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Kritik für Silvester-Feuerwerk von G7-Hotel - Inhaber: „Deshalb noch kein Hirsch gestorben“

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Von: Manuela Schauer

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Immer wieder entfachen Feuerwerke Diskussionen. In diesem Jahr erregte das Spektakel in Schloss Elmau Aufmerksamkeit. Und zwar nicht, weil es so schön anzusehen war.

Elmau/Landkreis – Ungläubig schaut Hans-Joachim Fünfstück auf das Foto. Auf die gewaltigen Lichterfontänen über Schloss Elmau. Auf die Rauchschwaden, die über den Wald hinwegziehen. „Das ist Wahnsinn“, sagt der Vorsitzende der Regionalgruppe Garmisch-Partenkirchen/Weilheim-Schongau des Landesbunds für Vogelschutz, „da hinten eine Katastrophe.“ Das Feuerwerk des Fünf-Sterne-Hotels, das in der Silvesternacht gezündet wurde, hinterlässt bei ihm verblüfftes Staunen, allerdings im negativen Sinn.„Absolut blödsinnig“, urteilt er.

Feuerwerk am Schloss Elmau: Silvester-Sause erregt Kritik im Umland

Fünfstück denkt vor allem an die Vögel, die im Elmauer Talkessel leben. Die durch die Dimension des Lärm- und Lichtpegels des Silvester-Spektakels gestört werden. Der Experte verweist auf Radaruntersuchungen bei Wildvögeln. Die ergaben, dass die Tiere durch Feuerwerke aufschrecken, bis in Höhen von 1000 Metern fliegen und dort umherirren. Ein Kraftakt, der die Fortpflanzung im Frühjahr beeinträchtigt. „Die Kondition fehlt“, sagt Fünfstück. Deshalb legen die Vögel weniger Eier. Wie sich das Ganze auf das Auerwild auswirkt, weiß er nicht. Warum Inhaber Dietmar Müller-Elmau das Geld nicht lieber in eine umweltfreundlichere Lasershow investiert, ist ihm ein Rätsel.

Imposant: das Silvesterfeuerwerk über Schloss Elmau.
Imposant: das Silvesterfeuerwerk über Schloss Elmau. © hans Buchwieser

Nah am Naturschutzgebiet: Silvester-Feuerwerk an G7-Hotel in Elmau unerwünscht

Eine Schwester im Geiste findet er in Tessy Lödermann. So ein Feuerwerk „braucht’s wirklich nicht mitten in Wildlebensräumen“ und mitten im Winter, betont die Vorsitzende des Tierschutzvereins im Landkreis. Von der Feinstaubbelastung in dem Bereich abgesehen, der zirka 100 Meter vom Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Mittenwalder Buckelwiesen“ entfernt liegt. Es existieren Alternativen ohne Krach und ohne Rauch, sagt die Dritte Landrätin, ohne in die Rolle der Spaßverderberin schlüpfen zu wollen. Mit Feuerstellen könne man arbeiten, ja sogar die Kombination aus purer Stille und Nacht hält sie für den Jahreswechsel als besonderes Erlebnis. Angesichts der exponierten Lage der Nobelunterkunft mahnt Lödermann zur Rücksichtnahme. „Es muss nicht immer das Geballer sein, das man in den Skiorten hat.“ In Garmisch-Partenkirchen zum Beispiel flogen um Mitternacht weniger Raketen. Und die GaPa Tourismus GmbH bot heuer zum ersten Mal eine Lichtershow an.

Silvester-Feuerwerk in Elmau: Absage wäre eine Frage von Solidarität

Dietmar Müller-Elmau sorgt nicht zum ersten Mal für Aufregung. Damals zu Zeiten von G7 – das Treffen der Staats- und Regierungschefs ging als Klima-Gipfel in die Geschichte ein – war nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Mit einem illegalen Partyzelt am Hubschrauberlandeplatz und einem Dach-Schwarzbau an der Elmauer Alm hatte er es in die Schlagzeilen geschafft. Diesmal lief alles korrekt ab. Die nötige Anzeige wurde beim Landratsamt getätigt. Naturschutzrechtliche Gründe für ein Verbot lagen nicht vor, heißt es vom Unteren Naturschutz. Die „Erhaltungsziele“ des Landschaftsschutzgebiets etwas außerhalb des Schlossbereichs wie auch des FFH-Areals „wurden nicht beeinträchtigt“, teilt Sprecher Stephan Scharf mit. Auswirkungen seien nicht zu befürchten gewesen.

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Die Diskussion um die Sinnhaftigkeit von Feuerwerken ist nicht neu. Jedes Jahr entfacht sie. Auch die Hotel-Branche setzte sich intensiv mit dem Thema auseinander. Einige Häuser nehmen inzwischen Abstand von den Feuer-Fontänen am Himmel. Das Riessersee-Hotel in Garmisch-Partenkirchen beispielsweise. Seit 2018 verzichtet Dörte Mäder darauf. „Ich verteidige den See und die Natur“, sagt die Geschäftsführerin. Für die Szenerie in Elmau bringt sie wenig Verständnis auf. „Warum macht man den Schmarrn“, fragt sie. Mäder möchte nicht den moralischen Zeigefinger erheben, vermisst aber Solidarität. Zum einen verkneifen sich Häuser wie ihres, ein Feuerwerk für die Gäste anzubieten, zum anderen predigen auch Gemeinden der Bevölkerung, im Privaten keine Böller oder Raketen zu zünden. Seit der Corona-Pandemie wird dieser Appell verstärkt geäußert, um Krankenhäuser nicht noch zusätzlich mit Verletzten zu belasten.

Elmau: Silvester-Feuerwerk an G7-Hotel löst Kritik aus - Betreiber bleibt uneinsichtig

Christian Bär vom Murnauer Alpenhof schlägt ähnliche Töne an. Seit drei Jahren gibt es dort kein Feuerwerk mehr. Heuer hat der Inhaber sogar auf die „verträglichere“ Feuershow verzichtet und seine Gäste auf der Terrasse mit extra-langen Wunderkerzen ausgestattet. Parallel dazu lief der Donauwalzer. Seine Meinung: Weniger Feuerwerk ist mehr. Außerdem findet der Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, sei es an der Zeit umzudenken – angesichts der Naturlage und der Unesco-Bewerbung. Das Vorgehen von Schloss Elmau möchte Bär nicht kritisieren, „das steht mir nicht zu“, sagt er. Wie bei Kollegin Mäder spielt der Faktor Gefühl bei ihm aber eine Rolle. „Wenn alle verzichten, warum nicht auch wir.“ Es sei eine Frage der Moral.

Deshalb ist noch kein Hirsch gestorben.

Dietmar Müller-Elmau

Müller-Elmau, im Juni bekanntlich wieder G7-Gastgeber, versteht die Vorwürfe nicht. Der Hotelier, der mit seinem Luxusrefugium in zehn Jahren klimaneutral sein möchte, spricht von einem „kleinen, bescheidenen Feuerwerk“, das nur so groß wirkte, weil es rundherum kein weiteres gegeben habe – das benachbarte Hotel Kranzbach hatte davon abgelassen. Einen Pyrotechniker aus Penzberg buchte er dafür. „Die Leute leben davon. Ich weiß nicht, ob wir ihnen die Existenzgrundlage entziehen sollten“, argumentiert der Schlossherr. Außerdem erhellten die Raketen auch andernorts, beispielsweise in Berlin oder München, den Nachthimmel.

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Die Kritik von Fünfstück und Lödermann lässt Müller-Elmau kalt. „Der Naturschutz sagt viel, aber es ist deshalb noch kein Hirsch gestorben“, behauptet der 67-Jährige. „Noch kein Auerhahn davon wach geworden.“ Wenn es anders wäre, würde er reagieren. Der Hotelier zeigt sich seiner Verantwortung der Natur gegenüber bewusst, „ihr Erhalt ist das Allerwichtigste“. Mit dem Feuerwerk, ist er überzeugt, „haben wir für keinen Schaden gesorgt“.*Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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