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Thomas Köthe (r.) beim letzten Konzert der bereits eingestellten Reihe "Murnau Klassik".

Kulturverein Murnau

Ende der „Premium Concerts“

Murnau - Murnaus Kulturbetrieb bekommt die Etatkürzungen beim Kulturverein deutlich zu spüren: Denn dieser fährt sein Programm runter. Ende Dezember fand das letzte Konzert der eingestellten Reihe „Murnau Klassik“ statt. Und jetzt ist auch, wie angekündigt, mit den „Premium Concerts“ Schluss.

Der für den 23. Januar bereits beworbene Abend im Kultur- und Tagungszentrum mit den beiden Gitarristen Michael „Kosho“ Koschorrek („Söhne Mannheims“) und Augustin Wiedemann wurde abgeblasen. Gekaufte Tickets können an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden. Dieses Konzert sei 2015 in der Annahme geplant worden, „dass die Förderung für das Jahr 2016 durch die Marktgemeinde Murnau entsprechend des vom Kulturverein Murnau schon eigenständig reduzierten Förderantrags gewährt wird“, erklärt Thomas Köthe, Zweiter Vorsitzender und künstlerischer Leiter des Vereins, in einer Pressemitteilung. Da dies nicht der Fall gewesen sei und die Zuschüsse „weit darüber hinaus“ gekürzt worden seien, könne man das Projekt nicht umsetzen.

Der Hickhack um die Kulturförderung schaukelt sich seit Wochen hoch – mit teils persönlichen Attacken. Die Marktgemeinde schüttet in diesem Jahr für den gesamten Bereich rund 140 000 Euro aus. Allerdings wird der finanzielle Kuchen in kleineren Stücken ausgegeben, mehr Kreative sollen davon etwas haben – zu Lasten des Kulturvereins. Statt über 60 000 wie 2014 fließen heuer „nur“ 51 000 Euro. Der Verein, der Konzerte, Lesungen und Kabarettabende anbietet, zeigt sich verschnupft – und setzt öffentlichkeitswirksam den Rotstift an. Köthe bemängelt eine „Nichtwürdigung der jahrelangen Arbeit“. Dem Vernehmen nach ist demnächst ein Krisengespräch im Rathaus geplant – mit Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), Kulturreferentin Elisabeth Tworek (SPD) und Köthe. Im Kern dreht sich die Debatte um die kulturpolitische Ausrichtung. Der Kulturverein steht für professionelle Darbietungen, die meist von außen „eingekauft“ werden. Tworek, eine anerkannte Expertin auf dem Gebiet, will den aktiven Kulturbetrieb vor Ort stärker fördern. Beide Ansätze stünden nicht in Konkurrenz zueinander, betont die Ortspolitikerin. Sie schätze die Arbeit des Kulturvereins sehr – und bedaure es, dass dieser sein Programm zusammenstreicht. Der Einschnitt sei aber nicht mit den aktuellen Etatkürzungen zu rechtfertigen. Außerdem gebe es die Möglichkeit, Sponsoren zu suchen. Ihr komme es, so Tworek, auf eine „lebendige Kultur“ an, die nicht nur konsumiert wird. Für Sommer plant sie ein großes Treffen mit allen Murnauer Kulturschaffenden.

Das Thema schlägt hohe Wellen. Vor allem zwischen Köthe, der Leiter der Musikschule ist, und Günter Sirsch, ebenfalls Veranstalter und Betreiber des konkurrierenden Musikzentrums, scheint die Atmosphäre vergiftet zu sein. Köthe hatte Sirsch vorgeworfen, sich in die Debatte einzuklinken, um dessen Parteikollegen und jetzigen ÖDP-Bürgermeister Beuting zu unterstützen – nachdem Sirsch den neuen Kurs der Gemeinde bei der Zuschuss-Vergabe verteidigt hatte. Sirsch stellt nun in einem Leserbrief klar, dass er Mitglied des Bürgerforums sei, das mit der ÖDP eine Allianz pflegt – „ein kleiner, aber wesentlicher Unterschied“. Und überhaupt: Er sei das Recht jedes Steuerzahlers, so der Murnauer, sich einzumischen und „darauf hinzuwirken, dass Fördermittel gerecht verteilt werden, ohne von anderen diskreditiert zu werden“.

Andreas Seiler

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