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Im Gespräch: Minister Thorsten Glauber (l.) und sein Parteifreund Florian Streibl an der Isar.

Isarkies bei Krün: Warum es keine schnelle Lösung gibt

  • vonChristof Schnürer
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Der Kiesfang am Krüner Stauwehr - falls er jemals kommen sollte - wird noch längere Zeit auf sich warten lassen. Zwar schaute nun der Umweltminister vorbei, eine Lösung hatte er nicht dabei.

Krün – Mit dem ersten Satz trifft Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) den Nagel auf den Kopf. „Ein Termin, der kein einfacher ist.“ Damit zielt das Kabinettsmitglied der Freien Wähler auf das Kiesproblem an der Isar ab. Eine Lösung kommt der Quadratur eines Kreises gleich.

Da gibt es die wirtschaftlichen Interessen von Kraftwerksbetreiber Uniper, da gibt es die Vorbehalte von Umweltbehörden und -verbänden, nicht zu vergessen die Sichtweisen der fremdenverkehrsorientierten Anrainergemeinden sowie die Argumente der Weiderechtler und des Kreisfischereivereins. Dieser fordert oberhalb des Krüner Stauwehrs einen Kiesfang, damit sich Ereignisse wie Mitte Juni nicht mehr wiederholen (wir berichteten). „Der Natur würde kein Schaden zugefügt werden“, verdeutlicht Hans Schanderl vom Kreisfischereiverein.

Systemrelevantes Kraftwerk

Der Rentner aus Kochel kämpft seit Jahren für dieses Konstrukt im Stausee. Dadurch könnte so manche Notspülung am Wehr, die auf einen Schlag Tonnen von Kies durch die Schleusen wuchten, verhindert werden – und damit der sichere Tod unzähliger Wasserlebewesen in der dann zum Teil trocken gefallenen Isar.

So viel zur Theorie, die Praxis sieht anders aus, wie der Ortstermin am Donnerstag mit Minister Glauber zeigt. Viele Worte, viele Statements, viele Kameras – keine Lösungen. „An dieser Stelle scheiden sich die Geister“, bringt es Florian Streibl auf den Punkt. Der Landtagsabgeordnete aus Oberammergau hat seinen fränkischen Parteifreund auf das Kies- und Fischproblem an einem „systemrelevanten Kraftwerk“ aufmerksam gemacht. „Deshalb muss man das im größeren Kontext sehen.“

Hört sich kompliziert an. Und glaubt man den Worten von Glauber, ist es das auch. „Es gibt nicht die schnelle, einfache Lösung“, mahnt der Minister. „Wer das behauptet, streut einem Sand in die Augen.“ Mit einer konkreten Idee kommt Glauber nicht. „Das Vorwärtsbringen ist mein Ziel.“ In diesem Kontext stelle er den rund 40 Zuhörern in Aussicht, bis Herbst an einem schlüssigen Konzept zu feilen. Auf Zeit spielen möchte der Umweltminister nach eigenem Bekunden nicht. „Dass die nächsten zehn Jahre wieder nichts passiert, wird’s nicht geben.“

„Wir sind kompromissbereit“, betont Dr. Klaus Engels, Direktor Wasserkraft Deutschland bei Uniper. Den versammelten Gästen versucht er, die Wichtigkeit der Krüner Einrichtung in Erinnerung zu rufen. „Das ist nicht irgendein Wehr, sondern der Startpunkt des Walchensee-Systems.“ Engels betont im gleichen Atemzug, dass sein Unternehmen im Vorfeld der Konzessionsgespräche mit dem Freistaat Bayern an einer Fortsetzung der Isar-Stromerzeugung interessiert sei.

„Keine sektorale Denkweise“

Roland Kriegsch, Leiter des zuständigen Wasserwirtschaftsamts Weilheim, zeigt sich ebenso gesprächsbereit in puncto Kiesfang. Ziel müsse es sein, Notspülungen und „Eingriffe in die Natur“ (Lkw-Kiestransporte) zu reduzieren. Nur Roland Weid (Regierung von Oberbayern) schert aus. „Keine sektorale Denkweise“ wünscht sich der Vertreter der Oberen Naturschutzbehörde. Er fordert, die Diskussion „nicht zum jetzigen Zeitpunkt zu führen“, sondern eine Gesamtlösung anzustreben am „letzten, halbwegs funktionierenden Alpenfluss“. Da kann Fischerei-Sprecher Schanderl nur mit dem Kopf schütteln. „Dann warten wir halt wieder zehn Jahre“, grummelt er in seinen weißen Schnauzbart hinein.

Den berühmten „ganzheitlichen Blick“ fordert auch der Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Und der bezieht sich bei ihm nicht nur auf Fauna und Flora. „Momentan werden wir überrannt von Naherholern.“ Müll, Lagerfeuer und andere negative Begleiterscheinungen gehen damit einher, gibt der Rathauschef dem Minister mit auf den Weg nach München. „Auch da brauchen wir dringend Unterstützung.“

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