Es war vor allem der einmalige Blick auf die Berge, den sie genossen haben. „Der ist nirgends so schön wie von hier, wir waren auch auf der anderen Seite des Sees, aber dort gefällt es uns nicht so gut, man kommt auch nicht so bequem ins Wasser“, ergänzt seine 61-jährige Gattin.

Ein Ehepaar aus Frankfurt vor dem abgesperrten Gatter am Geroldsee bei Krün
Fassungslos: Christiane und Gisbert Graiff aus Frankfurt stehen vor dem abgeschlossenen Gatter. © Barbara Falkenberg

Auch für Alfred Heinle aus Farchant ist es sehr bedauerlich, dass er nun nicht mehr den paradiesischen Platz am Geroldsee besuchen darf. „Das war für mich Jahrzehnte lang ein Ort der Erholung und Besinnung.“ Im Gegensatz zu ihm und den Graiffs lassen sich nicht alle von Schildern und Zäunen abschrecken.

Eine Gruppe von Mädels hat es sich auf der abgesperrten Liegewiese bequem gemacht. Etwas mulmig ist ihnen schon. „Wir wissen ja nicht, ob es illegal ist, dass wir hier auf dem Grundstück sind“, erklärt eines von ihnen. Die Mädels waren nicht die einzigen, die sich über das Betretungsverbot hinweggesetzt haben.

Geroldsee: Baden verboten - „War für mich Jahrzehnte lang ein Ort der Erholung und Besinnung“

Ein anderer „Gast“ empört sich darüber, dass man nun zwar fünf Euro Parkgebühren zahlen müsse (wir berichteten), aber nicht mehr baden dürfe. „Das passt doch nicht zusammen.“ Wie die Jugendlichen ist auch er kurzerhand über den Zaun auf das abgesperrte Gelände gelangt. Deshalb ist er an einer Stelle bereits niedergetreten.

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Die Eigentümerin ist darüber empört. Nicht zuletzt weil Unbekannte immer wieder das Schloss beschädigt hatten, rief sie einmal sogar die Polizei. Die ältere Frau aus Gerold, die namentlich nicht genannt werden möchte, gibt zwar bereitwillig Auskunft, möchte aber nichts davon in der Zeitung lesen. Letztlich macht die Einheimische den allgemeinen Neid der Menschen für die Situation, wie sie sich heute darstellt, verantwortlich. Dass „ihr“ Badeplatz nun nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich ist, gelte zumindest bis auf Weiteres.

Dem Vernehmen nach soll die Frau mit der Finanzbehörde Ärger bekommen haben. „Dazu kann ich offiziell nichts sagen“, sagt Thomas Schwarzenberger. Krüns Bürgermeister (CSU) erklärt die Sachlage so: „Die Wiesen rund um den See sind alle in privater Hand.“ Zwei oder drei der Eigentümer stellen sie Badegästen zur Verfügung. Eine einheimische Familie aus Gerold hat bis zum vergangenen Jahr ein Eintrittsgeld in Höhe von zwei Euro auf der Westseite des Sees verlangt. „Das war jahrzehntelang Brauch.“

Schild mit „Betreten verboten“ am Geroldsee: Gemeinde sucht nach Lösung

Ob das allerdings rechtens war? Eine Antwort hierauf möchte Schwarzenberger nicht geben. Das gelbe Schild mit der Aufschrift „Betreten verboten“ sowie die Umzäunung sind es laut dem Rathauschef jedenfalls nicht, weil „aufgrund der bayerischen Verfassung der Zutritt zur Natur gewährleistet und frei sein muss“. Da gleichzeitig aber auch die Hegezeit beachtet werden muss, sei die Sachlage schwierig.

Der Eigentümerfamilie hat Schwarzenberger bereits einen Vorschlag zur Güte unterbreitet. „Wir würden als Gemeinde das Grundstück pachten und uns auch ums Mähen und die allgemeine Betreuung kümmern, Toilettenhäuschen aufstellen, um der einheimischen Bevölkerung und den Urlaubern diesen schönen Platz wieder zur Erholung anbieten zu können.“

Zumal jetzt, da das Areal nicht mehr zugänglich ist, immer mehr Badegäste die anliegenden Schilf- und Moorgürtel als Liegewiese nutzen. „Das ist natürlich überhaupt nicht im Sinne der Natur und somit auch nicht in unserem.“ Doch bislang sind mehrere Gespräche erfolglos verlaufen, Schwarzenberger beißt mit seinem Vorschlag bei der Familie jedenfalls – noch – auf Granit.

Auch an anderen Badeseen im Landkreis gibt es keine Toilettenhäuschen.

Landratsamtssprecher Stephan Scharf

Von behördlicher Seite sind die Fakten und Hintergründe nicht ganz klar. Für Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamts, ist die Angelegenheit ebenso verworren. „Die Flächen rund um den Geroldsee sind Privatgrund.“ Grundsätzlich bestehe aber das freie Betretungsrecht in der Natur. Das könne aber eingeschränkt werden, wenn das Grundstück regelmäßig von einer Vielzahl von Menschen aufgesucht und dadurch in seinem Ertrag erheblich gemindert oder in unzumutbarer Weise beschädigt oder verunreinigt wird.

„Ob jedoch eine Ertragsminderung, eine Beschädigung oder Verunreinigung vorliegt, müsste geprüft werden.“ Er zumindest geht davon aus, „dass Erfahrungen aus der Vergangenheit und der zugenommene Besucherdruck zu dieser Entscheidung geführt haben“. Ob der Eintritt von zwei Euro, der über etliche Jahre verlangt wurde, rechtens war, müsste juristisch geprüft werden. Zu fehlenden Toiletten und dadurch einer möglicherweise mangelnden Hygiene meint Scharf:

„Auch an anderen Badeseen im Landkreis gibt es keine Toilettenhäuschen. Hier gibt es auch keine gesetzlichen Vorgaben. Die Wasserqualität des Sees ist auf jeden Fall absolut in Ordnung und wurde gerade erst wieder vom Gesundheitsamt überprüft.“

Auch er hofft nun auf ein einvernehmliches Arrangement. „Die Gemeinde Krün ist hier zusammen mit dem Landratsamt um eine Lösung bemüht, dass die Fläche weiterhin zum Baden genutzt werden kann.“ Von Barbara Falkenberg

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