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Willkommen in der Wellnesse-Oase: Dr. Jakob Edinger hat mit dem Hotel „Das Kranzbach“ Maßstäbe gesetzt.  

Luxushotel eröffnet vor zehn Jahren 

„Das Kranzbach“: Investor hat Wort gehalten

Vom Pleitebetrieb zum Glücksfall: Seit der Tiroler Dr. Jakob Edinger für viel Geld und mit geradezu visionären Ideen das vor sich hin schlummernde Schlosshotel Kranzbach in ein Luxusrefugium der Spitzenklasse verwandelt hat, laufen die Geschäfte prächtig. Vor zehn Jahren wurde dieses Leuchtturm-Projekt eröffnet – still und leise, getreu Edingers Philosophie.

Kranzbach – „Mit bewusster Bescheidenheit, nicht Schickimicki, sondern bieder und bodenständig wollen wir ein auf Gesundheit orientiertes Ferienhotel auf Vier-Sterne-Ebene realisieren.“

Das sagte Dr. Jakob Edinger im Januar 2004 – nachdem er und sein damaliger Kompagnon Dr. Bernhard Heitzmann drei Wochen zuvor von den Vereinigten Kirchenkreisen Schloss Kranzbach für einen siebenstelligen Betrag erworben hatten. Und der promovierte Betriebswirt hat Wort gehalten. Mit kühnen Ideen, unternehmerischem Risiko und nicht zuletzt viel Geld (schätzungsweise 40 Millionen Euro) hat Edinger aus der „schlafenden Chance“ eine touristische Top-Adresse mit enormer Strahlkraft gemacht.

Floriert Kranzbach, geht‘s Krün gut

Der Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), in dessen Gemeindegebiet trefflicher Weise „Das Kranzbach“ liegt, bezeichnet den Investor und sein Projekt als „Glücksfall“. „Ich bin froh und ein stückweit stolz, dass wir einen solchen Leuchtturm besitzen.“ Zumal das florierende Resort viel Geld (Kurbeitrag, Grund-, Gewerbe- und Einkommensteuer sowie sonstige Abgaben) in die Gemeindekasse spült. Prosperiert Kranzbach, geht’s auch Krün gut. Im selben Atemzug preist er Edingers Kompetenz und Weitsicht.

Dieser jedoch übt sich lieber in Zurückhaltung und Understatement. Diesen Geist hauchte er auch seinem Kranzbach ein, das vor genau zehn Jahren still und leise eröffnet wurde und seitdem wirtschaftlich floriert.

Zufall stand Pate

Dabei ist es einem Zufall zu verdanken, dass er seine Traum-Immobilie mit 13 Hektar Land überhaupt entdeckte. „Wie vieles im Leben war es nicht geplant und zufällig“, erinnert sich der heute 72-jährige Tiroler.

Eigentlich will er im November 2002 bei den Nachbarn auf Spionagetour gehen. „Ich hab’ immer von dem Flaggschiff-Hotel Elmau gehört.“ Und da der damalige Mitbetreiber des Leutascher Quellenhofs eine Liste mit den besten Häusern führt und sich gerne von anderen Betrieben inspirieren lässt, bucht er ein paar Tage in Schloss Elmau. Edingers Pech – oder sollte man lieber sagen Glück – ist, dass er seinen Golden Redriver Cassy dabei hat. „Ein Hund geht nicht“, wird Edinger an der Rezeption freundlich aber unmissverständlich mitgeteilt.

Das Erbe von Mary Isabel Portman

Auf der Rückfahrt sticht ihm plötzlich dieses zackige Gebäude mit den rotweißen Fensterläden ins Auge. „Schloss Kranzbach – Kaffee und Kuchen 3,50 Euro“, liest der weitgereiste Tourismusberater aus Innsbruck auf einem verwitterten Schild. „Da brauch’ ich keine Bilanz zu sehen. Denen geht’s nicht gut“, kombiniert Edinger messerscharf. Jetzt erwächst in ihm die Neugier. Kurzerhand steuert er auf diesen fremdartigen Baukörper zu – einem schottischen Landsitz nachempfunden –, den Mary Isabel Portman, eine steinreiche, englische Aristokratin aus London, 1913 in Auftrag gegeben hatte.

Für zwei Nächte quartiert sich Edinger ein. Auch seine Hündin darf rein. Am nächsten Tag fliegt sein Inkognito auf. Geschäftsführerin Alexandra Heinze stellt ihn mit sächsischem Zungenschlag zur Rede: „Ich weiß, wer Sie sind“, soll sie gesagt haben. Schon damals spuckt die Internetsuchmaschine Google wertvolle Informationen aus.

Bloß kein Museum

Der Rest ist Geschichte. Die Betreiberfamilien der Schlosshotel-Kranzbach-GmbH meldeten Insolvenz an, und die Eigentümergesellschaft Oberland Terrain, eine 100-prozentige Tochterfirma der evangelischen Kirche, veräußerte Edinger und Co. für einen siebenstelligen Betrag ihr Sorgenschloss, das zuletzt wie ein Mühlstein an ihr hing. Kurze Zeit später stellte sich Edinger bei dem jungen Krüner Bürgermeister vor. „Ja wunderbar“, soll Schwarzenberger gesagt haben. „Wir wollen alles bloß kein Museum drin haben“ – geschweige denn einen Luxus-Sperrbezirk für einen russischen Oligarchen.

Doch die Umwandlung eines beschaulichen 30-Zimmer-Hotels (neun Mitarbeiter) in ein Refugium der Extraklasse (130 Zimmer, 160 Mitarbeiter) mit Tiefgarage, Außenpools, Wellnessanlage, Baumhaus und vielen Extras mehr sollte noch lange auf sich warten lassen. Zu groß und scheinbar unüberwindlich waren die Bedenken des Denkmal- und Naturschutzes. „Doch wir haben den gordischen Knoten zerschlagen“, erinnert sich Bürgermeister Schwarzenberger an das ultimative Gespräch beim damals zuständigen bayerischen Staatsminister Dr. Thomas Goppel (CSU) in München. Er konnte sich mit Edingers Geniestreich, die modernen Zusatzgebäude einfach in den Hang zu modellieren, sofort anfreunden.

Das Wort Schloss verschwindet

Dann wurde auf Teufel komm raus gebaut in der Kranzbacher Abgeschiedenheit. Eile war geboten. Denn nachdem die neuen Hausherren das verwaiste Schlosshotel drei Winter lang durchheizen mussten, sollte endlich mal Geld verdient werden.

Ende Mai 2007 lief nach dreieinhalbjähriger Unterbrechung der Betrieb wieder an – im Kranzbach. Das Wort Schloss verschwand auf Geheiß Edingers. „Das schreckt viele ab.“ Und man wolle doch bescheiden und zurückhaltend sein. Dieses Credo galt auch vor zwei Jahren, als das Luxusrefugium weltbekannte Politiker wie Ban Ki Moon (UN-Generalsekretär) oder Christine Lagarde (Direktorin des Internationalen Währungsfonds) beim G7-Gipfel in Schloss Elmau beherbergte. Auch gegenüber diesen erlesenen Gästen hielt sich der bodenständige Akademiker, der in einem kinderreichen Landgasthof in Söll am Wilden Kaiser groß wurde, zurück. „Ich habe keinem Promi die Hand geschüttelt“, erzählt Edinger. Die meisten wussten gar nicht, wer dieser schlanke Mann mit dem schlohweißen Haar überhaupt ist.

Keine Kinder oder Discountpreise

Genauso soll’s sein, findet der Hotelier. „Kranzbach will leise sein“, betont er nicht zum ersten Mal. Deshalb ist sein Haus für Kinder tabu. Entspannung und Ruhe stehen über allem. Auch Discountpreise gibt’s nicht – ebensowenig Busse oder Tagungen. Nur erholungssuchende Privatgäste. 70 Prozent Jahresauslastung geben Dr. Edinger recht.

Würde er das Projekt Kranzbach noch einmal wagen? „Heute täte ich mit meiner Familie darüber reden, damals war’s eine einsame Entscheidung.“ Die er nie bereut hat. Im Gegenteil: „Ich habe meine Erfüllung gefunden, auch wenn ich mitunter schlaflose Nächte hatte.“ Auch das Alter ficht den Opa zweier Enkeltöchter (sieben und acht Jahre) nicht an. „Je älter die Männer werden, desto größer sind ihre Spielzeuge“, meint er augenzwinkernd zu seiner Leidenschaft Kranzbach. Mit etwas mehr ernst fügt er hinzu: „Ich will nicht aufhören, nachzudenken und kreativ zu sein – den Rest wird die Biologie erledigen.“

Wer den Auszeit-Charakter seiner Nobelherberge begreifen will, sollte mal einen Blick nicht in den Spa-Bereich, sondern in die Tiefgarage werfen. Beim Einfahren liest man am Tor: „Kranzbach – seien Sie von nun an unerreichbar“. Steuert der Gast wieder nach draußen, wird einem mit auf den Heimweg gegeben: „Vergessen Sie nicht, Ihr Handy einzuschalten.“

Christof Schnürer

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