Dorf-Bürgermeister aus Krün erobert Bezirkstag von Oberbayern

Jetzt ist es amtlich: Krün beheimatet den neuen Bezirkstagspräsidenten von Oberbayern. Am Freitag hat Thomas Schwarzenberger dazu einen klaren Auftrag bekommen. Der CSU-Politiker sieht sich in den kommenden fünf Jahren als Vorreiter von „Erinnerungskultur und Demokratiebildung“.
München/Krün – Die Anspannung ist ihm anzumerken, auch wenn Thomas Schwarzenberger (53) das mit oberbayerischem Charme zu überspielen versucht. „Ich war sehr nervös“, räumt er später ein. Aber man steht schließlich nicht alle Tage zur Wahl als Bezirkstagspräsident von Oberbayern.
Doch Befürchtungen jeglicher Art sind am Freitag bei der Konstituierenden Sitzung in der Bezirksverwaltung an der Prinzregentenstraße völlig unbegründet: Der Krüner Bürgermeister erhält nämlich nicht nur die Unterstützung der sogenannten kooperierenden Fraktionen von CSU, Freie Wähler und SPD, sondern auch von anderen Gruppierungen. Mit 71 von 77 gültigen Stimmen wählen die 80 anwesenden Mitglieder des Kommunalparlaments den 53-jährigen Familienvater aus dem Oberen Isartal. Mit anderen Worten: ein Traumergebnis.

Sein neues Amt trete er mit Demut vor der großen Aufgabe an. Wichtig ist Thomas Schwarzenberger ein konstruktives Miteinander. „Es ist unsere Aufgabe und unsere Verantwortung, für die Demokratie einzustehen und zu kämpfen“, betont der Krüner Rathauschef. Deshalb möchte er als eines der ersten eigenen Projekte eine Arbeitsgruppe einrichten, die sich mit „Erinnerungskultur und Demokratiebildung“ intensiv beschäftigt. „Es ist teilweise erschreckend, wie leichtfertig mit der Demokratie und ihren Werten umgegangen wird.“
Als das Ergebnis im Plenum feststeht, fragt Oberbayerns Regierungspräsident Dr. Konrad Schober den künftigen Präsidenten des Hauses, ob er die Wahl annehme. Schwarzenberger in der ersten Reihe erhebt sich und sagt laut und deutlich ja. Nur zwei Meter weiter verfolgt – scheinbar teilnahmslos – der Garmisch-Partenkirchner Landrat Anton Speer, seit zehn Jahren Bezirksrat der Freien Wähler, das Prozedere. Anschließend bittet dessen Fraktionskollegin Marianne Heigl (72), die älteste Abgeordnete, ihren Kollegen Schwarzenberger nach vorne und nimmt ihm den Amtseid ab. Dieser hebt mit ernster Miene die rechte Hand und spricht die Eidesformel. Jetzt ist es endgültig amtlich: Das kleine Krün hat einen Bezirkstagspräsidenten.
Ein erhebender und spannender Moment auch für Lebensgefährtin Silvia Käufer-Schropp. Die Pressesprecherin im Garmisch-Partenkirchner Rathaus verfolgt mit ihrer Chefin Elisabeth Koch (CSU) Schwarzenbergers Sternstunde via Livestream im Internet.
Die zusätzliche ehrenamtliche Tätigkeit – der Krüner bleibt Bürgermeister seines Heimatortes – traut ihm Oberbayerns Regierungspräsident Schober, der die denkwürdige Sitzung eröffnete, definitiv zu. „Mit Kraft, Engagement, Weitsicht und Tatkraft“ werde Schwarzenberger diesen Posten bekleiden. Davon ist Schober felsenfest überzeugt. Nach seiner Kür gibt sich der Dorfbürgermeister aus Krün – rote Krawatte, dunkles Sakko – auf dem Präsidentenstuhl souverän und beinahe schon staatsmännisch. Auch wenn er sich bei seinen Kollegen schon jetzt dafür entschuldigt, dass er gelegentlich ein wenig in seinen Werdenfelser Dialekt verfällt.
Die kommenden zwei Wochen wird Schwarzenberger ganz Bezirkstagspräsident sein, will er sich mit vollem Elan an seinem neuen Arbeitsplatz zurechtfinden. Montags wird er bereits vom Chauffeur abgeholt. Die Amtsgeschäfte im Krüner Rathaus führt bis 20. November Zweiter Bürgermeister Rudi Haller (CSU). Man darf schon gespannt sein, auf die nächste Krüner Gemeinderatssitzung am 21. November, die dann – einzigartig im Landkreis – vom oberbayerischen Bezirkstagspräsidenten eröffnet wird. Am 30. November folgt die Bürgerversammlung, bei der Schwarzenberger explizit zu seinem neuen Amt Stellung beziehen will. „Der Bürger hat schließlich ein Recht zu erfahren, was das bedeutet.“