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Obamas Besuch im Juni 2015 hat sich für Krün und seinen Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (r.) rentiert – vor allem in finanzieller Hinsicht. 

Gewerbesteuer-Einnahmen explodieren 

Obama macht Krün schon wieder glücklich

Die Gewerbesteuer-Einnahmen sprudeln in Krün – nicht zuletzt wegen des G7-Gipfels 2015. Zum Jahresende befindet sich knapp eine Million Euro mehr In der Gemeindekasse. Bei dermaßen erfreulichen Zahlen denkt der Bürgermeister sogar über eine Steuersenkung für 2018 nach.

Krün – Im Normalfall präsentiert sich Bartholomäus Reindl als Mahner, der gerne mal in Haushaltsfragen zur Mäßigung aufruft. Doch angesichts der aktuellen Zahlen gerät sogar der Kämmerer der Gemeinde Krün ins Schwärmen. „Eine Traum-Einnahme, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.“ Reindl spielt damit auf die Gewerbesteuer an. Diese spült 2017 voraussichtlich 2,4 Millionen Euro in die Kasse. Bei der Etatverabschiedung im April kalkulierte der Gemeinderat noch vorsichtig mit 1,5 Millionen – jetzt sind’s um die 950 000 Euro mehr.

Ein regelrechtes Finanzwunder, das sich da im einstigen Armenhaus des Landkreises abspielt. Zur Erinnerung: Beim Amtsantritt von Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) waren’s läppische 221 000 Euro, die man heimischen Betrieben abzwackte. 2012 stieg die Summe auf 613 000 und 2016 auf 1,7 Millionen Euro. Dieser exorbitante Zuwachs ist natürlich auch eng mit der Realisierung des Gewerbegebiets Süd (2008) und dem Aufblühen von Schloss Elmau und dem Nobelhotel „Das Kranzbach“ verbunden. Der Rathauschef umschreibt das so: „Eine Wahnsinns-Entwicklung, die auch mit viel Glück verbunden war.“

Fortuna war vor allem im Spiel, als der G7-Gipfel 2015 in Schloss Elmau als Wirtschaftsmotor der Region viele (Bau-)Projekte bescherte. So finden sich jetzt in der Gewerbesteuer-Bilanz laut Bürgermeister acht Betriebe, die zwar nicht in Krün ansässig sind, aber in der G-Zeit (2014/2015) vornehmlich ihre Umsätze im Oberen Isartal generierten und deshalb laut Gesetz auch von der Gastgeber-Kommune zur Kasse gebeten werden dürfen. Die Einnahmen konnten sich aber auch bei den restlichen, rund 100 heimischen Unternehmen sehen lassen – im G7-Ausnahme-Jahr 2015. Der imageträchtige Besuch der Weltpolitiker um den damaligen US-Präsidenten Barack Obama macht Krün also nun ein weiteres Mal glücklich.

Nicht zuletzt wegen der unerwarteten Gewerbesteuer-Explosion denkt Schwarzenberger nun sogar über eine Senkung der Grundsteuer-Hebesätze nach. Was jeden Hausbesitzer in Krün glücklich machen würde. Wie gut es dem 2100-Seelendorf mittlerweile geht, beweist noch ein anderer Indikator. So hat sich die Pro-Kopf-Steuerkraft von 389 Euro (2007) auf 1189 Euro in den zurückliegenden zehn Jahren verdreifacht. „Im Landkreis liegen wir damit an vierter Stelle“, verdeutlicht Schwarzenberger.

Eines darf bei der Betrachtung des Krüner Geldregens auch nicht vergessen werden: Allein 2017 machte die Gemeinde neben der ordentlichen Tilgung (200 000 Euro) eine Sonderrückzahlung in Höhe von 750 000 Euro. Insgesamt also konnten die Verbindlichkeiten halbiert werden. Die Schulden betragen aktuell etwa eine Million Euro. Vor 15 Jahren lag Krün bei 3,3 Millionen Euro.

Im Zuge dieser Konsolidierung wurde stets auch – nicht zuletzt aufgrund üppiger G7-Zuschüsse – fleißig Geld in die Infrastruktur gepumpt. Und das soll den Worten des Bürgermeisters zufolge ungebremst so weitergehen. „Wir können durchaus über weitere Investitionen nachdenken“, erläuterte Schwarzenberger den Gemeinderäten – etwa über die Breitband-Versorgung in Gerold, ein Regenrückhaltebecken in Kranzbach oder eine Kinderkrippe.

Eines wollen sich die Krüner trotz sprudelnder Geldquellen dem Vernehmen nach nicht leisten: ein Schwimmbad.

Christof Schnürer

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