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Leckereien aus einem anderen Land: Das Buffet mit syrischen Spezialitäten, das Flüchtlinge zubereitet haben, kam bei den Besuchern gut an. 

Gemeinsamkeit: Die liebe zu gutem Essen

Kulinarische Begegnung der Kulturen

Mittenwald - Integration geht in Mittenwald durch den Magen. Mit einem bayerisch-syrischen Buffet wurden zwei Völker näher zusammengebracht. Das kam an. 

Liebe geht bekanntlich durch den Magen. In Mittenwald auch die Integration. Mit einem bayerisch-syrischen Buffet in der Gaststätte Isararena wurden am Samstagabend zwei Völker näher zusammen gebracht.

„Es schmeckt hervorragend“, sagt Vizebürgermeister Gerhard Schöner (CSU). Gleich noch einen Teller nimmt er sich und füllt ihn mit kleinen gebackenen Kugeln und einem bunten Salat. „Falafel und Mitafel“, erläutert ihm Muhammed das Schmankerl aus Auberginen, Mehl, Milch und orientalischen Gewürzen. Der Asylbewerber kommt an diesem Tag fast nicht mit dem Nachfüllen der Teller hinterher. Eine lange Schlange hat sich vor dem Buffet-Tisch gebildet. Geduldig probieren die Isartaler nacheinander alle Gerichte, von Falafel bis Fatair, einem gebackenen Brot mit Käse. Ein farbenprächtiges Festessen, das verbindet – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn trotz aller Unterschiede wird schnell klar, dass Bayern und Syrien eines gemein haben: Die Liebe zu gutem Essen.

Die syrischen Flüchtlinge erklärten jedes Gericht und deren Besonderheiten. „Tabouleh in ein Petersiliensalat“, sagt ein Syrer. Daneben werden Kichererbsenpüree und Auberginenmousse mit Tahina gereicht. Besonders die feine Minz-Note in fast jedem Gericht entführt in weit entfernte Wüstenländer und an die saftigen Ufer des Euphrats.

„Es soll nicht nur schmecken, sondern dazu beitragen, die Menschen besser kennenzulernen.“ Dieses Ziel von Mitorganisator Christoph Szonn ist vollends aufgegangen. „Wir hatten den Ansturm zwar gehofft, aber ihn nicht erwartet“, berichtet der Vorstand des Middlewood-Kulturvereins aus Mittenwald. Herausgekommen ist eine kulinarische Begegnung der Kulturen, „von der wir alle hoffen, dass Akzeptanz, Respekt und Integration über leckeres Essen gelebt werden kann“.

Auf der anderen Seite stand der Koch der Berufsschule und Vorsitzender des Imkervereins, Karl-Heinz Schandl, an den Töpfen. Aus ihnen duftet es herrlich, es gibt gefüllte Lammschulter mit Kräuter-Hackfleisch-Fülle auf Bergwiesenheu gebraten mit Kraut sowie dem Traditionsgericht „Hober“. Hier sammeln sich viele Flüchtlinge, für die diese Zubereitungsmethode bis dato völlig fremd war. Unterstützung beim Kochen bekam Schandl von den Frauen des Müttervereins. Die zehn Pfund Hober waren schneller weg als gedacht, und auch das syrische Buffet war innerhalb von eineinhalb Stunden leer gefegt. „Ich kann nicht sagen, wie viele Leute hier waren“, so ein sichtlich erfreuter Szonn. „Über 120 Portionen waren angerichtet worden.“ Besonders lobte er das Engagement der syrischen Familien, die bereits zwei Tage vor der Veranstaltung mit dem Kochen begannen. Angeboten wurde das Mahl auf Spendenbasis. Mit dem Betrag sollen den Flüchtlings-Kindern nun Eintrittskarten für das Hallenbad sowie Schwimmkurse ermöglicht werden. Der andere Teil der Spenden geht an die Mittenwalder Tafel.

Die Idee zu dem Essen hatte der Middlewood-Verein. Vor etwa einem halben Jahr kontaktierte Szonn Klaus Tappe sowie Klaus und Regine Ronge. „Sie waren sofort begeistert von der Idee.“ Schließlich konnte auch Marlene Schöpf mit dem Mütterverein dazu gewonnen werden. „Alleine hätten wir es nicht stemmen können“, sagt der Middlewood-Vorstand. Gemeinsam mit den syrischen Familien aus dem Flüchtlingsheim begann schließlich die Planung und Organisation zu der gemeinnützigen Veranstaltung.

Josef Hornsteiner

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