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Klarer Standpunkt: Isarindianer Willy Michl kämpft für den „Fluss meines Lebens“. 

Kritik am Energiekonzern

Fischsterben: Isarindianer Willy Michl erschüttert

  • vonChristof Schnürer
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Ein Bekenntnis zur Isar hat der Münchner Liedermacher Willy Michl abgelegt. Anlass ist das jüngste Fischsterben dort.

Oberes Isartal/München – Die Isar, der er 1978 ein musikalisches Denkmal gesetzt hat, bezeichnet Willy Michl als „Fluss meines Lebens“. Für ihn möchte er sich einsetzen, „solange ich lebe“. Umso erschütterter zeigt sich der Isarindianer über das jüngste Fischsterben in dem streckenweise trocken gefallenen Flussbett, „das einem Massaker gleichkommt“. Bekanntlich musste der Energiekonzern Uniper am Krüner Wehr die Schleusen öffnen und den Kies durchspülen, der sich dort bedrohlich aufgetürmt hatte. Somit wurde der Überleitungskanal zum Walchensee zwar vor Schaden bewahrt. Für tausende Fische bedeutete das – wieder einmal – das sichere Todesurteil. Selbst die Helfer des Kreisfischereivereins konnten das Massensterben lediglich minimieren.

Das bringt den „Isar-Native“ aus München so richtig in Wallung. Zumal sich der bekannte Liedermacher und „Bluesmann“, „der Natur und jedem darin lebenden Wesen, Pflanzen, Tieren, Steinen und so weiter meiner Heimat, die ich über alles liebe, zutiefst verbunden und moralisch verpflichtet“ fühlt.

Mit gespaltener Zunge

Für Michl ist es nicht nachvollziehbar, warum ein Milliarden-Unternehmen wie Uniper sich bei der Finanzierung eines von Hans Schanderl, Sprecher des Kreisfischereivereins, ins Spiel gebrachten Kiesfangs aus der Verantwortung stiehlt, „was ich für mehr als dreist erachte“. Besonders schlecht in der Betrachtung des Isarindianers kommt Uniper-Sprecher Theodorus Reumschüssel („Die Finanzierung und Bewirtschaftung kann nicht unser Thema sein.“) weg. Dieser spricht laut Michl nicht nur mit „gespaltener Zunge, sondern versucht mit unglaublicher Heuchelei, die ihresgleichen sucht, vom Thema abzulenken“. Auf der Strecke bleiben „ehrbare Leute“ wie Hans Schanderl, die sich für „das Leben des Flusses“ am Oberlauf der Isar einsetzen.

Brücken schlagen

„Ebenso tragisch“ empfindet der Komponist des „Isarflimmerns“ die „geschwollene, äußerst fragwürdige Aussage des Landratsamtes gegenüber Herrn Schanderl“. Für Michl bedeutet die Stellungnahme, in der sinngemäß von Prioritätensetzung zu Lasten der Wassertiere die Rede ist: „Was sann scho a paar Fisch’ und andre niedrige Lebewesen in Anbetracht der Notwendigkeit von Strom.“

Aus gegebenem Anlass möchte der Isarindianer zwar nicht das Kriegsbeil ausgraben oder jemanden an den Marterpfahl binden, aber Brücken schlagen. „Ich will mich hier mit meiner noch immer gegebenen Kraft und Prominenz einbringen, und mich dafür einsetzen, dass kein Fisch mehr für den Strom, den Uniper teuer vermarktet, qualvoll verenden muss.“ In diesem Zusammenhang weist der bald 70-jährige Michl auf seine Freundschaft zum ehemaligen Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle und den kurzen Draht zur bayerischen Staatsregierung hin. Und nicht nur das: „Der Ministerpräsident ist mir persönlich seit Jahren gut gesonnen.“ Der „Isarindian“ möchte das nicht als Drohung verstanden wissen. Vielmehr sieht er sich als Netzwerker. „Ich weiß, was PR ist, ich brauche keine Grüne Partei, keine Aktivisten von Greenpeace oder dergleichen – ich bin der Isarindianer.“ Als solcher will er für Schanderls Anliegen kämpfen. „Um hier aktiv zu werden, braucht man kein Parteibuch, sondern ein tapferes Herz, Mut, Liebe, Respekt und Ehre für die Erde und deren Lebewesen. Das ist spirituell indianisch, und es ist urbairisch.“  

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