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Kein Aushängeschild ist das Bayersoier Kurhaus: Für das Café findet sich kein Pächter mehr, die Galerie ist ausgezogen, und die Räume für die Kurbehandlungen stehen auch leer. f

Interessenten springen stets ab

Kurhaus-Dilemma - die Volksseele kocht

Bad Bayersoien - Das weitere Schicksal des Bad Bayersoier Kurhauses wird immer mehr zum Politikum. Das zeigt die Bürgerversammlung.

Das Bayersoier Kurhaus bewegt seit Jahren Gemeinderat und Bürger gleichermaßen. Seit die Räte im Juni 2012 hinter verschlossener Tür einen Verkauf der in die Jahre gekommen Immobilie samt Filetgrundstück am See beschlossen hatten, wird um deren Zukunft gerungen. Der Verkaufsplan sorgte damals für einen Aufschrei in der Bevölkerung. Wegen der massiven Proteste machte der Gemeinderat eine Kehrtwende, engagierte für teures Geld die Tourismusberater von „Projekt M“, ließ sich von einer Gesundheits-Akademie überzeugen – und seitdem sucht die Kommune erfolglos einen Investor. Die Hängepartie sorgte am Donnerstagabend für kräftige Misstöne in der Bürgerversammlung.

Bürgermeisterin Gisela Kieweg, die 2014 das Problem von Amtsvorgänger Eberhard Steiner geerbt hatte, musste sich kritische Fragen gefallen lassen. Nach den bislang rund 30 000 Euro, welche die Berater nach ihrer Aussage kassiert haben, aber auch zur erfolglosen Suche nach Geldgebern. „Auf Investoren warten wir jahrelang“, hielt Alfred Utschneider dem Gemeinderat vor. Er warf den Lokalpolitikern eine zu abwartende Haltung vor. Auch Ex-Gemeinderat Uwe Reineke hieb auf die Räte ein: Die Gemeinde müsse das Kurhaus endlich verkaufen und das Geld in die Zukunft des Kurorts stecken. „Mein Wunsch ist ein Dorfentwicklungsplan.“

Die Rathauschefin hatte vor rund 150 Besuchern im Kurhaus einen schweren Stand. Kieweg kann schließlich aktuell nichts präsentieren und lediglich um Geduld bitten. Interessenten an der Immobilie gibt es zwar nach ihrer Aussage durchaus – aber die springen entweder wieder ab oder müssen erst noch intern ein mögliches Engagement prüfen. Das musste Kieweg nach diversen Ortsterminen leidvoll erleben. Die Suche nach einem Investor, der bereit sei, Millionen von Euro in die Hand zu nehmen, sei schwierig, verteidigt sie sich. Wie zu hören ist, haben mehrere Interessenten unabhängig voneinander satte 15 Millionen Euro als Summe genannt, die in das Akademie-Projekt gesteckt werden müssten „bis eine schwarze Null steht“.

Das Problem: Die Gemeinde möchte Areal und Immobilie zwar veräußern, aber dennoch die Hand drauf halten. Dies machte Kieweg in der Versammlung deutlich: „Ich bin eine komplette Gegnerin eines Kurhaus-Verkaufs.“ Sie hatte nach eigenem Bekunden über „Projekt M“ Kontakt mit einem Hotelbetreiber aus der Oberpfalz: Dieser war „grundsätzlich bereit, ein Hotel mit Akademie zu betreiben“, winkte dann aber bei dem von den Soiern gewünschten Konstrukt dankend ab: ein Hotel plus Veranstaltungssaal der Gemeinde im Haus und Urlaubschalets eines anderen Betreibers, der auf ein Grundstück in der Nachbarschaft schielt. „Das war ihm zu schwierig“, musste die Bürgermeisterin zu ihrer Enttäuschung erfahren.

Ebenfalls abgesagt hat die Unternehmensgruppe Johannesbad AG aus Bad Füssing. Die Reha-Klinik-Spezialisten wollten laut Kieweg ernsthaft ein Haus in Soien einrichten. Für die Bürgermeisterin „eine Traumvorstellung“, die aber wegen der Grundstücksgröße zerplatzte. „Das Areal ist ihnen zu klein.“ Die Gruppe habe sogar schon ein Planungsbüro beauftragt. Ergebnis: Damit sich der Betrieb lohnt, hätte die Klinik mindestens 200 Betten haben müssen.

Doch Kieweg ist optimistisch. „Es tut sich was“, sagt sie. Die Rathauschefin setzt jetzt auf eine „deutsche Hotelkette“. Diese würde derzeit ein Engagement in Soien prüfen. „Vor Weihnachten tut sich aber auf keinen Fall etwas“, machte Kieweg in der Bürgerversammlung klar. Möglicher Entscheidungstermin: im Frühjahr. Kein Wunder, dass die Bürgermeisterin die Anwesenden um Geduld bat. Doch so ganz überzeugt waren an diesem Abend die wenigsten Zuhörer. Denn die Kurhaus-Geschichte droht unendlich zu werden.

Andreas Baar

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