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In der Volksschule Krün werden die Kinder von Tagesmüttern betreut.

Ein Dorf zeigt sich familienfreundlich

Krün: Großtagespflege vorerst gesichert

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Die Kinderbetreuung in Krün wird teurer – zumindest für die Gemeinde. Die Kommune stellt das Abrechnungssystem bei der Großtagespflege um. Dem Angebot hätte sonst wahrscheinlich das Aus gedroht.

Krün – Thomas Schwarzenberger (CSU) bedauert’s. Zwei Tagesmütter der Großtagespflege haben zum 30. April aufgehört. Dabei läuft dieses Betreuungsmodell in den Räumen der Krüner Volksschule erst seit September 2016. Der Bürgermeister kann den Schritt der Frauen aber auch voll und ganz nachvollziehen. „Sie sind nicht gerade überbezahlt“, sagt er. Noch dazu besteht kein Anstellungsverhältnis. Sie arbeiten freiberuflich. Nachfolger zu finden, gestaltet sich angesichts der suboptimalen Voraussetzungen schwierig. Die Kündigungen stellen die Gemeinde vor ein Problem, weil’s das Angebot braucht. Jetzt wurde reagiert und eine Lösung gefunden.

Zwölf Kinder in dieser Form der Betreuung

Sie ändert – wie auch schon Grainau – das Abrechnungssystem für die Großtagespflege, für deren Organisation das Kinderbüro Garmisch-Partenkirchen zuständig ist, zum 1. Mai dieses Jahres. Das hat der Gemeinderat beschlossen. „Wenn wir nicht umstellen, haben wir kein Personal mehr und keine Betreuung“, warnte der Rathauschef zuvor. Das wollte logischerweise niemand. Schließlich ist das Angebot nötig, weil im Kindergarten nicht alle Buben und Mädchen einen Platz gefunden haben. Beide Gruppen mit Zulassung für 50 Kinder sind voll. Zwölf Kleine unter drei Jahren werden deshalb derzeit von Tagesmüttern in Obhut genommen.

Das neue System kommt der Gemeinde allerdings teurer als das alte. Bisher zahlte den kommunalen Anteil für die Großtagespflege der Landkreis als Träger, jetzt Krün selbst. „Aufs ganze Jahr gerechnet macht das eine Mehrbelastung von 19.000 Euro“, verdeutlichte Schwarzenberger. Das Modell ermöglicht jedoch für künftige Tagesmütter ein besseres Beschäftigungsverhältnis – samt anderer Bezahlung und sozialer Absicherung.

An der Regelung des Elternbeitrags hält die Gemeinde fest. Dieser kostet mehr als im Kindergarten. Die Differenz von aktuell insgesamt 12.000 Euro gleicht die Kommune aus. Das bleibt auch so bis zum 1. August. „Wir stehen für dieses Jahr bei den Eltern im Wort“, betonte der Bürgermeister. „Sie können nichts dafür, dass ihre Kinder keinen Platz im Kindergarten bekommen haben.“ Selbst für die Zeit danach möchte Krün diese „freiwillige Leistung“ weiter übernehmen, zumindest solange sich die Haushaltslage so komfortabel wie derzeit darstellt. Wenngleich nicht mehr exakt in dieser Größenordnung.

Keine Alternative für neues System

Alle drei Beschlüsse zu diesem Thema fielen einstimmig aus. Das Gremium weiß, dass die Kinderbetreuung im Ort gesichert sein muss. Als alternativlos bezeichnete Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG) das neue System. „Das wäre sonst ein fatales Signal.“ Worte, denen Anneliese Albrecht nur beipflichten konnte. Die CSU-Rätin findet es richtig, die Umstellung jetzt in trockene Tücher gebracht zu haben. „Sonst finden wir keine Leute mehr, die das machen.“ Indes hat das Kinderbüro mit der Stellen-Ausschreibung begonnen. Schwarzenberger zufolge sind auch schon Bewerbungen eingegangen. Für den Rathauschef ist es der richtige Weg, der nun eingeschlagen wurde. Auch, um als Wohnort attraktiv zu bleiben. Kinderbetreuung spielt dabei eine bedeutende Rolle. Dafür lohnt sich die Investition. „Wir wollen nicht als familienunfreundlich gelten.“ Jetzt hofft Schwarzenberger nur noch, dass es auch Anmeldungen für die Großtagespflege gibt.

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