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Tollkühne Sprünge im historischen Gewand gibt‘s in Krün.

Tollkühne Sportler in Krün 

Nostalski pur: Start frei für die Barmsee-Bruchpiloten

Krün - Sogar dem Bayerischen Fernsehen war diese Pistengaudi schon einen Bericht wert: Die Rede ist vom Krüner Nostalski-Rennen, das am Samstag, 7. Januar, zum elften Mal gestartet wird. 

Kramt der Hackl-Hans kurz nach Silvester wieder seine alten Latten heraus, dann ist es soweit: Dann sind am Krüner Barmsee-Lift beim Nostalski-Rennen einmal mehr Humor und eben Nostalgie angesagt. Zum elften Mal kurven dort verwegene Damen und Mannsbilder im Stil einstiger Alpin-Pioniere mit historischen Brettln die Piste hinunter. Mit ihren langen Holzteilen müssen sie sogar über eine Schanze hüpfen.

Ein nicht ganz so einfaches Unterfangen, wie der Hackl-Hans aus leidvoller Erfahrung weiß. Einmal gab’s sogar eine regelrechte Bruchlandung. „Da ist mir die Bindung aufgegangen“, erzählt der älteste Teilnehmer, der eigentlich Hans Neuner heißt und immerhin mal Bürgermeister von Mittenwald (1984 bis 1996) war. Selbstredend, dass der 77-Jährige wieder dabei ist – zum zehnten Mal. Warum auch nicht? Neuner ist kerngesund, mordsfidel und hat vor allem die passende Ausrüstung: über 70 Jahre alte Skier aus Wehrmachtsbeständen. Mit denen war sein Vater im Zweiten Weltkrieg als Gebirgsjäger im Kaukasus auf Patrouille. Was den Hackl-Hans aber am meisten freut: Unter den Ski-Nostalgikern finden sich auch sein Sohn Andreas (50) und sein Enkel Hannes (21). Generationenkampf im Hause Neuner also. Der Senior sieht dem Vergleich mit der Jugend gelassen entgegen. „Denn im vergangenen Jahr hab’ ich meinen Enkel noch geschnupft.“

Die köstliche Idee zu dieser Pistengaudi entstand bei den Krüner Junggesellen beziehungsweise im Bierdunst ihres Stammtisches. Zwar war die Premiere 2007 eher als interner Wettkampf vorgesehen, doch pilgerten damals schon zahlreiche Schaulustige zum Barmsee hinaus. Und das Interesse daran ebbte in der Folgezeit nicht ab. Ganz im Gegenteil: Selbst der Bayerische Rundfunk schickte bereits ein Kamerateam zu dem außergewöhnlichen Riesenslalom. Riesengroß ist zudem die Nachfrage von Seiten der Aktiven. „Heuer erwarten wir rund 70 Teilnehmer“, teilt Organisator Hans Buchwieser junior mit. Knapp die Hälfte (30) gehören dem ausrichtenden Verein an.

Übrigens: Die Nostal-Skifahrer sollten nicht nur einigermaßen auf ihren Holzlatten stehen können, sondern dürfen keinesfalls abstinent sein. 2014 hatte man nämlich eingeführt, dass alle Teilnehmer an der Zwischenstation einen Schnaps zu trinken haben. Bislang hat’s noch keinem geschadet – und schon gar nicht dem Ältesten auf der Piste, dem Hackl-Hans.

Weitere Informationen:

Das Nostalski-Rennen findet am Samstag, 7. Januar, am Krüner Barmsee-Lift statt. Los geht’s um 12 Uhr. Die Startgebühr beträgt zehn Euro und beinhaltet die Liftgebühr und den Eintritt zum Skifahrerball. Wer noch mitmachen möchte, kann sich am Renntag bis 11.30 Uhr im Zielraum anmelden. Vorgeschrieben sind Holzskier mit Original-Seilzug oder Lederbindung sowie Lederschuhe. Gewertet werden Damen und Herren in den Kategorien Holzskier mit und ohne Kante. Bei der Teamwertung müssen die vier Teilnehmer – egal wie – ins Ziel kommen. Für Zuschauer ist ein kostenloser Shuttlebuseingerichtet. Er pendelt ab 9.30 Uhr im 30-Minutentaktvom Wallgauer Rathaus über den Dorfplatz Krün und die Haltestelle Bärnbichl zum Barmsee und ab 15 Uhr wieder zurück. Zuschauer zahlen beim Skirennen einen Euro, mit Schnapserl sind’s zwei Euro. Der Eintritt zum Skifahrerball mit Siegerehrung (ab 19 Uhr im Haus des Gastes in Wallgau) beträgt sechs Euro. Zur Unterhaltung spielen die Lindachtaler. Die Party steigt übrigens auch bei einem eventuellen Ausfall des Rennes.

Christof Schnürer/Wolfgang Kunz

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