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Top motiviert ist der Münchner Anton Pozeg (36). Der Sternekoch ist der neue Kulinarische Direktor im Schlosshotel Elmau. 

Er musste nicht lange überlegen

Er bekommt den Anruf seines Lebens: Er ist jetzt der kulinarische Leiter von Schloss Elmau 

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Anton Pozeg ist neuer Kulinarischer Direktor von Schloss Elmau. Seine ersten Wochen hat er als neuer kulinarischer Direktor von Schloss Elmau nun gemeistert. Doch wer ist der gebürtige Münchner?

Elmau – Es gibt Telefonate, die vergisst man nie mehr. Das erste Gespräch des angebeteten Mädchens zum Beispiel. Oder das intensive Gespräch mit einem alten, längst vergessenen Bekannten. Oder wenn plötzlich und völlig unerwartet ein Chefkoch des Schlosshotels Elmau am anderen Ende der Leitung ist und ganz unverhofft einen Traumjob anbietet. Für Anton Pozeg hat der Anruf von Christoph Rainer, Leiter des Feinschmecker-Restaurants Luce d’Oro, seine berufliche Karriere gehörig auf den Kopf gestellt.

Mit Rainer pflegt der Sternekoch seit langem ein freundschaftliches Verhältnis. Dass durch seinen Anruf allerdings ein langersehnter Traum von Pozeg in Erfüllung geht, hat er allerdings nicht geahnt. „Er hat mich am Telefon gefragt, ob ich Interesse daran hätte, als Kulinarischer Direktor im Schlosshotel zu arbeiten.“

Anton Pozeg, der bei diesem Dialog Anfang des Jahres noch in dem exquisiten Hipster-Restaurant „Sexy Fish“ in London als Executive Head arbeitete, veränderte sich plötzlich alles. „Es war schon immer mein Traum, ins Schlosshotel Elmau zu gehen“, gesteht der 36-Jährige. Die Zusage brauchte nicht lange auf sich warten, denn Pozeg hatte schon Jahre zuvor seiner Freundin geschworen: „Wenn sich einmal die Möglichkeit auftun sollte, dort zu arbeiten, werde ich sofort zuschlagen.“

Beeindruckt von Landschaft und Hotel

Jetzt war es soweit. Noch am Telefon tauschten Pozeg und die Geschäftsführung bereits die ersten Wünsche und Vorstellungen aus. „Wir kamen sofort auf einen grünen Zweig.“ Dann ging alles „Schlag auf Schlag“.

Nur wenige Wochen später fuhr ein Pkw mit Münchner Kennzeichen die kleine Mautstraße entlang, die sich durch das Elmauer Tal schlängelt. Pozeg machte große Augen, als er seinen neuen Arbeitsplatz vor dem mächtigen Wettersteingebirge erblickte. „Ich war überwältigt“, beschreibt Pozeg die Szenerie, die er ganz sicher nicht mehr vergessen wird.

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Genauso wenig wie er zum ersten Mal das Hotel betrat. „Es roch nach einer warmen, gemütlichen Atmosphäre, nach Kaminfeuer, Wald, Holz und frischer Luft“, erinnert er sich, als er zum ersten Mal durch die Residenz geführt wurde. Die Chemie stimmte von Anfang an. „Ich war überwältigt von der Herzlichkeit, mit der ich hier im Haus empfangen wurde“, sagt Pozeg. Als man ihn am ersten Tag sämtliche Stationen zeigte, realisierte es Pozeg zum ersten Mal richtig: Er ist jetzt mit seinen 36 Jahren Kulinarischer Direktor des G7-Gipfel-Hotels in Elmau. Eine Mammut-Herausforderung, die er aber dank seiner herausragenden beruflichen Erfahrungen wohl ohne Weiteres meistern dürfte.

Seine Karriere begann wie bei so vielen Sterneköchen ganz bescheiden und bodenständig. Mit 15 Jahren schwang der gebürtige Münchner während eines Schulpraktikums zum ersten Mal den Kochlöffel – oder viel mehr das Küchenmesser. „Es war Pfingstmontag, und alle meine Freunde hatten frei“, erinnert er sich. „Ich musste bei glühender Hitze in der Küche stehen und kiloweise Zwiebeln und Knoblauch schneiden.“ Um ein Haar wäre aus der unglaublichen Erfolgsgeschichte des späteren Sternekoch nichts geworden. „Ich war kurz davor hinzuschmeißen.“ Doch nach zwei Wochen hat er sich an die anstrengenden Arbeitszeiten gewöhnt, genauso an den oftmals rauen Ton in der Küche. Sein Ziel war fortan klar: „Ich will Koch werden.“

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Seine Ausbildung absolvierte der Sohn slowenischer Eltern in dem exquisiten Münchner Restaurant Weichandhof. Er lernte, wie er die traditionelle bayerische Küche in neuem, jungen Gewand präsentieren kann.

Erster Stern in Wien

Gleich nach seiner erfolgreichen Gesellenprüfung zog es den Jungspund ins Hotel Bayrischer Hof in  München, wo er zwei Jahre verbrachte, bis er nach Hamburg in das luxuriöse Hotel Atlantic Kempinski ging. Der gleichnamigen Nobelhotelkette sollte er über die Jahre seines beruflichen Feinschliffs und seiner kulinarischen Weiterentwicklung stets treu bleiben. Es folgten Zwischenstationen im italienischen Sterne-Restaurant Aquarello, im Hotel Vier Jahreszeiten in München sowie im Palais Hansen Kempinski in der österreichischen Hauptstadt Wien.

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Dort erhielt er 2016 nicht nur bei seiner Premiere als Küchenchef seinen ersten Michelin-Stern, dem ein zweiter im Vier Jahreszeiten in München folgte. Er lernte in Wien auch bei einem Kinobesuch nahe des Praters mit Anne Wahl die Liebe seines Lebens kennen. Sie hat ihn als „Head of Media Relations & PR“ pressetechnisch geschult, bis es letztlich auch privat gefunkt hat. Mittlerweile ist er verlobt mit ihr und freut sich auf seine Hochzeit.

Mit dem Entschluss, von seiner vorerst letzten Station im pulsierenden London ins abgeschiedene Schloss Elmau zu wechseln, kommt er der in München lebenden Verlobten einen bedeutenden Schritt näher. „Das freut mich am meisten“, gesteht er. Jetzt will er der Luxusherberge seine ganz eigene kulinarische Handschrift verpassen. 55 Köche arbeiten unter seiner Leitung. Neun Auszubildende betreut er. Ab dem ersten August kommen fünf weitere hinzu. Trotz seines hohen Ranges steht er nach wie vor selbst in der Küche. „Ich bin mir für nichts zu schade.“

Die ersten Wochen in Elmau hat er hinter sich gebracht. Kleine Probleme aus dem Weg geräumt, neue Wege beschritten. Noch ist viel zu tun, doch schon von der ersten Stunde an war ihm klar, dass es die richtige Entscheidung war, als er auf sein Bauchgefühl hörte, als ihn Christoph Rainer anrief.

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