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Bilderbuch-Urlauberin: Charlotte Feigel erhält im Beisein ihres Sohnes Boyd Wolfgang (r.) von Bürgermeister Thomas Schwarzenberger als Dank ein Aquarell. 

„Hoffentlich kann ich 2020 wieder kommen“

Krüns wohl älteste Urlauberin: 108-Jährige reist seit fast 70 Jahren in den Ort 

Charlotte Feigel hat Krün in ihr Herz geschlossen. Seit 1950 macht die 108-jährige Frau Urlaub in dem Isartal-Dorf. Für soviel Treue gab es nun verdientermaßen ein Präsent vom Bürgermeister.

Krün Charlotte Feigel hat nur einen Wunsch: „Hoffentlich kann ich 2020 wieder kommen. Ich bin so gerne in Krün, weil mir hier die Menschen und die Berge so gut gefallen.“ Möglicherweise liegt es ja an der gesunden Gebirgsluft, warum Feigel ein gesegnetes Alter erreicht hat. Auf 108 Jahre kann sie mittlerweile zurückblicken. Und wenn sie an den ersten Urlaub in Krün 1950 denkt, dann funkeln bei der rüstigen Frau nach wie vor die Augen. Mittlerweile sind unzählige Aufenthalte dazugekommen. Was selbstverständlich auch den Bürgermeister freut. „Schön, dass sie als unsere älteste Touristin wieder bei uns ihren Urlaub verbringen. Als Stammgast ist dies eine besondere Leistung“, betont Thomas Schwarzenberger, als er Charlotte Feigel und ihren Sohn Boyd Wolfgang (80) im Rathaus empfängt und ihnen ein Aquarellbild und einen schönen Blumenstrauß überreicht.

Dass Feigel, die am 9. Dezember 1910 in Genf das Licht der Welt erblickte, ein Faible für Krün entwickelt hat, liegt an ihrer Schwägerin. Sie hat seinerzeit in einem Reisebüro gearbeitet und das Ferienziel Krün ausgesucht – der Beginn einer bald 70-jährigen Liason.

Krün ist die zweite Heimat

Natürlich blickt Feigel auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Ihre Eltern ziehen nach dem Ersten Weltkrieg von Genf nach Bensheim an der Bergstraße. Dort wächst sie auf, heiratet 1934 ihren Robert, einen Apotheker. 1939 zieht die Familie nach Stuttgart und 1942 nach Kirchheim/Teck. „Ich habe von dort aus das Bombardement auf Stuttgart mitbekommen“, erinnert sich Feigel an die schrecklichen Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs. Der Ehemann ist zu diesem Zeitpunkt längst an der Front. 1949 kehrt dieser gezeichnet aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück. 14 gemeinsame Jahre bleiben Charlotte und Robert, ehe er 1963 stirbt.

Seit 1954 wohnt sie mit ihrem Sohn in Ettlingen. „Ich hatte keine Zeit zu heiraten, weil ich mich um meine Mutter kümmern musste“, meint Boyd W. Feigel völlig ohne Groll. Auch sein Herz schlägt für Krün. „Das ist mittlerweile unsere zweite Heimat geworden.“ Erlebt haben die beiden dort jede Menge – etwa im Juni 2015 den legendären Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama auf dem Rathausplatz. Oder als in den 1960ern ein im Krieg abgestürztes Flugzeug aus dem Barmsee herausgezogen wird.

108-Jährige lebt nach einem Motto

Damals konnte die Urlauberin mit ihrer Familie noch viele Wanderungen unternehmen. Heute machen die Beine nicht mehr so mit. Wie gut, dass sie freundliche Gastgeber hat. „Wir haben von der Gemeinde Krün eine Sondererlaubnis zum Besuch der Kapelle Maria Rast mit dem Auto erhalten“, berichtet ihr Sohn. Oft bringt er seine Mutter hinauf zu dem Kircherl auf den Buckelwiesen. Dort genießt Charlotte Feigel die Ruhe und Beschaulichkeit, dort tankt sie ihre Seele auf.

Auf die Frage, wie sie sich die ganzen Jahre so fit gehalten habe, antwortet sie mit einem verschmitzten Lächeln. „Ich lebe nach dem Motto, du musst die Kirche von innen, die Wirtshäuser von außen und die Berge von unten betrachten.“

Wolfgang Kunz

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