In Lebensgefahr befindet sich der rechte Schwan auf dem Bild vom Krüner Stausee. Die Angelschnur beziehungsweise ein Strick aus seinem Schnabel ist zu erkennen. Der Tierschutzverein warnt davor, das Tier selbst einzufangen.
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In Lebensgefahr befindet sich der rechte Schwan auf dem Bild vom Krüner Stausee. Die Angelschnur beziehungsweise ein Strick aus seinem Schnabel ist zu erkennen. Der Tierschutzverein warnt davor, das Tier selbst einzufangen.

Tier lässt sich nicht einfangen

Touristen finden leblosen Schwan an Bergsee: Tierschützer vermuten Angelhaken im Hals - Fischer haben anderen Verdacht

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Touristen haben am Ufer des Krüner Stausees einen Schwan entdeckt, der sich nicht mehr rührte. Ihm hing etwas aus dem Schnabel - wahrscheinlich ein Angelhaken an einer Schnur.

  • Touristen finden einen leblosen Schwan: Sein Schnabel ist voll mit Gewächs.
  • Eine Schnur oder ein Strick hängt dem Tier aus dem Hals - Tierschützer vermuten einen Angelhaken.
  • Einfangversuche sind bislang gescheitert - Der Tierschutzverein warnt davor, ihn auf Eigeninitiative zu fangen.

Krün – Der Schwan liegt am Ufer des Krüner Stausees in der Nähe einer Brotzeitbank. Er bewegt sich nicht mehr, als ihn Danny Prügner und Ulrike Kühnert beim Spazierengehen entdecken. Die Touristen sehen, dass ihm grünes Gewächs aus dem Schnabel hängt. Der Tourist entfernt es. Dann fällt ihm eine Schnur auf, die dem Tier aus dem Schnabel hängt. Vorsichtig öffnet der Urlauber das Maul des Tieres. Der Strick hat sich fest im Hals des Tieres verankert. Der Gast vermutet einen Angelhaken oder ähnliches. Sofort ruft er Christine Sprenger, die Vorsitzende des Mittenwalder Tierschutzvereins, an. Als sich Sprenger mit Vereinsmitglied Christina Ludwig am Freitag auf den Weg machen, ist der Schwan verschwunden.

Schwan verletzt am Krüner Stausee gefunden: Tier lässt sich nicht einfangen

Nach kurzer Suche entdecken sie ihn am kleineren der beiden Stauseen. Das Tier regte sich erneut nicht. Es hat sich auf eine kleine Insel mit seinem Partner zurückgezogen. „Wie kommen wir da nur hin?“, fragt sich Sprenger. Sie bittet die Wasserwacht Krün/Wallgau um Hilfe. Die Retter reagieren prompt. Mit sieben Einsatzkräften rücken sie am Stausee an. Mit einem Schlauchboot fahren sie dem Tier, nach wie vor treu von seinem Partner begleitet, entgegen. „Mit einem Motorboot hätten wir sie sofort verscheucht“, erklärt Sprenger.

Was hängt da aus dem Schnabel des Schwans? Tierschützer vermuten eine Schnur mit Angelhaken.

Das regungslose Tier bewegt sich plötzlich wieder, flieht vor seinen Rettern, lässt sich nicht einfangen, als die Einsatzkräfte vorsichtig mit ihren Paddeln näher kommen. „Der Schwan lebt, da waren wir schon sehr froh“, sagt Sprenger. Doch steckt nach wie vor die Schnur mit dem vermuteten Angelhaken in seinem Hals. „Wir hatten keine Chance, ihn zu erreichen“, bedauert Sprenger. Die Rettungsaktion muss gegen Einbruch der Dunkelheit abgebrochen werden.

Tierschutzverein warnt davor, den Schwan am Bergsee selbst einzufangen - Beobachter sollen anrufen

Auf Facebook postet Sprenger einen Hinweis auf der Seite des Tierschutzvereins. „Wenn jemanden etwas auffällt, soll er sich sofort melden.“ Doch warnt sie eindringlich vor dem Versuch, das Tier selbst zu retten. „Man fängt nicht einfach Mal so einen Schwan ein.“ Beobachter sollen umgehend bei ihr anrufen, meint sie.

Denn das Tier zu fangen, ist alles andere als einfach, weshalb sich Sprenger mit einem Tierarzt in Verbindung setzt, der den Schwan betäuben kann. Noch scheint er fressen und trinken zu können, bewegt sich nach wie vor flink. „Sein Gesundheitszustand ist noch recht stabil.“ Erst wenn das Tier gefangen und die Schnur entfernt ist, kann genau gesagt werden, ob der Schwan bleibende Schäden davon tragen wird und um was es sich bei dem Gegenstand im Maul des Tieres genau handelt.

Kreisfischereiverein zum verletzten Schwan am Krüner Stausee: „Der Fall ist eigenartig“

Doch glaubt auch Sprenger, dass es sich durchaus um einen Angelhaken handeln könnte. Schon öfter ist die Vorsitzende von Spaziergängern daraufhin hingewiesen worden, dass sich Angelhaken und Schnüre am und im Stausee befinden. Schließlich darf in den Gewässern gefischt werden. Auch Gäste, sofern sie über eine entsprechende Erlaubnis in Form eines Fischereischeins verfügen. Hans-Peter Schanderl vom zuständigen Kreisfischereiverein Garmisch-Partenkirchen – dieser hat zusammen mit dem Mittenwalder Fischereiverein den Stausee gepachtet – gibt allerdings zu bedenken, dass seine Mitglieder ausschließlich mit künstlichen Ködern fischen. Sollte es sich tatsächlich um ein Angel-Utensil handeln, bezweifelt Schanderl stark, dass es sich von einem seiner Mitglieder handelt. „Der Fall ist sehr eigenartig“, sagt der Isarbeauftragte des Vereins. Er glaubt eher, dass es sich schlichtweg um Müll handelt. „Die Isar führt leider viel Unrat mit sich“, meint er. „Das im Schnabel könnte alles mögliche sein.“

Die Isar führt leider viel Unrat mit sich. Das im Schnabel könnte alles mögliche sein.

Hans-Peter Schanderl, Kreisfischereiverein Garmisch-Partenkirchen

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Schwan am Krüner Stausee gerettet werden muss. Bereits 2017 konnten die Tierschützer in Zusammenarbeit mit der Wasserwacht einen verletzten Schwan bergen und verarzten. Doch gestaltete sich auch damals das Einfangen als größte Herausforderung. Damals half Tierarzt Dr. Peter Saur aus Garmisch-Partenkirchen.

WENN SIE DAS TIER SEHEN:

Sollte jemand den schwachen und auffälligen Schwan am Krüner Stausee sehen, soll sich dieser umgehend beim Mittenwalder Tierschutzverein unter der Telefonnummer 01 60/2 20 85 62 oder 0 88 23/80 52 melden. Der Verein rät dringend von dem Versuch ab, das Tier auf Eigeninitiative zu fangen, da dies unter fachlicher Aufsicht passieren muss.

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