+
Land unter in Krün: 1934 ist der Kranzbach wieder über die Ufer getreten und hat das Dorf überflutet. Die Kinder damals machen das Beste daraus und planschen im Wasser. 

Gemeinde Krün beschließt Kranzbach-Zähmung

  • schließen

Krün und seine Weiler sind in puncto Kranzbach nicht gegen ein 100-jähriges Hochwasser gewappnet. Dieses Sicherheitsrisiko soll schleunigst behoben werden. Deshalb plant die Gemeinde einen umfassenden und millionenträchtigen Hochwasserschutz. Bei der Bürgerversammlung am 6. Mai sollen die Pläne vorgestellt werden.

Krün – Im Normalfall plätschert der Kranzbach langsam vor sich hin – ein wildromantisches Rinnsal eben. Doch das malerische Gewässer hat auch seine hässliche Seite. Früher, bevor der Reichsarbeitsdienst in den 1940ern die sogenannte Flutmulde (künstlicher Bypass Richtung Finz) baute, trat der Kranzbach regelmäßig über die Ufer. „Da sind’s teilweise mit dem Boot durchs Dorf gefahren“, weiß Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) von Zeitzeugenberichten. Bis zum heutigen Tag stellt der Kranzbach eine Gefahr für den Hauptort und die Weiler Tennsee und Barmsee dar. Bei einem sogenannten 100-jährigen Hochwasser gibt es an einigen Punkten zwischen Klais und Krün empfindliche Schwachstellen. Diese sollen in den kommenden Jahren behoben werden. Der Gemeinderat fasste dazu den einhelligen Beschluss, bei diesem Millionen-Projekt in die Vorplanung zu treten. „Wir sollten es jetzt anpacken, das nächste Hochwasser kommt bestimmt“, bringt es CSU-Gemeinderat Peter Schwarzenberger auf den Punkt.

Das Thema Kranzbach-Zähmung soll wesentlicher Bestandteil bei der Bürgerversammlung am Montag, 29. April, sein. Der Rathauschef hofft auf großes Interesse seitens der Bevölkerung, schließlich sind von dem Vorhaben rund 30 Grundstückseigentümer betroffen.

Insgesamt sollen elf verschiedene Maßnahmen realisiert werden – vorausgesetzt Besitzer, Fachbehörden und Naturschutzverbände machen mit. Drei zentrale Bauvorhaben hebt Bürgermeister Schwarzenberger hervor. So sollen in Krün an der Krottenkopf- und Walchenseestraße die Rohre vergrößert werden. „Derzeit kann dort nur ein Kubikmeter Wasser durchlaufen“, beschreibt Schwarzenberger den Ist-Zustand beispielsweise an der Bundesstraße beim Café Kranzbach. Nicht nur deshalb besteht Handlungsbedarf. Die Rohre sollen laut Expertise inzwischen fragil geworden sein. Deshalb findet auch Gemeinderat Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG): „Das, was geht, sollten wir möglichst bald machen.“ Allein dieses Projekt schlägt mit rund 670 000 Euro zu Buche.

Nicht minder wichtig ist der Hochwasserschutz in den Weilern. So sollen in den Ortsteilen Tenn- und Barmsee zwei (von drei) Kranzbach-Brücken erneuert, eine verkleidete Betonmauer am Tennsee und ein kleiner Wall am Barmsee verwirklicht werden. Des Weiteren möchte man den Tennsee an sich zum Rückhaltebecken umfunktionieren – via Damm mit Durchlass am Auslauf. Dieser soll die Wassermengen regulieren beziehungsweise dosieren. Dafür benötigt man Mittel von etwa 700 000 Euro.

Als Drittes soll ein zusätzlicher Rückhalt umgesetzt werden – entweder am Bärnbichl (nahe Nachtloipe) oder im Barmsee. „Beide sind rechnerisch möglich“, sagt der Bürgermeister. Doch die Barmsee-Variante (680 000 Euro) ist wesentlich billiger als die Maßnahme am Bärnbichl (1,3 Millionen Euro). Dafür muss am Barmsee sowohl mit dem Eigentümer (Baron August von Finck) als auch mit Naturschutz-Behörden und -Verbänden verhandelt werden. Schließlich sieht der Plan vor, dass bei Hochwasser Biotopflächen überflutet werden. Alles andere als einfach. Das weiß auch Schwarzenberger. „Diese Maßnahmen werden uns die nächsten zehn Jahre beschäftigen.“

Immerhin kann mit bis zu 65-prozentiger, staatlicher Förderung bei dem 3,5- bis 4,3-Millionen-Euro-Vorhaben gerechnet werden. Die Kranzbach-Schwachstellen kamen übrigens 2013 erstmals zur Sprache. Der G7-Gipfel (Juni 2015) brachte anschließend den Zeitplan etwas durcheinander.

Die Bürgerversammlung

findet am Montag, 6. Mai, statt. Los geht’s um 19.30 Uhr im Kurhaus-Festsaal. Anfragen von allgemeinem Interesse, deren Beantwortung vorherige Akteneinsicht erfordern, sollten bis spätestens Dienstag, 30. April, in der Gemeindeverwaltung eingereicht worden sein..

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Illegales Autorennen am Walchensee: Fahrer (18) rammt Audi kurz vor dem Tunnel
Nach einem illegalen Autorennen auf der B11 kam es zwischen Urfeld und Walchensee zu einem Unfall. Zwei junge Männer wurden verletzt.
Illegales Autorennen am Walchensee: Fahrer (18) rammt Audi kurz vor dem Tunnel
Schlimm zugerichtetes Hirschkalb stirbt qualvoll: Tierschützer äußern schrecklichen Verdacht
Einen grausamen Tod musste ein Rotwildkalb in der Nähe von Oberau erleiden: Das Tier wurde offenbar gejagt und verletzt. Tierschützer haben einen besorgniserregenden …
Schlimm zugerichtetes Hirschkalb stirbt qualvoll: Tierschützer äußern schrecklichen Verdacht
Defizit beim Strauss-Festival schlägt hohe Wellen
Das Defizit beim Strauss-Festival schlägt hohe Wellen. Jetzt nimmt der ehemalige Leiter Stellung.
Defizit beim Strauss-Festival schlägt hohe Wellen
Braun wird grün
Der Garmisch-Partenkirchner Peppi Braun ist den Grünen beigetreten. Im Marktgemeinderat heuert er bei der Grün-Unabhängigen-Fraktion an.
Braun wird grün

Kommentare