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Am Orania scheiden sich offenbar die Geister.

Hotelprojekt in Berlin 

Orania sorgt für Unruhe im Viertel

In Berlin weht der Wind rauher als im lauschigen Elmauer Tal. Zu dieser Erkenntnis dürfte Hotelier Dietmar Müller-Elmau gekommen sein. Noch vor der offiziellen Eröffnung seines Nobelhotels „Orania“ im linken Szene-Viertel Kreuzberg hagelt es von Anwohnern Kritik. Dementsprechend fällt das Echo in den Hauptstadt-Medien unmittelbar vor dem Startschuss Ende September eher ernüchternd aus.

Berlin/Elmau – „Euer Luxus ist unsere Armut“ oder „Früher haben wir noch Steine geworfen“ – die Willkommensfreude bei einigen Anwohnern hält sich offenbar in Grenzen, wenn sie auf das neue Prunkstück am Oranienplatz zu sprechen kommen: das Hotel Orania im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Unmittelbar vor der offiziellen Eröffnung Ende des Monats hagelt es nun in der sogenannten Soft-Opening-Phase reihenweise Kritik an dem Millionen-Projekt, das Eigentümer Dietrich von Boetticher und sein Geschäftspartner Dietmar Müller-Elmau geschaffen haben. Der Unmut im Viertel wird auch von den großen Tageszeitungen in der Spree-Metropole transportiert. Ein Auszug.

Das Grundproblem umreißt wohl am Besten die Berliner Zeitung. In dem Artikel, der den aufschlussreichen Titel „Proteste gegen Hotel Orania: Wie ein Messer, das ins Herz von Kreuzberg sticht“ heißt es unter anderem: „Bis vor drei Jahren haben hier Flüchtlinge in Zelten campiert, nun werden zunehmend wohlhabende Touristen über den Oranienplatz ziehen.“ Die BZ kommt zu dem Fazit: „Mitten im Zentrum von Kreuzberg ist in einem alten Jugendstilhaus ein Luxushotel entstanden, das den Charakter des Viertels verändern wird. Ausgerechnet hier, am Einfallstor zur Oranienstraße, nur 400 Meter vom linken Kulturzentrum SO36 entfernt, zahlen Gäste in der Suite künftig bis zu 740 Euro für eine Nacht. Das ist mehr, als manch ein Berliner im Monat für seine Wohnung ausgibt.“ Die Folge: „Für die Gegner verkörpert das Orania den Ausverkauf der Stadt. In den vergangenen Wochen zierten ihre Plakate Laternen und Hauswände im Kiez.“

Nicht zuletzt deshalb fragt sich auch die Welt: „Kann das gut gehen?“ Den Kern der Geschichte fasst die Zeitung in einem prägnanten Satz zusammen: „Ein bayerischer Schlossherr will im wilden Berliner Kreuzberg ein Luxushotel eröffnen.“ Doch dieses Viertel kennt andere Gepflogenheiten. „Es wird regelmäßig gefeiert auf diesem Platz und noch regelmäßiger demonstriert, am 1. Mai hat es oft geknallt, aber das war früher. Am späten Nachmittag haben hier die türkischen Großmütter ihre Bänke, die Kinder den Brunnen, Touristenstudenten den Rasen, die Trinker ihre Ecke und alle Raum. Die Frage ist, ob das auch für Elefanten gilt.“ Damit spielt die Welt auf Müller-Elmaus Lieblingstier ab, das nicht nur in seinem Schloss Elmau die Wände und Kissen ziert, sondern auch im Schwesterhotel „Orania“.

„Ich dachte, dass ich mit offenen Armen empfangen werden würde. Aber auch hier wird eine gewisse Geschlossenheit propagiert – von einer bestimmten Gruppe.“ So zitiert der Tagesspiegel Konzeptgeber Müller-Elmau („Der Luxus-Idealist vom Oranienplatz“). Er träumt beim Orania von einem offenen Haus, „in dem sich das kulturelle Leben dann von ganz alleine einstellen soll“.

Was hinter der vielschichtigen Ablehnung einiger Kreuzberger steckt, versucht die Berliner Morgenpost aufzudröseln. Vielmehr überlässt sie diesen Part einer Einheimischen, die nun im Orania arbeitet. „Es ist, wie es ist. So wie es eigentlich schon immer war in Berlin. Was neu ist, wird erst mal abgelehnt. Rein aus Prinzip, sagt Nora Durstewitz. Der Berliner ist anti, bevor er definieren kann, wieso genau.“ Eine Wesensart, die auch in bayerischen Gefilden nicht unbekannt ist. Unzählige Bürgerbegehren gegen diverse (Hotel-)Projekte sprechen eine eindeutige Sprache. Und selbst Müller-Elmau weiß aus leidvoller Erfahrung, dass viele den G7-Gipfel 2015 in seinem Schloss nicht so prickelnd fanden.

Christof Schnürer

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