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G7-Gipfel: Vom Leben am Sicherheitsbereich

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Von: Josef Hornsteiner

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Sicherheitsvorkehrungen im Dorf Klais am Rande der Sicherheitszone 2 während der Anfahrt der Delagat
US-Präsident rollt an: Im Krüner Weiler Klais war während der G7-Tage Ausnahmezustand. © imago stock&people

Vieles mussten sie ertragen, als die hohe Politik 2015 in Schloss Elmau konferierte. Doch genau um diese Erfahrungen sind die Klaiser, Gerolder und Krüner bei der G7-Neuauflage Ende Juni reicher.

Krün/Gerold/Klais – Und plötzlich war seine Aus- und Einfahrt dicht. Die Polizei errichtete eine Absperrung genau vor seinem Grundstück. Irritiert suchte Rudolf Baader das Gespräch mit den Beamten. „Ähm, Entschuldigung? Ich müsste in die Arbeit.“ Mindestens genauso irritiert soll der Polizist geschaut haben. Dann funkte er, sprach mit einem Kollegen.

„Alles klar, Sie dürfen durch.“ Der Zaun wurde geöffnet. Am Abend, als er von der Arbeit zurückkehrte, das gleiche Spiel: Seine Einfahrt? Eine abgesperrte Hochsicherheitszone.

Rudolf Baader ist Klaiser und kann heute über jene Geschichten der Gipfel-Premiere 2015 – zumindest etwas – schmunzeln. Doch dass er das Mammuttreffen noch einmal erleben darf oder vielmehr muss, hatte er nicht geglaubt. Baader war also einer der erfahrenen Bürger aus Klais, Gerold und Elmau, die während der Mammutveranstaltung im Juni vor sieben Jahren Nerven aus Stahl brauchten. Kürzlich sind sie von der Gemeinde zu einem Infoabend ins Kurhaus eingeladen worden (wir berichteten).

Die Botschaft an die Einheimischen: Vieles wird genauso wie beim letzten Gipfel sein. Spontane Absperrungen, ein sattes Polizeiaufgebot, viele Kontrollen. Doch waren auch viele neue Gesichter unter den Anwesenden. Jene, die noch nicht wissen, was da bis Juni auf sie zukommt. Deshalb möchten Anwohner wie Baader, die den G7-Trubel schon mitgemacht haben, auf jene Schwierigkeiten von damals hinweisen, um die Verantwortlichen für „mehr Fingerspitzengefühl“ zu sensibilisieren.

Werner Sika, Leiter des Planungsstabs G7 der bayerischen Polizei, nimmt ihre Erfahrungen – manche waren kurios, ärgerlich oder chaotisch – zu Herzen. Vieles soll heuer besser laufen, verspricht er. Vor allem in Sachen Kommunikation. Denn laut Baader hat bei der Polizei oft eine Hand nicht gewusst, was die andere tut.

Wie das eine Mal, als er während der Gipfeltage nur ein paar Meter spazieren gehen wollte. Schon vor der Haustüre kontrollierten ihn Polizisten. „Da reichte mein Ausweis und eine Erklärung, was ich denn mache.“ Auch etwas weiter ist er erneut kontrolliert worden, ohne Probleme. Doch war vor seinem Rückweg Schichtwechsel. Dem neu eingesetzten Beamten reichte der Ausweis nicht mehr. „Der wollte dann plötzlich eine Akkreditierung sehen“, die er aber als Klaiser Bürger nicht hatte – die bekommen nur jene Anwohner, die innerhalb des Sicherheitsbereichs 1 wohnen. Die Folge: Baader wurde mit einer Polizei-Einheit bis zur Haustüre begleitet.

Für wen es aber möglich ist, in diesen Tagen Urlaub zu nehmen, sollte das machen

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger

Etwas weiter weg, aber genauso betroffen ist der kleine Krüner Weiler Gerold. Die Anwohner haben es nicht einfacher: Sie müssen, um den Ort zu verlassen, auf die Bundesstraße 2 einbiegen – während des G7-Gipfels die streng überwachte Protokollstrecke. Die muss weitestgehend frei bleiben während der Gipfeltage für Einsatzkräfte und natürlich die Teilnehmer samt Delegationen.

Zahlreiche Kontrollen sind auf der Route zu erwarten. Besonders heikel wird die Situation, wenn die Hubschrauber die Akkreditierten witterungsbedingt nicht nach Schloss Elmau fliegen können. Dann wird laut Sika mit längeren Vollsperren zu rechnen sein. „Aber wir versuchen so viel wie möglich über die Luft zu transportieren.“

Um den Alltag für die Gerolder und Klaiser dennoch irgendwie erträglich zu machen, werden Wagenkarten ausgegeben, um die Kontrollen zumindest etwas zu verkürzen. „Für wen es aber möglich ist, in diesen Tagen Urlaub zu nehmen, sollte das machen“, empfahl Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU).

Eine gute Botschaft hatte Sika schon einmal: Hannes Aberl aus Gerold kritisierte, dass 2015 der Hubschrauberlärm mitten in der Nacht fürchterlich laut gewesen war, die Kinder permanent aufgeweckt wurden. Doch gehören solche Aufklärungsflüge der Vergangenheit an, versicherte Sika. „Da hat sich in der Technik glücklicherweise viel getan.“ Das Zauberwort: Drohnen. „Es wird bei weitem nicht mehr so laut werden.“ Ein Fragezeichen steht aber immer noch hinter dem Transport der Gerolder und Klaiser Kinder am 27. und 28. Juni zum Unterricht in die Schule nach Krün. „Da müssen wir noch eine Lösung finden nach den Osterferien“, erklärt Schwarzenberger.

G7-BÜRGERBÜROS

Das Bürgertelefon ist bereits für alle Betroffenen und Interessierten, insbesondere Anwohner, freigeschaltet. Von Montag bis Freitag sind die Leitungen von 9 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer 08 00/7 76 63 30 erreichbar. Ab dem 17. Juni ist die Hotline sogar rund um die Uhr besetzt. Zusätzlich werden Bürgerbüros eingerichtet, in denen es unter anderem Wagenkarten und Akkreditierungen für Anwohner gibt. Dieses wird ab dem 16. Mai in Krün entstehen. Zusätzlich ist ein mobiler Informationsbus ab dem 30. Mai im Landkreis unterwegs.

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