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Reparatur ohne Rücksprache: Der Veteranenverein hat am Kriegerdenkmal neben der Pfarrkirche St. Sebastian kurzerhand die Tafeln mit den Namen der Weltkriegstoten ausgetauscht. 

Landesamt für Denkmalpflege sauer

Krüner Veteranen reparieren Kriegerdenkmal auf eigene Faust: „Das war illegal“

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Die Denkmalschutzbehörde ist nicht gut auf die Krüner Veteranen zu sprechen. Diese haben offenbar im Einvernehmen mit der Gemeinde Reparaturen am Kriegerdenkmal vorgenommen.

Krün – Was Dr. Nikolaus Könner von der Krüner Aktion hält, stellt er unmissverständlich klar: „Das war illegal. Das ist nicht in Ordnung.“ Was den Referatsleiter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege derart auf die Palme bringt, hat mit einem steinernen Monument nahe der Pfarrkirche St. Sebastian zu tun: dem altehrwürdigen Kriegerdenkmal – errichtet 1922 von einem Augsburger Steinmetz auf einer Fläche, die seinerzeit Sebastian Simon vulgo Schogglbauerhierfür zur Verfügung gestellt hatte.

Selbstredend steht diese Erinnerungsstätte unter besonderem Schutz. Jede Art der Veränderung bedarf der Rücksprache mit den obersten Wächtern aus München. Umso erstaunlicher ist daher, dass der Veteranen- und Kriegerverein Krün ohne Wissen von Könner und Co. oder der untergeordneten Fachstelle im Landratsamt zur Tat schritt. „Wir haben nichts kaputt gemacht“, versichert Veteranenchef Johannes Zahler. Ihm und seinen Kameraden waren schon lange die seitlich gelagerten, völlig verwitterten Sandstein-Platten mit den Namen der Weltkriegstoten ein Dorn im Auge. „Keiner konnte die Schrift mehr lesen“, verdeutlicht Zahler. Für ihn steht fest: Falls die Namen der Gefallenen nicht mehr als Mahnung gegen den Krieg entziffert werden können, „dann brauchen wir auch kein Kriegerdenkmal“.

Bürgermeister kann Handeln der Veteranen nachvollziehen

Also schritten die Veteranen zur Tat. Sie gaben wetterbeständigere Granitplatten in Auftrag. „Diese haben wir auf die Originaltafeln gelehnt.“ Das hat sich der Verein einiges kosten lassen. Zahler spricht von rund 10.000 Euro.

Diese Sanierung geschah offenbar mit Wissen der Gemeinde. „Ich kann das Handeln der Veteranen nachvollziehen“, sagt Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). „Das Thema Renovierung des Kriegerdenkmals geht ja schon lange zurück.“ Wie Zahler unterstreicht der Rathauschef: „Es macht doch keinen Sinn, wenn ich die Namen derer, die ihr Leben gelassen haben, nicht mehr lesen kann.“ Ebenso betont Schwarzenberger, dass eine Reparatur nicht mehr möglich gewesen sei.

Denkmal-Experte: Einschätzung hätte eingeholt werden müssen

Was Denkmal-Experte Könner bezweifelt. „Laien- und Fach-Meinung gehen oft weit auseinander.“ Im Falle Krün hätte man die Einschätzung eines Steinkonservators zwingend einholen müssen. „Das ist alles sehr ärgerlich“, bilanziert Könner. „Glücklicherweise passiert das nicht allzu oft.“

Doch kommen die Krüner nun so ohne Weiteres ungeschoren davon? „Der springende Punkt ist die Beantragung einer Erlaubnis“, teilt Stephan Scharf, Sprecher des zuständigen Landratsamts, mit. „Das hätte geschehen müssen.“ Nun wollen die Verantwortlichen der Kreisbehörde zuerst das Gespräch mit Bürgermeister Schwarzenberger suchen. Gleichzeitig stellt Scharf klar: „Wir wollen kein Drama daraus machen.“

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