Aufwühlende Sequenzen: Dieser Höllenritt durch die weiße Pracht hat es in sich und reißt die Zuschauer förmlich mit. Legs of Steel

Isartaler sorgt für Furore

Schuss-Fahrt zum Mega-Erfolg

Krün - Er verließ die Heimat und eroberte die Welt: Tobias Reindl aus Krün. Als Profi-Freerider feiert er Erfolge. Nun präsentierte er in Mittenwald seinen neuen Film.

Kaum konnte sich der Krüner Tobias Reindl (29) als Kind auf den Beinen halten, schon stand er auf den Skiern. Auf der Piste am Barmseelift lernte er das Kurven durch den Schnee. Heute ist Reindl ein international bekannter Profi-Freerider, und sein neuer Streifen „Passenger“ feiert weltweit Erfolge und wird mit Auszeichnungen überhäuft. Die Isartal-Premiere am Mittenwalder Bahnhofsplatz war deshalb eine ganz besondere für ihn, da sie ihn zurück zu seinen Wurzeln führte.

„I bin so stolz auf meinen Buam.“ Deutlicher hätte es Bartholomäus Reindl wohl nicht ausdrücken können. Der Kämmerer der Gemeinde Krün hätte vor über 25 Jahren wohl selbst nicht geglaubt, was aus seinem Tobi, dem er das Skifahren am Barmsee beibrachte, mal werden wird.

Nun steht der Reindl Bartl gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Schwarzenberger am Würstlstand des Wildkaffees und fiebert dem Film seines Sprösslings entgegen. Viele Besucher haben sich bereits eingefunden. Es riecht nach Bratwurst und Glühwein. Die Fassade des Ärztehauses dient als Kinoleinwand.

Der Film führt den Zuseher auf eine Reise um die ganze Welt. „Wir drehten in Alaska, Japan, Kanada, Neuseeland und natürlich in Europa“, erzählt Tobias Reindl. Zwei Jahre Freeriden wurden somit auf 60 Minuten Film gebannt.

„Mehr als 16 Terabyte an Material ist dabei zusammen gekommen.“ Aber eigentlich ist es ein Fünf-Jahres-Projekt. „Alles, was wir in den vorigen, kleineren Filmen gelernt haben, haben wir in ,Passenger‘ untergebracht.“ Eine Mammutaufgabe für die fünf Kameramänner und 35 Fahrer. Entstanden ist ein atemberaubender Film mit beinahe unwirklichen Skipartien an steilen Bergwänden hinab mit spektakulären Sprüngen, festgehalten durch dramatische und rasante Kamera-Fahrten.

Derweil begannen die Pläne recht bescheiden: „Wir wollten eigentlich eine normale Dokumentation im TV-Format machen“, erinnert sich der Krüner. „Irgendwann meinte Paddy Graham jedoch, ein ,British-Humour‘-Experiment zu machen.“ Graham ist wie Reindl Freeriding-Profi. Über den bahnbrechenden Erfolg war Reindl sehr überrascht. „Bei der Weltpremiere im Innsbrucker Metropol-Kino mussten wir gleich zwei Tage lang den Film zeigen, da der Andrang so groß war.“ Später in München zählte er über 2000 Besucher. Vor allem bei den Aufführungen in Montreal und Amsterdam sei ihm klar geworden: „Da waren viele da, die einfach nur die schönen Aufnahmen der Bergwelt sehen wollten.“

Produziert wurde der Streifen von der Firma „Legs of Steel“. Auf Deutsch bedeutet das „Beine aus Stahl“ – der Name ist somit Programm. Reindl ist der Kopf des Unternehmens. Doch auch wenn er in „Passenger“ eigentlich als Produzent tätig war, ließ er sich den 20-Mann-Train (Anm. der Red.: Mehrere Fahrer springen gleichzeitig über eine Schanze) am Stubaier Gletscher nicht entgehen. „Ich machte einen 360er“, beschreibt er die spektakuläre Rundumdrehung.

Denn reizen tut es ihn nach wie vor. Dabei liegt er schon zwei Jahre über dem Altersdurchschnitt in der Branche. „Normalerweise hat ein Fahrer mit 27 Jahren seinen Zenit erreicht.“ Dass die Isartal-Premiere in Mittenwald so gut funktioniert hat, freut Reindl sehr. „Es ist eben doch meine Heimat“, wie er lächelnd feststellt. Josef Hornsteiner

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