+
Gelingt ihr die Titelverteidigung? Lokalmatadorin Elisabeth Rauth (r.) hat 2018 das Nostalski-Rennen am „Barmseegletscher“ gewonnen. Auch heuer geht die Krünerin an den Start. 

Im historischen Gewand am Barmsee-Gletscher

Krüner Nostalski: Kommando Attacke ohne Popo-Bremse

  • schließen

Nichts für Angsthasen, aber für Spaßvögel: Im historischen Gewand und auf alten Holzskiern versuchen Wagemutige, am morgigen Samstag den „Barmseegletscher“ in Krün zu bezwingen. Vorjahressiegerin Elisabeth Rauth startet beim Nostalski-Rennen wieder – mit ihrer Geheimwaffe.

Update, 11. Januar, 11.40 Uhr: Das Nostalski-Rennen findet nicht statt. Es wurde abgesagt.

Krün – Sie ist ein Flohmarkt auf zwei Brettern. Auf dem Kopf die Mütze vom Opa, am Körper Raritäten aus der Familienschatzkiste und vom Trödler. Auch den Rock, den Elisabeth Rauth im vergangenen Jahr getragen hatte, streift sie sich wieder über. Er behindert sie nicht beim wilden Ritt am „Barmseegletscher“. Er ist unten ausgestellt, sagt sie. Beinfreiheit gewährleistet. Trotz der Ski-Unterwäsche. Nackert drunter – nein danke. „Beim Sturz“, sagt die 25-Jährige und lacht, „schaut das sonst nicht so gut aus.“

Dabei versucht die Krünerin, einen solchen am morgigen Samstag zu vermeiden. Wie 2018, als sie das Nostalski-Rennen gewann. „Sobald’s dich schmeißt“, sagt Rauth, „gibt’s keine Chance auf die Titelverteidigung.“ Auf die schielt die Lokalmatadorin, aber nur ein bisschen. Bei dem Wettbewerb geht’s nicht um Platzierungen, sondern rein um die Gaudi. „Man lacht in einer Tour“, erzählt Valentin Achner, Vorsitzender des Krüner Junggesellenvereins.

Zum 13. Mal organisiert dieser den nostalgischen Brettl-Spaß am Barmseelift, der mittlerweile sogar das Fernsehen anlockt. Mit rund 70 bis 100 tollkühnen Teilnehmern rechnet Achner diesmal. Je nach Wetter. Der starke Schneefall dieser Tage bereitet ihm und seinem Team keine Sorgen. Gestern richteten sie die Piste her, samt Steilkurven und der Schanze. Am Renntag walzt die Pistenraupe die Strecke, ehe die Frauen und Männer sich mit den Holzskiern von anno dazumal Richtung Ziel stürzen. Im Idealfall, ohne die Latten unterwegs zu verlieren.

Einige Starter ließen diese in der Vergangenheit an der berühmt-berüchtigten Schanze liegen. Der Knackpunkt auf der Piste. Dort trennt sich die Spreu vom Weizen – oder eben gern der Teilnehmer von seinem fahrbaren Untersatz. Rauth will sie bezwingen. Die Ausweichroute zu nehmen – keine Option. Wer außenrum kurvt, erntet Spott der Kommentatoren. Vom Zeitverlust ganz abgesehen. Also heißt Rauths Devise: Kommando Attacke. Zumindest „je nachdem, wieviel Schnaps ich schon intus hab’“. So ein Stamperl haut die Krünerin nicht um. Bei ihrer Siegesfahrt hatte sie am Start schon vier Hochprozentige runtergekippt, bei der Mittelstation nochmal zwei, drei. Der Fluch der frühen Startnummern. „Die ersten müssen am meisten trinken.“ Während anderen ob der Anstrengung der Schnaps in den Kopf steigt, verkraftet ihn Rauth. Er nimmt die Aufregung, findet die 25-Jährige.

Doch Schnaps und Schanze sind nicht die einzigen Tücken. Die Veranstalter bauen jedes Jahr eine Spaßeinheit auf der Strecke ein. In den Vorjahren wartete ein Glücksrad auf die Teilnehmer oder eine Stoßbudel-Station. „Man braucht bestimmte Fähigkeiten“, sagt Achner. Was sich Rennleiter Hansi Buchwieser heuer einfallen hat lassen – streng geheim. Niemand soll sich drauf vorbereiten können.

Rauth kennt das Spielchen mit den Zwischenstopps. Sechs oder sieben Mal – genau weiß sie es nicht mehr – sauste sie beim Nostalski-Rennen schon die Pisten hinunter. Zum Sieg verhalf ihr wohl unter anderem ihre Geheimwaffe: neue, alte Tourenskier mit besonderer Bindung. Mit den altertümlichen Bergschuhen „steh ich da sauber drin“.

Gewachselt sind die Latten schon. Nur der Testlauf im Vorfeld fiel bislang aus. Gestern wollte sie ein paar Schwünge in Seefeld ziehen. Die Sperrungen machten ihr einen Strich durch die Rechnung. Wenn’s mit einem Proberitt nicht mehr klappt, auch egal. „Ich stress’ mich da nicht rein.“ Sie versucht einfach, ihren Stiefel durchzuziehen. Die Rauth-Technik: nicht zu weit das Gewicht nach hinten verlagern und ordentlich in die Knie gehen. Ansonsten droht das, was ihr auch schon mehrfach passiert ist: die „Popo-Bremse“.

Das Nostalski-Rennen

findet am morgigen Samstag ab 12 Uhr am Barmseelift in Krün statt. Anmeldungen sind am Renntag bis kurz vor dem Start möglich (Startgeld: zehn Euro). Ein kostenfreier Shuttlebus fährt ab 11 Uhr im 30-Minuten-Takt ab dem Wallgauer Rathaus über Krün (Café Kranzbach) zum Barmsee – und ab 16 Uhr wieder zurück. Parkplätze gibt’s rund um das Ferienhotel Barmsee. Die Sieger werden abends beim Skifahrerball mit Bar im Wallgauer Haus des Gastes geehrt. Ab 19 Uhr spielt dort Musik. Zuschauer zahlen einen Euro Eintritt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Erst G7-Gipfel, jetzt Ministerpräsidentenkonferenz: Söder lädt nach Schloss Elmau ein 
Vor knapp vier Jahren richteten sich weltweit die Augen auf den G7-Gipfel in Schloss Elmau. Jetzt wurde das Luxus-Refugium wieder für eine Polit-Treffen auserkoren. …
Erst G7-Gipfel, jetzt Ministerpräsidentenkonferenz: Söder lädt nach Schloss Elmau ein 
Eher Teilzeitjob als Ehrenamt
Grünen-Gemeinderätin Veronika Jones möchte den Murnauer Sitzungsbetrieb grundlegend umkrempeln, um mehr Frauen und junge Menschen in die Politik zu bringen. In einem …
Eher Teilzeitjob als Ehrenamt
Vermisstes Mädchen (16) aus Oberammergau wieder aufgetaucht - Wo sie war, ist ein Rätsel
Seit dem 21. Dezember war eine 16-Jährige aus Oberammergau vermisst - nun ist sie wieder da. Wo sie sich die ganze Zeit über aufhielt, ist allerdings ein Rätsel.
Vermisstes Mädchen (16) aus Oberammergau wieder aufgetaucht - Wo sie war, ist ein Rätsel
Freunde des Richard-Strauss-Festivals: Neuer Verein soll Gönner finden 
Einen Förderkreis gibt’s schon, jetzt kommen die Freunde des Richard-Strauss-Festivals dazu. Die sollen weitere Gönner akquirieren und auch künftig bei der Veranstaltung …
Freunde des Richard-Strauss-Festivals: Neuer Verein soll Gönner finden 

Kommentare