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Der Durchlass unter der Walchenseestraße neben dem Kaffeehaus Kranzbach muss dringend saniert werden.

Der Kranzbach und seine Tücken

Hochwasserschutz in Krün: Die Zeit läuft davon

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
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Vor einem Jahrhunderthochwasser wäre die Gemeinde Krün nach jetzigem Stand nicht gewappnet. Sie muss nun innerorts zügig beim Kranzbach nachrüsten.

Krün – Hätte das Gewitter über Elmau beim Hochwasser-Ereignis am 12. Juni in Garmisch-Partenkirchen seine Wassermassen in den Kranzbach statt in den Ferchenbach gegossen, wäre es in Krün womöglich zu einer Katastrophe gekommen. Dieser Tatsache ist sich Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) bewusster denn je. Der Kranzbach plätschert eigentlich als kleines Rinnsal durch den Ort. Doch bei diesen Niederschlagsmengen hätte er bis zu 110 Häuser überschwemmen können.

Schwarzenberger ist seither in Alarmbereitschaft. Das Wichtigste für ihn: „Jetzt muss es schnell gehen mit der Hochwasserschutzverbauung.“ Seit Dezember 2017 wird an einem Konzept gearbeitet. Dieses bezog sich bisher lediglich auf die Außenbereiche. Neueste Untersuchungen durch ein Ingenieurbüro ergaben allerdings, dass es auch innerorts gewaltig hapert. Der Rathaus-Chef formuliert es in aller Deutlichkeit: Würde hier und jetzt ein großes Hochwasser-Ereignis passieren, „wäre Krün nicht gewappnet“. Wäre das Untersuchungsergebnis ein Zeugnis, gebe es für zwei neuralgische Stellen eine glatte 6. Die zwei Kranzbach-Durchlässe mitten im Ortszentrum unter der Krottenkopf- und Walchenseestraße „haben akuten Sanierungsbedarf“, warnt der Bürgermeister. Die aufnehmbare Wassermenge ist zu gering. Kies und Geröll haben die Durchflüsse in den vergangenen Jahrzehnten sehr in Mitleidenschaft gezogen – obwohl der Kanal unter der Walchenseestraße erst 1984 erneuert wurde. Eine Hiobsbotschaft. Dringender Handlungsbedarf besteht. Allerdings können der Bürgermeister und sein Gemeinderat nur ihren Teil der Hausaufgabe erledigen. Den Grundsatzbeschluss für ein innerörtliches Hochwasserschutzkonzept wurde in der jüngsten Sitzung abgesegnet. Doch die bürokratischen Mühlen mahlen bekanntlich langsam. Es braucht Geo-Untersuchungen, wasserrechtliche Verfahren, die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und, und, und. „Ehe man sich versieht, gehen Jahre um, bis überhaupt gebaut werden kann.“

Dieser Abschnitt bildet nun die dritte Säule neben Rückhaltebecken und Flutmulde der 1,5 Millionen Euro teuren Hochwasserverbauung. Geprüft wird nun, welche zusätzlichen Uferverbauungen nach dem Ausbau der beiden Durchlässe umgesetzt werden müssen. Schließlich könnte die bisherige Wassermenge von 1,5 auf 3 Kubikmeter in der Sekunde erhöht werden. 420 000 Euro zusätzlich wird die innerörtliche Verbauung kosten. 65 Prozent fördert dabei der Staat. Günstiger kann die Gemeinde die beiden Kanäle nicht erneuern. Denn wie das Ingenieurbüro feststellte, „müssten sie sowieso in zwei Jahren saniert werden“. Nur dann hätte die Kommune die kompletten Kosten alleine zu tragen. Das Ausmaß des Rückhaltebeckens hängt nun von der Durchflussmenge ab. „Wir sollten trotzdem an der Größe nicht sparen“, meint Gemeinderat Lothar Ragaller (Bürgerliche Wählergemeinschaft). Es sollte mithilfe der technischen Anlagen so viel Wasser wie möglich vom Ort ferngehalten werden.

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