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Zweijährige Beratung, aber kein Ergebnis

Kurhaus Bad Bayersoien: Investoren-Suche auf eigene Faust

Bad Bayersoien - Die Gemeinderäte haben genug: Sie beenden die Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung „Project M“. Jetzt nimmt die Kommune die Suche nach einem Investor selbst in die Hand. 

Über zwei Jahre lang hat der Gemeinderat von Bad Bayersoien geduldig auf eine Lösung des Kurhaus-Problems gewartet. Jetzt reichte es den Räten offenbar: Sie lehnten einstimmig eine weitere Beratung durch die Firma „Project M“ ab. Dies wurde in der Dezember-Sitzung bekannt. Die Gemeinde will nunmehr in Eigenregie mit potentiellen Investoren verhandeln.

Die Tourismusberater von „Project M“ suchten seit Juli 2013 nach einem Investor, um das fast 40 Jahre alte Gebäude in eine Akademie für Umwelt und Gesundheit umzuwandeln. Bisherige Ergebnisse: Fehlanzeige. Das Kurhaus selbst sanieren, komplett verkaufen oder sich einen finanzkräftigen Partner für den Betrieb suchen? Diese Fragen treiben die Verantwortlichen im Moorheilbad seit Jahren um.

Im März 2010 hatte der Gemeinderat die Wiederherrichtung des 1971 errichteten Anwesens auf Eis gelegt – die Kosten drohten bei geschätzten 3,5 Millionen Euro aus dem Ruder zu laufen. Hinter verschlossener Tür beschloss der Rat danach mehrheitlich, die Immobilie zu verkaufen. Doch dagegen liefen viele Bürger Sturm, es kam zu einer Unterschriftenkampagne.

So wurde „Project M“ engagiert, um für anfänglich kolportierte 10 000 Euro ein Tourismuskonzept für das gesamte Moorheilbad inklusive Kurhaus zu entwickeln. Die in Hamburg sitzende Unternehmensberatung hat sich bundesweit auf die Tourismus- und Freizeitbranche spezialisiert. Im Juli 2013 legte die Agentur voller Stolz ihr Ergebnis vor: Eine Akademie mit Seminarräumen, 30 bis 40 Betten und Gastronomie sollten her. „Das ist ein absoluter Premium-Standort“, schwärmten die Fachleute bei der Präsentation vom 8000 Quadratmeter großen Areal am See. Doch die Sache hat einen Haken: Die Mängelliste am in die Jahre gekommenen Kurhaus ist lang. Für das Vorhaben braucht es deshalb einen Investor, der viel Geld in die Hand nimmt. Und diesen zu finden, erwies sich bislang als unmöglich.

Zuletzt sprangen ein Hotelbetreiber aus der Oberpfalz und die Unternehmensgruppe Johannesbad AG aus Bad Füssing ab. Bislang kassierten die Berater rund 30 000 Euro, räumte Bürgermeisterin Gisela Kieweg im November in der Bürgerversammlung ein. Jetzt lag ein neues Angebot von „Project M“ auf dem Tisch. Und zwar für die weitere „Prozesssteuerung für das Kurhaus-Areal“, wie es in der jüngsten Gemeinderatssitzung hieß. Verhandelt wurde dieses bereits am 24. November nicht-öffentlich. Ergebnis: „Aus Kostengründen“ lehnten die Räte einen weiteren Auftrag ab, teilte Kieweg nun kurz und knapp mit. Auf Nachfrage wird sie konkreter: Zwischen 5000 und immerhin 31 000 Euro wollen die Berater haben, gestaffelt je nach Arbeitsvolumen. Das hätte eine Palette von Wirtschaftlichkeitsprognosen über Rentabilitätsberechnungen bis hin zur abschließenden Ergebnispräsentation beinhaltet.

Die Soier Räte sagten geschlossen „Nein“. Was angesichts der bisherigen Ergebnisse kein Wunder ist. „Ich finde, wir können derzeit die Gespräche selber führen“, sagt Kieweg. Unterm Strich zieht sie keine allzu positive Bilanz der Betreuung: „Ich habe mir mehr erhofft.“ Allerdings sagt die Bürgermeisterin, dass die wirtschaftliche Situation auf dem Kurhaus-Markt „schon schwierig ist“. Eine Rolle spielt, dass die Gemeinde die Hand auf ihr Filetgrundstück am See halten will. Das ist keine leichte Verhandlungsbasis mit Geldgebern. Kieweg gibt zu: „Wir stellen ja auch Ansprüche.“ Ihr Verhandlungsgeschick kann sie jetzt beweisen. Nach ihren Worten prüft „eine deutsche Hotelkette“ ein Engagement am Soier See.

Andreas Baar

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