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Viele Schauspieler würden 2017 mitwirken

Kultursommer: Zukunft mit Fragezeichen

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Garmisch-Partenkirchen - Eine Welle an Sympathie schwappt über Georg Büttel herein. Von Künstler-Kollegen, die mithelfen wollen, den Kultursommer zu erhalten. Wie, das müssen Gespräche mit der Gemeinde, Partnern und Förderern ergeben. Und das möglichst bald, um auch künftig im Förderprogramm des Freistaats zu bleiben.

Georg Büttel ist überwältigt. Von den Solidaritätsbekundungen, die ihn von Künstlern erreichen. Aber auch von den Gerüchten, die durch Garmisch-Partenkirchen geistern. Hinter vorgehaltener Hand wird die Veranstaltungsreihe, die seit 2003 läuft, von bösen Zungen schon begraben. Dass Florian Zwipf-Zaharia, der Veranstalter des Kultursommers, mit seiner Cultus Production GmbH Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Kempten gestellt hat, war auch für den Künstlerischen Leiter der Veranstaltungsreihe eine Überraschung – und hat ihn getroffen. Allerdings bedeutet für ihn die finanziellen Schieflage des Veranstalters noch lange nicht das Ende der Reihe. „Wenn einer nicht mehr an Bord ist, muss nicht alles den Bach runtergehen“, sagt Büttel. Zumal sein Heimatort „über sehr viele Hochkaräter in Sachen Kunst und Kultur verfügt, auf die man stolz sein kann“. Deshalb geht es für ihn jetzt um eine Bestandsaufnahme, zu der Zahlen vorliegen müssen, eine Einschätzung, was aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen ist, und „die Frage, wie man den Kultursommer zukunftsfähig machen kann“.

Gespräche darüber will er in den kommenden Tagen mit den assoziierten Partner sowie den Förderern der Reihe suchen. „13 gute Jahre können nicht einfach von einem, in dem nicht die erwarteten Zuschauer gekommen sind, vom Tisch gewischt werden.“ Und allein das hat Zwipf-Zaharia und seine GmbH auch nicht in die Insolvenz getrieben. Was dazu kam, war der schlechte Vorverkauf für eine weitere seiner Veranstaltungen, den Geretsrieder Kulturherbst, der abgesagt werden musste.

Ideen für den 15. Kultursommer gibt es schon

Deshalb liegt Büttel nun an einer „differenzierten Würdigung“. Und daran, das bisher Erreichte nicht einfach wegzuwerfen. Dazu zählt für ihn auch der Zuschuss vom Freistaat, „auf den wir zwölf Jahre hingearbeitet haben“. Seit 2015 fließen 25 000 Euro aus dem Fördertopf für nichtstaatliche Theater – „mit der Option auf mehr“. Um in diesem Programm zu bleiben, muss bis Ende Oktober der Antrag mit einem zumindest rudimentären Spielplan in München vorliegen.

Ideen, wie der 15. Kultursommer ausschauen könnte, gibt es Büttel zufolge bereits. Und auch Künstler, „die finanzielle Interessen hinten anstellen und 2017 dabei wären“. Seit dem Bekanntwerden der Insolvenz erreichen den Garmisch-Partenkirchner fast täglich Sympathiebekundungen. „Als Mensch, der in Garmisch-Partenkirchen aufgewachsen ist, und als Künstlerin, die immer wieder gerne hierher zurückkehrt, ist der Kultursommer für mich eine Institution im kulturellen Angebot, die unverzichtbar ist“, erklärt Conny Glogger, die wieder mitwirken würde.

Die Reihe bereichere das kulturelle Leben in der Marktgemeinde, betont Sebastian Bezzel, der wie seine Frau Johanna Christine Gehlen im kommenden Jahr zur Verfügung stehen würde. „Profis treffen auf Laien, Auswärtige auf Einheimische, Theater wechselte sich ab mit Kabarett, Musikveranstaltungen, Lesungen und Ausstellungen“, sagt der Schauspieler, der bereits in mehreren Kultursommer-Inszenierungen mitwirkte. „Bayerisch, aber nicht krachledern, modern, trotzdem traditionsbewusst und bunt, aber nicht schrill“ – das macht für ihn die Reihe aus. Es brauche viele harte Jahre und einen langen Atem, um ein Theaterfestival zu etablieren, meint Stefanie von Poser. „In Garmisch-Partenkirchen ist das in bewundernswerter Weise gelungen. Und noch dazu publikumsnah, mit großer Qualität und einem wunderbaren Team.“ Mit dem möchten sie sowie Dieter Fischer – „er wäre in einer Hauptrolle dabei“, verrät Büttel – Christoph Süß, Michael Grimm, Veronika von Quast, Marc Ritter, Andreas Borcherding, Peter Weiß und etliche andere auch künftig zusammenarbeiten. Ob es dazu kommt, das obliegt freilich dem Markt. In den zuständigen Gremien – von der Kultursteuerungsgruppe über die Ausschüsse bis zum Gemeinderat – gelte es nun, unterstreicht Büttel, „sich in konstruktiver, offen-kritischer Runde auszutauschen“.

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