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Eine starke Gemeinschaft: (vorne v. l.) Barbara Scheler, Sylvia Voigt, Eva Widmann, (hinten v. l.) Hotel-Direktor Christian Magewski, Janine Zimmerer, Naomi Jödicke, Anna Weldig und General-Manager Nikolai Bloyd haben am „ersten Geburtstag“ von Kollegen Shahid Wazir (vorne 2. v. l.) für ihren Kollegen ein Zeichen gesetzt. 

Kollegen zeigen sich solidarisch 

Schloss Elmau: Fünf Sterne für die Menschlichkeit

Das Schicksal ihres Kollegen Shahid Wazir hat sie nicht mehr losgelassen. Der IT-Chef von Schloss Elmau war an Leukämie erkrankt und durchlitt ein Martyrium. Gestern, genau ein Jahr nach dererfolgreichen Knochenmarkstransplantation, überraschte ihn die Belegschaft des Luxushotels mit einer besonderen Geste: einer Stammzellen-Registrierungsaktion.

Elmau – September 2016. Shahid Wazir ist im Prüfungsstress. Plötzlich kippt der gebürtige Pakistani um. Kurze Zeit später wacht er wieder auf – im Krankenhaus. „Dort eröffnet mir ein Arzt, dass ich nicht mehr lange zu leben habe.“ Die Horror-Diagnose: Leukämie. Nun beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Findet der IT-Direktor von Schloss Elmau nicht umgehend einen Knochenmark-Spender, werden die düsteren Prognosen der Mediziner im Klinikum Großhadern bald wahr.

Vom Muskelmann zur Hungergestalt

„Die Krebszellen waren sehr aggressiv, es hätte nicht mehr lange gedauert“, erzählt Wazir von der schlimmsten Zeit seines Lebens. Mit Chemo-Therapien versucht man, den scheinbar unaufhaltsamen Prozess zu stoppen. Eine Tortur für den heute 40-Jährigen. „Das Gewicht schwindet, man hat keine Reserven mehr, ich musste mich nur noch übergeben.“ Binnen kurzer Zeit wird aus dem Bodybuilder mit Gardemaß eine Hungergestalt von 64 Kilo.

Dann der Hoffnungsschimmer: Wazirs Bruder Kamal verfügt über die richtigen Stammzellen für eine Knochenmark-Transplantation. Jetzt muss der Lebensretter aus Pakistan nur noch ein Visum nach Deutschland bekommen. Alles andere als einfach. Doch die Zeit läuft gnadenlos gegen Wazir. Nun schaltet sich Schlossherr Dietmar Müller-Elmau ein. „Er hat alles daran gesetzt, dass es klappt“, betont sein IT-Chef. Dank der G7-Kontakte ins Kanzleramt kann Kamal Wazir kurze Zeit später einreisen. Die Transplantation glückt. Es ist der 14. Februar 2017.

Viele Tränen vergossen

Dieses Datum hat sich in die Köpfe und Herzen der Belegschaft des Fünf-Sterne-Hotels eingebrannt. Zuvor hatten die Elmauer mit ihrem schwerkranken Kollegen regelrecht mitgelitten, viele Tränen vergossen. „Das war ein Schock für uns alle“, spricht Anna Weldig vom Kulturbüro den anderen aus der Seele. „Doch wenn wir uns alle nur das Taschentuch reichen, ist niemandem geholfen.“

Shahid Wazir ist mittlerweile wieder gesund und voll bei Kräften. Er strotzt vor Energie. Erst gestern wurden ihm beste Blutwerte bescheinigt. So schnell haut den Computer-Experten nichts mehr um – dachte er. Doch als er am Mittwoch, genau ein Jahr nach der gelungenen OP sozusagen an seinem ersten Geburtstag den Konzertsaal von Schloss Elmau betrat, kämpfte er mit den Tränen. Ohne sein Wissen haben seine Kollegen im Verbund mit der Deutschen Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) eine Stammzellen-Registrierungsaktion veranlasst. Die Idee dazu hatte Janine Zimmerer, als sie bei einem Glas Wein auf dem Balkon mit Freunden über Wazirs Kampf gegen den Krebs sprach. Schnell fand sie in ihren Kolleginnen Naomi Jödicke und Anna Weldig begeisterte Mitstreiterinnen.

Wazirs erster Geburtstag

„Wir machen im Jahr 220 Konzerte, dann kriegen wir das auch noch hin“, meint Weldig. Immerhin: Die Vorbereitungen dauerten ein halbes Jahr. Mit dem gestrigen Aschermittwoch, „Wazirs Geburtstag“, legten die Elmauer eine Punktlandung hin. Bis zur Mittagszeit hatten sich schon rund 50 Kollegen und Hotelgäste typisieren lassen. Mund auf, Stäbchen rein – das war’s. Fünf Sterne für die Menschlichkeit.

Unglaublich findet das der überwältigte Wazir. „Ich bin sprachlos, dass so viele Kollegen die Klappe gehalten haben.“ Nichts drang zu ihm durch. Mehr denn je weiß er zu schätzen, in welchem Betrieb er gelandet ist. Er denkt zurück an seine Leidenszeit, als ihn General-Manager Nikolai Bloyd mit selbstgebackenen Cookies oder Hotelchef Müller-Elmau am Krankenbett mehrmals besuchten und Mut zu sprachen. Letzterer zahlte am Valentinstag auch die komplette Registrierungsaktion. Pro Teilnehmer werden immerhin 35 Euro fällig.

Derweil strebt Shahid Wazir schon wieder ein großes Ziel an. Im März möchte er bei einem Bodybuilding-Contest mitwirken. Das hat vor ihm nach einer solch schweren Erkrankung noch niemand geschafft.

Christof Schnürer

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