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Autos, Autos, Autos: Solche Szenen wie heuer zur Faschingszeit spielen sich auch während der Sommerferienzeit in Krün und Wallgau ab. 

Verkehr in Krün und Wallgau wird immer mehr 

Anwohner wettern gegen Abgas-Orgie

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Viele Autos, viel Umsatz – so lautete lange Zeit in Krün und Wallgau dieErfolgsformel bei den Tourismus-Schaffenden. Doch inzwischen wächst immer mehr der Grollangesichts nicht enden wollender Blechlawinen. Vielen Einheimischen stinkt der Durchgangsverkehr gewaltig.

Krün/Wallgau – Der Wallgauer Bürgermeister bringt es auf den Punkt: „Es geht um Lebensqualität.“ Hansjörg Zahler (CSU) spielt damit auf den mittlerweile grenzwertigen Durchgangsverkehr in seinem Dorf und im Nachbarort Krün an, die mehr denn je am Tropf des Tourismus hängen. Doch wie lange noch angesichts der Abgas-Orgien, die sich gerade in der Ferienzeit und an sonnigen Wochenenden abspielen.

Bereits im Februar hat das Tagblatt dieses Thema aufgegriffen. Damals quälten tausende von Pkw zur Faschingszeit die Nerven vor allem der Anwohner an der Bundesstraße. Doch auch in den Sommermonaten ist es offenbar keinen Deut besser. „Wahnsinn, das ist irre, das kann man sich nicht vorstellen“, berichtet eine stressgeplagte Wallgauerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Ihre Theorie für den anscheinend stetig wachsenden Verkehr: „Durch die Beliebtheit des Walchensees fahren immer mehr Autos aus Tirol, Garmisch und den umliegenden Dörfern durch Wallgau und Krün.“ Obendrein würden Autos und Motorräder viel zu schnell durch die beiden Dörfer rasen. Zwar gibt es – jeweils nur einen – Zebrastreifen in Krün und Wallgau. Das Überqueren sei trotzdem „sehr gefährlich und für Kinder mittlerweile unmöglich“.

Diese zugegeben subjektive Einschätzung teilt auch Leonhard Habersetzer. Der ehemalige Gemeinderat wohnt in Krün unweit der B 11. „Seit 30 Jahren tun wir umeinander“, poltert der mehrfache Opa. Ihn wundert es, dass entlang der Hauptstraße überhaupt noch Gäste absteigen. „Das hat doch keinen Erholungswert mehr, das ist gesundheitsgefährdend!“ Schon als Elternbeiratsvorsitzender hat Habersetzer in den 1990er Jahren für mehr Sicherheit auf Krüns Straßen gekämpft. Bis auf den Zebrastreifen am Dorfplatz erfolglos. „Bis heute hat sich nichts geändert.“ Für den 64-Jährigen ein untragbarer Zustand. „Dass es so nicht weiter gehen kann, ist doch klar.“

Doch wie sollen Blechlawinen und Raser in Krün und Wallgau verhindert werden? Eine Umgehungsstraße scheint aufgrund restriktiver Naturschutz-Vorgaben – gerade an der Isar – und baulichen Gegebenheiten (Golfplatz Wallgau) nahezu illusorisch. Doch geschehen muss etwas. Das steht auch für Bürgermeister Zahler außer Frage. „Denn der Verkehr hat gefühlt um mindestens 100 Prozent zugenommen.“

Er verfolgt die Politik der kleinen Schritte. So möchte der Rathauschef im Zuge des Dorferneuerungs-Prozesses beispielsweise die Hauptstraße verengen. Damit es endgültig vorbei sei „mit der Autorennbahn zwischen Apotheke und Gasthof Isartal“.

Bei einem weiteren Zebrastreifen sieht die Sache schon wieder schwieriger aus. „Die sind ganz schwer zu kriegen“, weiß Zahler aus Erfahrung. Ihm zufolge müsste gegenüber dem Staatlichen Bauamt der Nachweis erbracht werden, dass an der gewünschten Stelle durchschnittlich 50 Personen pro Stunde die Straße überqueren. Was im 1400-Seelendorf sicher nicht einfach wird.

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