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Ein Teil des Kulturbeutels: (v. l.) Ulla Allmann, Gudrun Stadler, Markus Schneider, Franz Wörndle, Gabi Halbritter, Heinz Hermann, Thomas Saltner, Thomas Scharpf, Evi Hainzinger und Ela Stahl.

Feier an drei Abenden

Kulturbeutel - ein 30 Jahre altes Sprungbrett

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Garmisch-Partenkirchen - Der Kulturbeutel, der seit 30 Jahren besteht, ist eine feste und nicht mehr wegzudenkende Kultur-Institution in Garmisch-Partenkirchen. Seit seiner Gründung hat er sich als Talentschmiede erwiesen. Mit drei Abenden feiert er sich selbst. Der erste machte Geschmack auf mehr.

 Als vor 30 Jahren eine Handvoll kulturell interessierter junger Leute in Garmisch-Partenkirchen antrat, unter dem Namen „Kulturbeutel“ ein ungewöhnliches künstlerisches Programm zu etablieren, prophezeite der damalige Bürgermeister Toni Neidlinger (CSU) dem Team keine Zukunft. Doch er sollte sich irren. Gewaltig sogar. Obwohl es zunächst schwer war, Künstler auf die damals ja noch vollkommen unbekannte U1-Bühne zu locken, kommen sie heute alle gern. Viele von ihnen sind mit dem Kulturbeutel quasi groß und berühmt geworden, hatten den ersten oder zumindest doch einen ihrer ersten Auftritte in der Marktgemeinde und füllen heute große Säle in Münchens Gasteig oder anderswo. Einige von ihnen waren in den vergangenen drei Jahrzehnten viele Male im Kulturbeutel zu Gast. Nun feierte man am Richard-Strauss-Platz mit der 798. Veranstaltung im grandiosen Doppelpack den ersten von insgesamt drei Abenden (die beiden weiteren finden am Samstag, 19., und Freitag, 25. November, jeweils ab 19 Uhr statt).

Dreieinhalb Stunden wurde vor vollem Haus Hochkultur vom Feinsten dargeboten. Die A-Capella-Pop- und Rockband „Terzinfarkt“ und das grandiose Comedy- und Slapstick Duo Arthur Senkrecht & Bastian Pusch hielten, was man sich von ihnen im Vorfeld versprochen hatte: Sie bescherten Unterhaltung allererster Güte und den vielen Gästen einen unvergesslichen Abend. Terzinfarkt trat bereits zum vierten Mal auf der U1-Bühne auf und präsentierte sein Programm „Evolution“ mit einem Zeitsprung in die Gegenwart der Rock- und Popmusik. Bruno Mars, Roger Cicero, Max Mutzke, The Boss Hoss, Robbie Williams, die Toten Hosen, Rammstein und viele andere mehr lieferten die Vorlagen für atemberaubende A-cappella-Interpretationen auf höchstem technischen Niveau. Die fünf „Schwiegermutter-Typen“, wie sie angekündigt wurden, bewiesen, dass man auch ganz ohne Instrumente eine große Klangfülle hervorrufen kann. Der Saal tobte bei der Persiflage auf Heino oder einer Neuversion von AC/DC´s „Highway to hell“.

Beschwingt von dieser Kombination von Band und Publikum, das immer wieder mit ins Programm einbezogen wurde, lauthals mitlachte und mitklatschte und von Anfang an in den Bann gezogen war, ging man in die Pause. Auch Senkrecht und Pusch, die zum dritten Mal in Garmisch-Partenkirchen zu Gast waren, nahmen die Zuschauer warmherzig in Empfang. Der lange, schlaksige 2,02-Meter-Mann Arnd Schimkat alias Senkrecht begann in seiner himmelblauen Schlabberhose das Publikum einzeln mit Handschlag zu begrüßen. Gemeinsam mit dem kleinwüchsigen Musiker Bastian Pusch zeigte das ungleiche Duo in seinem aktuellen Bühnenprogramm „Umsturz“ in einer ganz eigenen, wunderbaren Mischung aus Slapstick, Parodie, Musik und poetischem Humor auf höchstem künstlerischem und schauspielerischem Niveau, wie man mit leisen Tönen auf feinsinnige Art und Weise sein Publikum direkt im Herzen erreicht.

So wurde dieser erste Abend auch zu einer Hommage an die idealistische Kulturtruppe vom Kulturbeutel, die von den Künstlern hoch gelobt wurde und auch in Zukunft noch vieles vorhat. „Wir möchten in den kommenden Jahrzehnten weiterhin ein tolles Kulturprogramm nicht nur mit etablierten, sondern vor allem auch mit bislang unbekannten Künstlern anbieten. Wir hoffen, dass die Leute den Mut haben werden, auch ihnen eine Chance zu geben. Versprochen: Es lohnt sich“, meinte Kulturbeutel-Vorstand Markus Schneider am Ende dieses furiosen Abends.

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