Einsatz an der Soiernschneid: Der Verletzte wird zusammen mit Retter Michael Hornsteiner vom ADAC-Hubschrauber aufgewinscht.
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Einsatz an der Soiernschneid: Der Verletzte wird zusammen mit seinem Retter vom ADAC-Hubschrauber aufgewinscht.

Höllenritt im Soierngebiet

„Nahe der Freifall-Geschwindigkeit“: Münchner Bergsteiger gerät bei Tour in lebensbedrohliche Lage - Er trug Turnschuhe

Riesendusel hatten am Samstag zwei Münchner bei einer Tour im Soierngebirge. Schneemassen rissen einen der beiden nach unten. Der andere konnte sich oben halten. Kräfte der Bergwacht Krün befreiten den Verletzten mit Hilfe des ADAC-Hubschraubers aus seiner lebensbedrohlichen Lage.

  • Zwei Münchner waren am Wochenende bei hervorragendem Wetter im Soiern-Gebiet unterwegs.
  • Einer der beiden kam mit einer sich lösenden Lockerschneelawine ins Rutschen und ritt auf einer Schneewelle in mörderischem Tempo nach unten.
  • Der 28-Jährige hatte mehrere Schutzengel.

Krün – Ihr hochalpines Abenteuer endete für zwei Bergwanderer aus München am Wochenende mehr als glimpflich. „Die hatten echt Dusel“, bringt es Michael Hornsteiner von der Bergwacht-Bereitschaft Krün auf den Punkt. Gerade der eine Mann (28), der im Höllentempo eine steile Flanke runter gerauscht war, hatte gleich mehrere Schutzengel.

Die beiden gleichaltrigen Münchner waren am Samstagnachmittag bei hervorragenden Wetterbedingungen auf der sogenannten Soiernumrahmung unterwegs. Eine der schönsten Rundtouren in der Region, was sich nicht zuletzt in zahllosen Instagram-Posts widerspiegelt. Vom Soiern her ging das Duo aus der Landeshauptstadt über die Reißende Lahnspitze und querte südseitig die verschneite, sehr steile Soiernschneid (2174 Meter).

Turnschuh-Wanderer klammert sich an Felsen

Dort ereignete sich das Unglück: Der lediglich mit Turnschuhen ausgerüstete Bergsteiger kam mit einer sich lösenden Lockerschneelawine ins Rutschen. Auf einer Länge von rund 150 Metern ritt der Münchner auf einer Schneewelle die zirka 45 Grad steile Südflanke durch schrofiges Gelände in einem mörderischen Tempo nach unten. „Das war nahe der Freifall-Geschwindigkeit“, erläutert der staatlich geprüfte Bergführer Hornsteiner den Ernst der Lage. Wie durch ein Wunder gelang es dem Turnschuh-Geher, sich an einen Felsen zu klammern – rechtzeitig vor einer Steilwand.

Sein Partner, der immerhin steigeisen-feste Bergschuhe trug, hatte sich oben halten können. Er war es auch, der den Notruf absetzte. Ein ADAC-Hubschrauber und 15 Bergretter setzten sich unmittelbar danach in Richtung des Verunglückten in Bewegung – zwei Einsatzkräfte flogen mit der Helikopterbesatzung, der Rest arbeitete sich sozusagen als Bodentruppe über das Alple in Richtung Schöttlkarspitze, weil sich das Handy nicht genau orten ließ und in diesem Bereich mit Nebelbildung zu rechnen war.

Falsche Einschätzung der Schneelage und das falsche Material im winterlichen Hochgebirge führten zu dieser fatalen Situation.

Bergführer Michael Hornsteiner

Die Hubschrauber-Crew machte glücklicherweise bald die beiden aus und seilte die Bergretter ab. Diese bauten einen Stand und Skianker. Dort versorgten sie den am Bein Verletzen und machten ihn zum Abtransport fertig. „Er war relativ reflektiert“, schildert Hornsteiner, einer der beiden Helfer vor Ort, die Psyche des Münchners, der sich bis zum Eintreffen seiner Retter an den Fels krallen musste, um nicht weiter nach unten zu stürzen. Mit einem 70 Meter langen Seil wurde er aufgewinscht. In einem Aufwasch nahm man den oben ausharrenden Bergkameraden mit und flog ihn und seinen Spezl zum Krüner Sportplatz. Von dort ging es mit dem Verletzten weiter ins Krankenhaus.

„Falsche Einschätzung der Schneelage und das falsche Material im winterlichen Hochgebirge führten zu dieser fatalen Situation“, konstatiert Hornsteiner. „Man muss sich wundern, dass der überhaupt so weit gekommen ist.“ Für Hornsteiner und sein Team war der Einsatz nach 90 Minuten beendet.
Leonhard Habersetzer/Christof Schnürer

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