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Eine Riesengaudi haben die Teilnehmer des Nostalski-Rennens am Barmsee.

Mit uralten Skiern unterwegs

Nostalski-Rennen in Krün: Wedeln wie zu Opas Zeiten

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Bruchpiloten auf uralten Brettern stürzen beim Nostalski-Rennen in Krün den Barmseehang hinab. Doch die eigentlichen Unterhalter waren nicht auf der Piste.

Krün – Das Knie von Christine Gerg will nicht mehr, wie sie will. Früher hielt es gut. Gerg, die Mittenwalderin, die nach Wallgau geheiratet hat, gehörte zu den Mutigen, die den Barmsee-Hang mit alten Holzbrettern und historischen Kleidern bezwingen, sich gelegentlich auf den Popo setzen. Mit Mitte 50 verkauft Gerg Mützen, also Nostalski-Mützen. Pro Stück zehn, 15 Stunden Arbeit. Es geht nicht ums Geld. Die Zeit dürfe man nicht berechnen, die zahlt keiner. Gerg hat die Veranstalter gefragt, ob sie denn das Logo aufsticken dürfe. Natürlich sagten die „Ja“. Keiner verwehrt sich der Gratis-Werbung.

Auf dem Allerwertesten landet Stefan Mang.

Die Gaudi zur Faschingszeit hat eine Dimension erreicht, schon lange langt es nicht mehr, am Renntag ein paar Stangen aufzustellen wie am Anfang, als die Junggesellen einen Stammtisch-Jux ausprobierten. „Ich hatte schon gedacht, das könnte was Größeres werden“, sagt Hans Buchwieser. Im Dorf sprach sich der Plan der Junggesellen herum. Bereits beim ersten Rennen 2007 lugten die Krüner, was man auf ihrem Nordhang trieb. Als letzter Verbleibender des Erfinder-Teams leitet Buchwieser das Rennen, steckt den Kurs, schafft den Jungen an, wie sie die alte Idee umzusetzen haben. „Machen sie wunderbar“, betont er.

Nostalski-Rennen in Krün: Letztes Jahr musste abgesagt werden

Voriges Jahr schufteten sie vergebens. Über Nacht kam der Schnee. Viel zu viel Schnee. Die Krüner sagten die Gaudi ab. Sie fanden das weniger lustig. „Es tut weh, wenn der Aufwand für nichts war.“ Als kleiner Verein sei eine Absage kaum zu verschmerzen. „Wenn das zweimal hintereinander passiert, kannst du das fast nicht mehr stemmen.“ In diesem Jahr traf sie das andere Extrem. Zu wenig Schnee – mittlerweile das größere Risiko Anfang Januar. „Der Winter schiebt sich nach hinten raus.“ Mit aller Macht und Hilfe der Gemeinde stemmten sie sich gegen einen weiteren Ausfall. „Wir haben gezittert“, sagt Valentin Achner, der Vorsitzende der Junggesellen. Aber gegen die Natur könne man nichts ausrichten. Zehn Zentimeter Kunstschnee spuckten die Schneekanonen aus. „Fast gar nichts“, wie Achner sagt, aber genug, um die über 80 Starter zu tragen.

Fotostrecke Nostalski-Rennen in Krün: Wedeln wie zu Opa’s Zeiten

In gewisser Weise halfen die Schneemassen des vorigen Winters auch. Die Last erdrückte viele Bäume, aus denen die Veranstalter ihren neuen Ziel-Bogen zimmerten. Das alte hielt nicht mehr richtig. „Machen wir’s gleich gescheit“, sagt Achner. Es geht schließlich auch um die Sicherheit seiner zwei Stars: Max Achatz und Martin Ceeh thronen oder fläzen, wahlweise beides, oben droben auf dem Holzgestell. Ein Holzofen wärmt ihnen den Hintern. Sie rauchen Pfeife, halten ein Mikro und dürften, streng genommen, nicht mehr mitmachen. Seit ein paar Jahren sind sie verheiratet. Doch keiner würde auf die Idee kommen, sie nicht mehr zu buchen. Christine Gerg, die Mützen-Verkäuferin, sagt, nur wegen der beiden lohnt sich das Kommen. „Sie sind nicht zu ersetzen“, betont Hans Buchwieser. Man habe viel probiert, viel rumgefragt, aber keiner traut sich an den Moderatoren-Job heran. „Die Messlatte liegt so dermaßen hoch.“

Nostalski-Rennen in Krün: Moderatoren-Duo genießt mittlerweile Kult-Status

„Macher“ und Sieger (v.l.): Organisator Hansi Buchwieser, David Pölzl, Franziska Müller, Sebastian Baumann, Susanne Heufelder, Klaus Heufelder, Florian Kinshofer und die Kommentatoren Martin Ceeh und Max Achatz.

Ein Nachmittag mit Achatz und Ceeh ist eine Sprüche-Parade samt Lach-Garantie. Mal spanisch, mal italienisch, immer witzig. Vor Bürgermeister-Anwärter Hans Zahler warnten sie. „Passt auf, der drückt euch im Vorbeifahren noch einen Wahlzettel in die Hand.“

Zu beinahe jedem Starter fiel ihnen ein Gag ein. Sogar auf die eigenen Helfer zielten sie. „Da sieht man, dass du auch lieber mit Bienen umgehst, als mit den Frauen“, schickten sie in Richtung eines untätigen Streckenpostens. „Sie sind zwei solche Originale“, sagt Buchwieser. Die Hälfte an Unterhaltung liefern sie. Für die andere sorgt Buchwieser mit seiner Kurssetzung. Locker 30 Mal testet er den Hang. Mal langsam, mal schnell, immer ohne Kante auf den Ski. „Jeder soll Spaß haben“, findet er. Und Spaß haben die Zuschauer – locker wieder an die 600, 700 – vor allem, wenn die Sportler straucheln. Dafür hat Buchwieser „ein paar Klassiker“ eingebaut. Kamelbuckel und Sprungschanze „sind immer für Lacher gut“. Sie produzieren Hosenboden-Festivals wie bei Hubert Holzer. Ganz klar verwachst, analysiert der Sturzpilot. „Ich bin mit gutem Gewissen hergefahren, hab’ mir einiges erhofft“, scherzt er. Der Schuldige: sein Vater. „Ich war viel zu schnell, bin über jeden Buckel rübergesaust.“

Runter damit: Sandra Lautenbacher kippt den Schnaps auf Ex.

Nicht einmal an der Dart-Scheibe klappte es. Für jede Ausgabe entwickeln die Junggesellen eine Sonderaufgabe. Dart liegt im Trend, läuft im Fernsehen. Also schmissen die Fahrer einen Pfeil, der je nach Treffer Zeit-Bonus oder Zeit-Aufschlag einbrachte. „Hält die Spannung am Leben“, sagt Buchwieser. Vor Jahren ließ er mal am Glücksrad drehen. Das war den Sportlern dann zu viel Zufall. Ein bisschen Ehrgeiz gehört dazu. Für den Sieg braucht es ein paar Tricks mehr. Doch niemand verrate sein Geheimnis, schon gar nicht die Sieger (siehe Infobox unten). „Ich hätte auch ein gutes“, sagt Hans Buchwieser. Doch auch er schweigt. „Vielleicht fahre ich selbst mal wieder mit.“

Die Ergebnisse des Nostalski-Rennens 2020:

Damen ohne Kante: 1. Susanne Heufelder (51,62 Sekunden), 2. Katharina Camelli (52,28), 3. Steffi Reindl (56,02), 4. Elisabeth Rauth (59,48), 5. Alina Frühauf (1:01,70 Minuten), 6. Verena Mandl (1:02,04), 7. Sandra Lautenbacher (1:12,21), 8. Elisabeth Waldhör (1:12,62), 9. Anna Mayr (1.16,06). 10. Leni Schober (1:29,5). 

Damen mit Kante: 1. Franziska Müller (45,65 Sekunden), 2. Vivien Mandl (55,95), 3. Michaela Fischl (56,70), 4. Regina Mang (56,96), 5. Sophie Glasl (1:07,23 Minuten), 6. Maggi Ostler (1:16,54), 7. Ari Papetti (1:29,12), 8. Theresia Maurer (1.19,78), 9. Theresa Steffl (1:30,50), 10. Karin Deutschmann (1:32,09). 

Herren ohne Kante: 1. Sebastian Baumann (45,23 Sekunden), 2. Martin Willibald (45,40), 3. Florian Kinshofer (45,50), 4. Michael Pogrzeba (46,70), 5. Bernd Wilde (48,58), 6. Georg Schober junior (50,01), 7. Stefan Block (53,20), 8. Simon Pfund (53,90), 9. Christian Schäblein (55,92), 10. Markus Mössmer (56,43). 

Herren mit Kante: 1. David Pölzl (44,20), 2. Hubert Pleyer (45.67), 3. Daniel Gödtel (47,95), 4. Michael Hornsteiner (48,39), 5. Christoph Zahler (51,73), 6. Andreas Singer (52,48), 7. Simon Glasl (53,43), 8. Florian Fischl (53,46), 9. Florian Baumann (54,03), 10. Christoph Kriner (54,89). 

Mannschaftswertung: 1. „Die Kindskepf“ (Florian Kinshofer, Susanne Heufelder, Klaus Heufelder und Charlie Bayerlein, 59,07 Sekunden), 2. „Bergwacht I“ (Markus Vogl, Hubert Pleyer, Michael Hornsteiner, Sebastian Baumann, 1:50,14 Minuten), 3. „Die Wuid’n“ (David Hien, Fabian Papetti, Ari Papetti, Martin Willibald, 1:08,80), 4. „Bergwacht II“(1:13,51), 5. „Wallgau I“ (1:16,86), 6. „Wallgau II“ (1:20,37), 7. „Zwergalrenna“(1:22.28), 8. „Boiza-Crew“ (1:25,67), 9. „Heiße Oma“ (1:29,98), 10. „De Ziplziacha aus Tirol“ (1:30,45), 11. „Wohnkultur“ (1:30,86), 12. „1. Skischule Mittenwald“(1:43,28), 13. „Wargl’n“ (1:51,80), 14. „Make America great again“ (1:55,44), 15. „Schnapsdrosseln (1:55,93), 16. „Gach Schee“ (2:39,35), 17. „De Gauschdara“(2:49,97). ku

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