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Unterschriften für das Volksbegehren gegen die Strabs.

Klingeln, aufklären, überzeugen 

Anti-Strabs: Häuserkampf in den Dörfern

Die Freien Wähler lassen nicht locker: Die strittige Straßenausbau-Satzung, kurz Strabs, muss fallen. Deshalb schwärmen auch in Krün und Wallgau Sympathisanten mit Listen aus. Diese sind ratzfatz mit Unterschriften versehen. Die Aktion ist der reine Selbstläufer.

Wallgau/Krün – Das Moratorium, das momentan die viel diskutierte Straßenausbau-Satzung einfriert, reicht den Freien Wählern nicht. Trotz des Teilerfolgs im Bayerischen Landtag strengen sie einen Volksentscheid („Straßenausbaubeiträge abschaffen – Bürger entlasten“) gegen die Strabs an. Deshalb liegen beispielsweise in Mittenwald in diversen Geschäften Unterschriftenlisten aus. In Krün und Wallgau wählen die FW-Sympathisanten zudem den Häuserkampf. Klingeln, aufklären, überzeugen – eine Strategie, die bislang vollends funktioniert.

„Die Liste ist ein Selbstläufer“, sagt der Wallgauer Georg Ostler (Brati). „Ich habe sie mir privat von den Freien Wählern aus Gammelsdorf schicken lassen, hatte sie im Nu voll und habe sie schon wieder abgegeben“ – mit Unterschriften ohne Ende.

Die Freien Wähler haben offenbar den Nerv der Zeit getroffen. Viele empfinden die Strabs als ungerecht. Sie verstehen nicht, wieso in Bayern – und dort nicht überall – Ausbau-Beiträge zu entrichten sind, obwohl sie Kfz-, Benzin- und Grundsteuer zahlen. Das kristallisiere sich aus den Gesprächen heraus, so die übereinstimmende Einschätzung der Unterschriften-Sammler. Ihnen zufolge fehlt auch das Verständnis dafür, dass andere Bundesländer keine Ausbaubeiträge in Rechnung stellen und Bayern dort über den sogenannten Länderfinanzausgleich mit ihren Steuern mitzahlt. Diese gefühlte Ungleichbehandlung quittieren viele in Wallgau und Krün mit ihrem Namen – die Aktion der Freien Wähler ist somit Ventil, um Dampf abzulassen.

Doch Klinkenputzen alleine reicht den Strabs-Gegnern im Oberen Isartal nicht. Man findet sie auch vor Einkaufszentren auf Überzeugungstour. Selbst der Fasching kann sie nicht aufhalten. „Gut möglich, dass wir noch einen Unterschriftenstand machen“, teilt Iris Grassl, Vorsitzende der Bürgerlichen Wählergemeinschaft Krün (BWG), mit. Eine Entscheidung darüber fällt an diesem Wochenende.

Offene Türen rannten die FW-Aktivisten auch in Wallgau ein. Inge Schöpf von der Flößerstraße graste ihr Viertel ab und sammelte in zwei Tagen 70 Unterschriften. „Überall wurde ich freundlich empfangen“, sagt Schöpf. Viele meinten zu der langjährigen Caritas-Sammlerin: „Endlich amoi oane, die koa Geld möcht.“ Ihre Tour hatte noch einen weiteren Vorteil: „Vom Schnapsla bis zum Kaffee wurde mir einiges angeboten.“ Weiter berichtet die 76-Jährige: „Sogar 100-prozentige CSU’ler haben gerne signiert.“

Ähnlich erging es in Krün Franz-Paul Reindl. Im Handumdrehen hatte der BWG-Gemeinderat im Ortsteil Gries, am Gstaudleweg und in der Edelweißstraße zwei Listen beieinander. „Solange das Gesetz nicht verabschiedet ist, bieten wir in beiden Orten weiter diese Möglichkeit“, verdeutlicht der Wallgauer Gemeinderat Hans Baur (Junge Mitarbeiter). Der Wählerverein hat zwar noch keine Listen, denkt aber darüber nach, selbst welche auszulegen. Denn, so Mitglied und Zweiter Bürgermeister Karlheinz Schwaiger: „Sicher unterstützen wir die Aktion.“

Leonhard Habersetzer

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