Auf Schusters Rappen: Die Wege im Isartal – wie der zwischen Barm- und Geroldsee – werden auch heuer gut frequentiert sein.
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Auf Schusters Rappen: Die Wege im Isartal – wie der zwischen Barm- und Geroldsee – werden auch heuer gut frequentiert sein.

Ehrenamtliche sollen sensibilisieren und lenken

Naturschutzwächter in Krün: Vernünftige Aufklärer statt wilde Sheriffs

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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In Krün sollen künftig Naturschutzwächter für Ordnung sorgen. Da sie allerdings verantwortungsvolle Befugnisse haben - sie dürfen Platzverweise ausstellen, Bußgelder verhängen und Personalien feststellen - ist es dem Gemeinderat wichtig, die Auswahl weise zu treffen.

Krün – Sensibilisieren und aufklären lauten die Zauberwörter. Nicht angreifen und tyrannisieren. Die Naturschutzwächter im Landkreis sollen in Dialog mit den zahlreichen Tagesausflüglern und Urlaubsgästen treten. Auf Fehlverhalten hinweisen. Erklären, warum die Natur und die Tiere, die in ihr leben, schützenswert sind. Sich dabei aber nicht wie wilde Alpensheriffs aufführen. Das war die einhellige Botschaft des Krüner Gemeinderats, als er einstimmig beschloss, auch in seiner Gemeinde ehrenamtliche Naturschutzwächter einzustellen, die für Ordnung sorgen sollen.

Das die Wächter bitternötig sind, stellt kein Gemeinderat in Frage. Die Massen kommen. Für diese Prognose braucht es keine magische Glaskugel. Tagesausflügler aus ganz Bayern und darüber hinaus sind in diesem zweiten Corona-Sommer en masse zu erwarten. „Es ist schon jetzt brechend voll“, sagt Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Derweil hat die Saison noch gar nicht angefangen. „Die Situation erfordert Handeln.“

Vernunft und Respekt stehen nicht bei jedem gleichermaßen an oberster Stelle

Das Isartal wird heuer einiges aushalten müssen. Die Sommerfrischler plus die Übernachtungsgäste, die bald wieder in Krün und Umgebung Urlaub machen dürfen, sowie Einheimische, die nicht verreisen können, werden die Ausflugsziele im Isartal überlasten, ist sich Schwarzenberger sicher. Alle sind zu viel, als dass es die Natur vertragen könnte. Und das Vernunft und Respekt nicht bei jedem gleichermaßen an oberster Stelle stehen, verschärft die Situation enorm. Wildcamper mit offenen Feuerstellen, Zelte oder Einweggrills – so gesehen im Soierngebirge – sind keine Seltenheit mehr.

Deshalb braucht es Freiwillige, die sich ehrenamtlich engagieren. Sie sollen in der Region als Naturschutzwächter ein Auge auf den Ansturm haben, Fragen von Besuchern beantworten und auf Fehlverhalten hinweisen. Doch haben sie nach der Ausbildung weitreichende Befugnisse. Sie dürfen Personalien feststellen, Platzverweise aussprechen und sogar Bußgelder wegen Ordnungswidrigkeiten verhängen. Eine große Verantwortung, zu der „viel Fingerspitzengefühl nötig ist“, macht Schwarzenberger klar. Deshalb kommt bei dem einen oder anderen Ratsmitglied die Sorge auf, dass manche Ehrenamtliche ihre Position als „Alpensheriffs“ ausnutzen könnten. „Es ist wichtig, dass wir für die Aufgabe vernünftige Leute finden“, sagt der Bürgermeister deshalb. Diese werden fundiert sowie qualifiziert ausgebildet und von den Naturparkrangern des Landkreises angeleitet (wir berichteten).

Naturschutzwächter haben verantwortungsvolle Aufgabe: Deshalb sollen Ehrenamtliche weise gewählt werden

Da die Wächter eine verantwortungsvolle Aufgabe haben, sollen diese weise gewählt werden, bittet unter anderem Gemeinderat Franz Ostler (BWG). Er erkundigte sich, ob die Gemeinde ein Mitspracherecht hat, wer sich denn künftig als Wächter auf den Weg machen darf. Angestellt sind sie nämlich bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen. Die Behörde hält enge Rücksprache mit uns, was das Personal betrifft“, versichert Schwarzenberger. Das sei auch gut so, findet Peter Schwarzenberger (CSU). „Das ganze Projekt steht und fällt mit den Leuten, die mitmachen.“ Jetzt müsse man erst schauen, wer sich denn überhaupt meldet. „Wir brauchen erst einen soliden Grundstock.“ Und das dürfen nicht zu wenige sein. Für weitläufige Gebiete, beispielsweise im Soiern-Gebirge, „braucht es mehr als vier oder fünf“, sagt Schwarzenberger. „Da wären 14 oder 15 wie beim Vorreiter Uffing schon eher nötig.“

Im Herbst will der Rathauschef ein erstes Fazit ziehen. Sollte der Gemeinde das Projekt Naturschutzwächter doch auf die Füße fallen, könnte Krün noch immer einen Rückzieher machen. Wer sich als Naturschutzwächter bewerben möchte, kann sich an die Gemeinde Krün oder an das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen, Untere Naturschutzbehörde, wenden.

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