+
Touristenmagnet abgesagt. Heuer wird kein Almabtrieb mit Bauernmarkt stattfinden. 

Zu viele Menschen, zu hohes Risiko

Krün will kein zweites Ischgl werden: Almabtrieb fällt Corona zum Opfer 

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
    schließen

Der Almabtrieb mit Bauernmarkt ist in Krün abgesagt. Auch sonst finden keine Veranstaltungen bis mindestens 30. Juni statt. Die Einbußen im gemeindlichen Haushalt belaufen sich schon jetzt auf eine Million Euro. Warum es aber trotzdem einen Hoffnungsschimmer gibt.

Krün – Die Nachricht, die Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) bei der konstituierenden Gemeinderatssitzung am Dienstag im Kurhaus Zeile für Zeile verlas, war absehbar und erschüttert trotzdem. Der traditionelle Almabtrieb samt Bauernmarkt findet heuer nicht statt. Abgesagt. Ein weiteres Opfer von Corona.

Leicht ist diese Entscheidung dem Rathauschef nicht gefallen. Keine Kühe, die vor den Augen tausender Zuschauer am 19. September durch den Ortskern ziehen. Keine Partybands wie Deerisch und Dreisam, die im Festzelt für Stimmung sorgen.

Was vor Wochen noch undenkbar gewesen wäre, ist nun bittere Realität. Ausgerechnet die große Beliebtheit der Veranstaltung wird ihr jetzt zum Verhängnis. Schwarzenberger erinnert an die 2000 bis 3000 Zuschauer, die dicht gedrängt Schulter an Schulter den Straßenrand säumen. „Vom Gedränge im Festzelt ganz zu schweigen.“ Hier nur ansatzweise eine Ansteckung zu verhindern, ist schlichtweg unmöglich. 

Das könnte Sie auch interessieren: Weil Familienmitglied vom Chef infiziert ist: Dorf beschimpft Mitarbeiter als „Corona Brocken“

„Wir können die Auflagen für eine Veranstaltung in derartiger Größe einfach nicht gewährleisten“, sagt Schwarzenberger. Schließlich trägt die Kommune die Verantwortung. Und keinesfalls will Schwarzenberger aus Krün das zweite Ischgl machen. Bekanntlich war das Tiroler Skimekka Dreh- und Angelpunkt der Ausbreitung des Covid-19-Virus in Europa und wird vermutlich noch jahrelang mit finanziellen als auch Image-Schäden zu kämpfen haben.

Keine Kurkonzerte, kein Theater 

Doch einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es. Je nachdem, wie sich die Zahl der Neuinfizierten entwickelt, könnte eine stark abgespeckte Form des Spektakels stattfinden. „Doch zuerst heißt es abwarten.“

Mehr zur Corona-Krise: Campingplatz-Chef schildert seine Sorgen und die vieler Gewerbetreibender

Der Almabtrieb ist aber bei weitem nicht das einzige Ereignis, das in Krün dem Coronavirus zum Opfer fiel. Im Kurhaus werden bis einschließlich 30. Juni keine Veranstaltungen wie Kurkonzerte, Theateraufführungen oder Liveacts zu sehen sein. „Ab Juli vielleicht wieder.“ Bei solchen Prognosen ist Schwarzenberger allerdings vorsichtig. Denn sämtliche Aufführungen und Maßnahmen „müssen auf die Corona-Kompatibilität geprüft werden“. Welche Auflagen das genau sein werden, ist noch nicht klar. „Wir unterstützen die Gastronomie- und Hotellerie, wo wir nur können.“

Einbußen für die Gemeinde

Fest steht allerdings, dass die Coronakrise dem kommunalen Haushalt heftig zusetzt. „Stand jetzt gibt es Einbußen von rund einer Million Euro“, teilt Schwarzenberger seinem Gemeinderat mit. Unter anderem, weil Gewerbesteuer-Einnahmen fehlen, da viele Betriebe geschlossen haben und auch der Fremdenverkehrsbeitrag wegfällt. Dennoch bestehe „derzeit kein Grund zur Panik oder zum Aktionismus“, beruhigt er. „Entscheidend wird sein, wie sich die zweite Jahreshälfte entwickelt.“

Lesen Sie auch:  Corona: Krün muss Einnahmen und Ausgaben reduzieren - mit Folgen für das größte Projekt

Auch einige Maßnahmen muss er verschieben. Beispielsweise die Pflaster- und Zaunarbeiten für den Wertstoffhof, wo nun ein Bauzaun als Zwischenlösung dienen muss. Die millionenteure Sanierung des Kirchplatzes im Zuge der Dorferneuerung wird heuer wohl nicht mehr in Angriff genommen.

Krün bislang „gut durch die Krise gekommen“

Seine Verwaltung und der Bauhof haben indes wieder normale Arbeitszeiten. Ein Lob hat Schwarzenberger für die Einzelhändler und Wasserwacht, die jeweils Montag, Mittwoch und Freitag rund 30 Einkäufe für hilfsbedürftige Personen erledigen. Auch konnten sie die Krüner mit genügend Mund- und Nasenschutz-Masken versorgen.

Schwarzenberger ist froh darüber, momentan keine Infizierten in Krün vermelden zu dürfen. „Alle bisherigen Patienten sind wieder gesund.“ Krün sei bislang „gut durch die Krise gekommen. Gott sei Dank gibt es nur wenige Fälle und die meisten sind eher harmlos verlaufen. Ich hoffe, dass das so bleibt.“

Auch interessant

Kommentare