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Weltkulturerbe: Um die gelbgrün schraffierten Bereiche geht‘s. 

Bauern diskutieren im Rathaus

Weltkulturerbe: Krüner Landwirte geben keinen Freibrief

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Positiv-kritisch wollen die Landwirte in Krün den Bewerbungsprozess zum UNESCO-Weltkulturerbe begleiten. Das zumindest empfehlen Bauernobmann und Bürgermeister.

Krün – Für viele Land- und Forstwirte schrillen bei dem Wort „Schutzgebiet“ die Alarmglocken. Hat ein solches doch in den meisten Fällen eine reglementierende Wirkung für sie – wie die Ausweisung von sogenannten Fauna-Flora-Habitat-Flächen (FFH) im Oberen Isartal schmerzlich aufzeigte. Bei der Meinungsbildung über das anvisierte UNESCO-Weltkulturerbe „Voralpine Wiesen und Moorlandschaften“ sieht die Situation etwas anders aus. Mehr noch: Die Landwirte wittern in diesem besonderen Prädikat sogar eine Chance. „Das Weltkulturerbe ist kein Schutzstatus“, verdeutlicht Alois Kramer junior.

„Wir begleiten das positiv“

Der Krüner Ortsobmann des Bauernverbandes lädt an diesem Samstag (19.30 Uhr) alle Mitglieder und Bewirtschafter der betroffenen Flächen zu einer Besprechung ins Rathaus (Sitzungssaal) ein. Dabei soll unter anderem über den Abgrenzungsvorschlag der Gebietskulisse diskutiert werden. Diese Areale im Oberen Isartal haben Mitarbeiter des federführenden Landratsamts Mitte November in Mittenwald der Öffentlichkeit präsentiert.

In Krün soll gerade das Gebiet rund um den Barmsee und beim Weiler Gerold mit dem Stempel „Weltkulturerbe“ versehen werden. Gerade dort fragt sich Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), ob „der Gürtel so eng geschnallt werden muss“. Dem Rathauschef wäre lieber, man würde dem Krüner Ortsteil „mehr Luft zum Atmen lassen“. Doch diesen Punkt und ähnliche Fragen möchte Schwarzenberger gemeinsam mit den Gemeinderäten und den Betroffenen beim Treffen im Rathaus konstruktiv und keineswegs hitzig diskutieren. „Denn zum jetzigen Zeitpunkt würde ich das Ganze schon weiterverfolgen“ – und zwar positiv-kritisch.

Leitbild-Diskussion

In die gleiche Kerbe schlägt Bauernobmann Kramer, gleichzeitig Krüner CSU-Gemeinderat. „Wir begleiten das positiv“, betont der „Ferl-Luis“. Zumal der angestrebte Status „Weltkulturerbe“ „keine Falle für ewige Zeiten“ sei. Es seien keinerlei Einschränkungen zu befürchten für die von Menschenhand geschaffene Kulturlandschaft. Im Gegenteil: Die hochsensible Almwirtschaft könnte durch dieses besondere Siegel eine explizite Rechtsstellung erfahren. Doch eines nimmt Kramer bei der Welterbe-Diskussion für sich und seinen Stand auch in Anspruch. „Wir geben keinen Freibrief.“

Die positive Grundhaltung des Krüner Landwirts speist sich zudem aus der Erkenntnis, dass sich im Zuge der aktuell laufenden Bewerbungsphase ein „Problembewusstsein“ und daraus resultierend eine Leitbild-Diskussion bei allen Betroffenen entwickelt.

Beispielsweise wie es eine von Naherholern gepiesackte Urlaubsregion wie die Alpenwelt schaffen könnte, die grassierenden Verkehrsprobleme zu meistern. Kramer nennt das „Slow-Tourism“. Wohlwissend, dass man als Weltkulturerbe-Destination noch mehr Strahlkraft besitzt als ohnehin.

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