Die falsche Ausfahrt (blau) zeigt Google maps an der B2 nach Bärnbichl an. Rot wäre die richtige.
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Die falsche Ausfahrt (blau) zeigt Google maps an der B2 nach Bärnbichl an. Rot wäre die richtige.

Polizei bittet, Kopf einzuschalten

Auf gefährlicher Bundesstraße: Google Maps leitet Verkehr falsch - Haarsträubende Manöver für Autofahrer

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
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Die Bundesstraße 2 bei Krün war in den letzten Jahren oft Schauplatz verheerender Unfälle. Jetzt noch das: Google Maps leitet den Verkehr nach Bärnbichl in die falsche Ausfahrt ab.

Krün – Als es Thomas Schwarzenberger zum ersten Mal bemerkt, denkt er sich noch nichts dabei. Da wird einer schon das Verkehrsschild übersehen haben. Doch als er es zwei, drei weitere Male beobachtet, wird er stutzig. Wieso biegen plötzlich so viele von der Bundesstraße 2 aus Garmisch-Partenkirchen kommend in die Auffahrt aus Bärnbichl ein, anstatt die vorgesehene rechte Abbiegespur zu benutzen?

Bundesstraße 2 bei Krün: Autofahrer benutzen falsche Abbiegespur - wegen Google Maps

Zuerst hält es der Krüner Bürgermeister für einen Zufall. Doch dann sprechen ihn Gemeinderäte auf diese neue riskante Entwicklung an. Auch sie haben beobachtet, wie vorrangig auswärtige Pkw-Fahrer aus dem nichts abrupt auf der B2 abbremsen, den Blinker links setzen und dann verkehrt die Ausfahrt hinunter fahren. „Wir wussten, irgendwas stimmt hier nicht.“

Für diese riskante Abbiegesituation auf der sowieso schon durch Unfälle bekannten Bundesstraße ist der Internetgigant Google verantwortlich – und natürlich Menschen, die sich blind auf ihr Navigationsgerät verlassen. Im Kartendienst Google maps ist mehr oder weniger über Nacht die Route geändert worden, die nach Krün führt – auf gefährliche Art und Weise. „Warum, wissen wir nicht“, sagt Schwarzenberger. Passiert ist glücklicherweise noch nichts. Doch nutzen laut Analysten zig Millionen Menschen die Plattform als Wegweiser.

Riskante Abbiegesituation auf Bundesstraße: Anruf bei Google reicht nicht, um Fehler zu beheben

Wer jetzt glaubt, ein Anruf bei Google würde reichen, um das Problem zu beheben, irrt gewaltig. „Wir haben die Problematik jetzt an das Landratsamt und an die Polizei weitergeleitet“, sagt Schwarzenberger. Die Polizei ist relativ machtlos. Dies liegt an der Art und Weise, wie Google maps überhaupt funktioniert. Der Dienst folgt keiner vorgegebenen Land- oder Straßenkarte.

Der Internetgigant bekommt seine Streckenführung von den Milliarden Daten seiner Nutzen. Wer sein Handy dabei hat und im Auto fährt, gibt das oft unbewusst an den Konzern weiter. Dieser sammelt die Daten und generiert daraus die Streckenführung. Google maps weiß dadurch in Echtzeit, wo sich beispielsweise ein Stau bildet oder welche Route am schnellsten ist.

Google Maps zeigt falschen Weg an: Gemeinde Krün hat Landratsamt und Polizei eingeschalten

Letzteres dürfte das Problem in Krün sein: Der Dienst rechnet aus, dass die direkte Abfahrt von der B2 links nach Bärnbichl theoretisch flotter ist, als erst nach rechts und dann durch die Unterführung zu fahren. Das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen hat Google einen Screenshot von der heiklen Situation geschickt mit Bitte um Korrektur, teilt Sprecher Stephan Scharf mit. Doch schätzt auch er den Erfolg als mäßig ein. „Mal schauen, ob jemand reagiert“, meint er. Deshalb wird jetzt ein neues Verkehrsschild „Verbot der Einfahrt“ bei der Ausfahrt Bärnbichl aufgestellt. „Da wollen wir auf Nummer sicher gehen“, sagt Scharf.

Polizei appelliert: Autofahrer sollen sich nicht blind auf Navi verlassen, sondern „den Kopf einschalten“

Auch die Polizei bittet Verkehrsteilnehmer, „den Kopf einzuschalten“, wie ein Sprecher mitteilt. Denn das blaue Schild mit weißem Pfeil, dass das Abbiegen auf links verbietet, sei nämlich schon da. „Das interessiert aber scheinbar viele der Fahrer nicht. Die vertrauen leider blind ihrem Navi“, bedauert Schwarzenberger.

Wer an der Seilbahn Zugspitze in Grainau parkt, diese aber nicht nutzt - der muss ordentlich Gebühren bezahlen. Eibsee-Besuchern dürfte das nicht gefallen. Noch mehr Nachrichten aus der Region Garmisch-Partenkirchen lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen GAP-Newsletter.

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