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Sitzungskönige des Touristikvereins: (ab 2. v. l.) Tilly Zahler und Thassilo Meyer erhalten von Vorsitzender Rosi Pfeffer und deren Vize Ralph Nordhaus ein Präsent.

Touristikverein Krün bald ohne Pfeffer

Feuerwehr-Frau kündigt Rückzug an

Vor fünf Jahren gehorchte Rosi Pfeffer der Not und nahm beim Touristikverein Krün auf dem verwaisten Chefsessel Platz. Damit rettete sie diese Interessengemeinschaft vor der Auflösung. Doch 2019 schlägt sie definitiv dieses Kapitel zu.

Krün – Der Knaller erfolgt zum Schluss: Souverän und beherzt hat Rosi Pfeffer im Kurhaus durch die Jahresversammlung des Krüner Touristikvereins geführt. Dann ergreift die 49-Jährige in eigener Sache das Wort. Die Zuhörer im Saal lauschen gebannt, als sie ihnen verkündet, dass nun definitiv ihr letztes Jahr als Vorsitzende beginne. „Es hat mir viel Freude gemacht, aber nun reicht es.“ Bei ihrem Entschluss spielen selbstredend auch private Gründe eine wesentliche Rolle. „Es braucht einfach zu viel Kraft. Ich muss auch auf meine Familie schauen, auf der mit meinen Aktivitäten viel lastet. Sie bedeutet mir viel.“

Ihren Rückzug auf Raten sieht die Tochter des Ferl-Bauern als Chance für ihre Mitstreiter. „Bereitet Euch darauf vor. Mir liegt daran, dass der Touristikverein gut weitergeführt wird.¨ Pfeffer selbst hatte es vor fünf Jahren ungleich schwerer. Im Frühjahr 2013 war ihr Vorgänger Ralph Nordhaus amtsmüde. Ein Nachfolger konnte partout nicht gefunden werden. Eine Zerreißprobe für den 1996 gegründeten Verein, dem die Auflösung drohte. Auch Rosi Pfeffer wollte zunächst nicht die Retterin spielen, gehorchte dann aber der Not. „Ich hoffe auf Eure Unterstützung“, wandte sich im Mai 2013 Feuerwehr-Frau Pfeffer nach ihrer Wahl an die erleichterten Mitglieder.

Zurück ins Hier und Jetzt: Noch steht Pfeffer an der Spitze und darf sich mit so manchem Bürokratie-Monster herumschlagen – beispielsweise der neuen Datenschutzverordnung der Europäischen Union, die vielen Ehrenamtlichen Kopfschmerzen bereitet. Winfried Schmitt oblag nun in Krün die undankbare und arbeitsaufwändige Aufgabe, den Moloch aus Brüssel den Mitgliedern abstimmungsreif näher zu bringen. Nach langem Meinungsaustausch gab Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) Entwarnung. Der Touristikverein brauche aufgrund der geringen Zahl der Zugriffsberechtigten keinen eigenen Datenschutzbeauftragten. Das hatte den Beschluss zur Folge, dass die Informationen über die 109 Mitglieder allesamt von der Intenetseite gelöscht werden.

Wie rührig der vor fünf Jahren tot geglaubte Touristikverein ist, zeigte Schriftführerin Barbara Heiß in ihrem Bericht auf. Als Beispiele nannte sie Veranstaltungen wie Bauernmarkt beim Almabtrieb, den Unsinnigen Donnerstag oder die Ausstellung mit Fotograf Wenzel Fischer. Dass sich das auch positiv in der Kasse niederschlug, untermauerte Beate Schober mit sehr erfreulichen Zahlen. Stolz äußerte sich dazu die Vorsitzende. „Wir waren fast schon pleite, jetzt haben wir ein gutes finanzielles Polster.“ Pfeffer konstatiert: „Wir haben also gut gewirtschaftet.¨

Doch die Krüner Vermieter wollen kein Sparverein sein. Deshalb investieren sie in eine neue, schwenkbare Webcam, die mit dem Portal Wetter.com verlinkt werden soll. Auch der Fernsehsender SAT 1 soll live darauf zurückgreifen können und Bilder aus der Umgebung ins Programm einspielen. So hoffen die Tourismusförderer, viele Zuschauer und damit potenzielle Gäste erreichen zu können.

Bei all dem Positiven gab’s auch Kritik von der Vorsitzenden. Pfeffer beklagte, dass im Touristikverein immer die selben die Arbeit machen – vor allem die Frauen. Dabei sind bei Vorbereitungen für lukrative Veranstaltungen oft starke Männerhände erwünscht. Gefragt seien auch Mitglieder, die ihre Fachkenntnisse mit einbringen. die anpacken können erwünscht.

Gefragt sind zudem Mitglieder, die ihre Fachkenntnisse einbringen. Es war der gesamten Führungsriege ein Bedürfnis, zwei, die immer da sind, zu ehren. Als „Sitzungskönige“ bezeichnete Pfeffer bei ihren Dankesworten Tilly Zahler und Thassilo Meyer und überreichte ihnen als Anerkennung einen Blumenstrauß und Geschenkkorb. Abschließend feixte Meyer, dass er eigentlich nicht wegen des Vereins, sondern nur deshalb komme, weil er Tilly Zahler so gerne sehe.

Leonhard Habersetzer

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