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Der verletzte Krüner wurde mit dem Hubschrauber ins UKM geflogen.

Der Held von nebenan

Senior verletzt sich bei Gartenarbeit schwer - sein Nachbar (20) rettet ihn vor dem Verbluten

  • Manuela Schauer
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Er war der Retter in der Not: Hubertus Bielmeier leistete bei seinem Nachbarn Erste Hilfe, nachdem sich dieser bei Gartenarbeiten schwer verletzt hatte. Der 20-Jährige behielt einen kühlen Kopf – und erkannte den Ernst der Lage.

Krün – Hubertus Bielmeier hörte ihn, den Schrei. Rannte von seinem Zuhause in den Garten nebenan – und erblickte seinen Nachbarn. Sah das spritzende Blut. „Die Verletzung war nicht schön“, sagt der Krüner. „Milde ausgedrückt.“ Bielmeier leistete sofort Erste Hilfe – und verhinderte Schlimmeres.

Der Senior hatte am Mittwoch das schöne Wetter genutzt und arbeitete am Nachmittag im Garten. Dabei schnitt er sich mit einer flexähnlichen Handkreissäge quer über die Handinnenseite und weiter durch den Unterarm. Der Mann zog sich eine circa 30 Zentimeter lange Wunde zu, verlor rasch sehr viel Blut, berichtet Thomas Rappensberger, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Mittenwald. Bielmeier „konnte durch das beherzte Einschreiten möglicherweise ein eventuelles Ableben verhindern“.

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Der 20-Jährige weiß, wie man Verletzte versorgt. Er ist bei der Wasserwacht und Feuerwehr Krün aktiv und engagiert sich ehrenamtlich im Rettungsdienst. „Ich habe gleich erkannt, dass es ernst ist“, sagt er. Sofort forderte Bielmeier Rettungswagen und Notarzt an, kurz darauf auch den Hubschrauber. Bis die Profis eintrafen, kümmerte er sich um den Nachbarn, verband den Arm mit Mullbinden, um die Blutung zu stillen. „Ein bisschen Verbandsmaterial hab’ ich immer im Auto“, sagt er. Der Krüner beruhigte den Senior, achtete auf seinen Zustand. „Er hatte einen Schock.“

Ersthelfer behält kühlen Kopf

Bielmeier selbst war mit der Situation nicht überfordert, behielt einen kühlen Kopf. Die in der Vergangenheit absolvierten Übungen und seine Erfahrung zahlten sich aus. Ein Vorteil. Findet er selbst. „Du kannst ein bisschen routiniert arbeiten, wenn du die Abläufe weißt.“

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Sein Nachbar wurde mit dem Hubschrauber in die Unfallklinik nach Murnau geflogen, kam in die Unfallchirurgie. Mit seiner Familie kümmerte sich der junge Mann sofort nach dem Abtransport des Verletzten um dessen besorgte Ehefrau. „Wir haben sie betreut und ein bisschen mit ihr geredet.“ Wie es dem Senior mittlerweile geht, kann Bielmeier nicht sagen. „Ich hab’ nichts gehört.“

Trotz seiner Leistung gibt sich der 20-Jährige bescheiden. Für ihn war’s selbstverständlich, ohne zu Zögern einzugreifen. Passt zu seiner Einstellung: Denn Bielmeier hält es für enorm wichtig, dass sich Menschen Erste-Hilfe-Kenntnisse aneignen. Als Held fühlt er sich aber nicht. Obwohl er seinem Nachbarn womöglich das Leben gerettet hat. „Er hatte nur ein Massel“, sagt Bielmeier, „dass ich daheim gewesen bin“.

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