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Neue Nummer zwei in Krün: Gemeinderat Rudi Haller leistet den Amtseid.

Jetzt nur noch Vize-Bürgermeister in Krün: Haller tritt als CSU-Chef in Mittenwald zurück

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Ein amtierender Mittenwalder CSU-Chef könne nicht gleichzeitig Vize-Bürgermeister von Krün sein. Diese Kritik hat Rudi Haller zum Nachdenken gebracht. Er reagierte. Und ist jetzt 100 Prozent Krüner. 

Mittenwald/Krün – Zum CSU-Ortsvorsitz kommt Rudi Haller (60) wie die Jungfrau zum Kind. Es ist Februar 1997, als er bei der Jahresversammlung der Schwarzen im damaligen Hotel Jägerhof die Nachfolge von Gerd Gaupp (1944 bis 2017) antritt. Dieser hat elf Monate zuvor eine weitere schmerzliche Niederlage bei der Mittenwalder Bürgermeister-Wahl erlitten. Politisch ist Kolpingssohn Haller jedenfalls völlig unbeleckt. „Im Januar 1995 bin ich erst in die CSU eingetreten“, erinnerte sich 2015 der pensionierte Stabsfeldwebel.

Jetzt, 23 Jahre später und nach einer erneuten CSU-Schlappe bei der Bürgermeister-Kür, hat Haller sein Amt zur Überraschung vieler mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Das geschah nicht grundlos: Bekanntlich darf sich Haller, der vor 13 Jahren der Liebe wegen einen Ort weitergezogen ist, seit einer Woche Zweiter Bürgermeister von Krün nennen. Mit 12 von 13 Stimmen erhoben die Ratsmitglieder den neuen Kollegen gleich zum Vize von CSU-Parteifreund Thomas Schwarzenberger. Doch deswegen allein wäre der „Ewige Rudi“ wohl nicht von seinem Parteivorsitz in Mittenwald vorzeitig zurückgetreten. Vielmehr soll es die latente Kritik des ausgeschiedenen Gemeinderats Lothar Ragaller (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG) gewesen sein, der ihn zu diesem Schritt veranlasste. Ragaller hatte mehrfach betont, dass ein amtierender Mittenwalder CSU-Chef nicht gleichzeitig Bürgermeister-Stellvertreter von Krün sein könne.

CSU-Vorsitz in Mittenwald: Schermak übernimmt

Dieter Schermak übernimmt kommissarisch den Posten des CSU-Ortschefs in Mittenwald. 

Eine Botschaft, die Haller einerseits verwunderte, andererseits ins Grübeln brachte. „Der Rudi hat hin und her überlegt“, bestätigt dessen CSU-Vorstandskollege Dieter Schermak. Schließlich teilte Haller den Parteifreunden seinen Rückzug mit. Gleichzeitig nahm er Krüner Kritikern damit den Wind aus den Segeln. „Sollte ich gewählt werden, werde ich mit ganzer Kraft für unseren Ort arbeiten.“ Damit zielte er bei der Konstituierenden Sitzung des Krüner Gemeinderats nicht auf Mittenwald ab.

Dort übernimmt nun Schermak (62), bislang einer von Hallers Stellvertretern, bis zur nächsten ordentlichen Wahl im Frühjahr 2021 kommissarisch den Vorsitz. Wobei der pensionierte Polizist und zweifache Opa wert auf die Betonung „kommissarisch“ legt. „Denn es sollen die Jungen übernehmen“, unterstreicht der Interimsvorsitzende. Damit zielt er beispielsweise auf Nachwuchskräfte wie Michael Altmann, Benedikt Zunterer, Matthias Haller, Simon Schermak, Katharina Sörgel oder Regina Fichtl ab, die schon jetzt in vielerlei Hinsicht Verantwortung tragen. Alle in der erfolgsverwöhnten Mittenwalder CSU sind sich einig: Nach der unerwarteten Schlappe bei der Kommunalwahl – absolute Mehrheit eingebüßt sowie Amt des Ersten und Zweiten Bürgermeisters verloren – muss eine Blutauffrischung her, damit die Revanche 2026 glückt. 

Hallers Beförderung zum Vize-Bürgermeister freut seinen Nachfolger

Aus dem fünf Kilometer entfernten Krün wird Haller dann seinen Parteifreunden sicherlich die Daumen drücken – als Zweiter Bürgermeister. „Der Rudi hat so viel für uns getan, das ist die Krönung seiner Karriere“, meint Schermak im Brustton der Überzeugung. Ihn freut die Beförderung des langjährigen Mittenwalder Mitstreiters ungemein. „Deshalb sehe ich das als Sieg für uns.“ Die CSU hätte zwar einen rührigen und verdienstvollen Vorreiter verloren, dafür aber einen Rathaus-Vize gewonnen.

Bis März 2021 wird der passionierte Waidmann Schermak, der für die CSU zudem seit 2008 im Marktgemeinderat sitzt, die ins Schlingern geratenen Schwarzen führen. Monate, die wenig Turbulenzen erahnen lassen. Die nächste Herausforderung, die Bundestagswahl, steht nämlich erst im Herbst des kommenden Jahres auf der Agenda. Bis dahin sitzt Rudi Hallers Erbe sicherlich felsenfest im Sattel.

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