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Von wegen Rosenkavalier: Bill Murray hat die Blumen dann mit sehr viel Schwung in die Besucherreihen geworfen.

Ein Hauch von Hollywood in Schloss elmau

Bill Murray zieht in Schloss Elmau alle Register

Er ist eine Schauspiel-Legende: Mit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ oder „Ghostbusters“ wurde Bill Murray berühmt. Nun gastierte er in Schloss Elmau und bot einen Mix der großen Meister. 

Elmau – Schon mal von einer Hollywood-Legende eine Rose an den Kopf geworfen bekommen? Wer fangen kann, war in Schloss Elmau am Mittwochabend klar im Vorteil: Dort hat der Schauspieler Bill Murray gleich einen ganzen Strauß Baccara-Rosen recht ungestüm an die Damen im Publikum verteilt. Man könnte auch sagen, er hat sie abgeworfen. Ein Finale, das sehr gut zu dem Superstar passt – der im Laufe seiner jahrzehntelangen Karriere ja mehrfach Charaktere mit derben Charme gespielt hat.

An den selbstverliebten Zyniker von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ erinnerte im edlen Konzertsaal ansonsten nicht viel. Wenn, dann blitzte eher der coole Geisterjäger von „Ghostbusters“ durch. Doch der Kinokracher von 1984 ist mehr als 30 Jahre her, und Bill Murray hat sich verändert. Der 66-Jährige war, wenn man so will, eine strahlende Erscheinung: weiße Hose, weißes Hemd, weiße Leinenjacke und eben auch weißes Haar. Zum Lesen braucht er eine Brille. Und gerade die fehlte, als er zusammen mit Mira Wang (Violine) und Vanessa Perez (Piano) die Bühne betrat. „Ich habe meine Brille vergessen“, lauteten also die nüchternen Begrüßungs-Worte des Künstlers. Dann nahm er die beiden Musikerinnen wieder an die Hand und verschwand für fast zehn Minuten.

Umso lauter war der Applaus, als Murray grinsend zurückkehrte und seine Brille – ein eher altbackenes, auseinander klappbares, rotes Umhängemodell aus Plastik – dabei hatte. „That’s an easy house“, war sein trockener Kommentar ob der Begeisterung – was sich wohl mit „der Abend ist a g’mahde Wiesn“ frei übersetzen lässt.

Was folgte, ließ sich schwer in eine Kategorie packen. Zurecht hatte Elmaus Kulturchefin Dr. Silke Zimmermann eine „völlig neue Komposition“ angekündigt. An der hatte Murray zusammen mit dem Cellisten Jan Vogler – er kam etwas später auf die Bühne – getüftelt. Die Zutaten für ihre „New Worlds“, ihre neuen Welten: stimmungsvolle Texte von Ernest Hemingway, Arthur Miller und Mark Mark Twain, dazu wunderbar dargebotene Musik von Bach, Schubert und Gershwin.

Vollendet wird der Mix der großen Meister mit einem Hauch von Klamauk. Dann, wenn Wang ihre Geige weglegt, um der Klavierspielerin voll in die Tasten zu hauen. Murray muss das Gerangel am Piano regelrecht auflösen und schimpft dafür wild gestikulierend Karoline Bauer. Die saß eigentlich ganz brav an der Seite von Perez, um für die Pianistin die Notenblätter umzublättern. „Ich hatte keine Ahnung, was da passiert“, sagte die Geigenbauschülerin nach dem Konzert mit einem Lachen. Dass sie mit auf der Bühne stehen wird, hatte sie ohnehin erst 30 Minuten vor dem Auftritt erfahren. Ein Vergnügen, das Bauer ihrer guten Kultur-Kontakte nach Elmau zu danken hat.

So ist sie mittendrin, als Murray mal ruhig liest, mal mit lauter und verstellter Stimme ins Schauspielerische geht. Er singt, er rockt mit den Musikern richtig ab und tanzt Körper an Körper zu ruhigen Klängen mit Wang. Auf einen Text zum amerikanischen Bürgerkrieg folgte eine „I feel pretty“-Einlage. „Für Elise“ wird entfremdet. Alles ist ein bisschen anders, nicht normal. Und dazu passt dann auch das Rosen-Massaker am Ende. Nach der dritten Zugabe verschwindet Murray. Ohne Autogramme, ohne Fotos mit den Fans. Plötzlich war er wieder Hollywood-Star. Und unnahbar. 

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