Termin im Rathaus: Zweite Bürgermeisterin Claudia Zolk (CSB) nimmt von Leonhard Hanawitsch das Schreiben mit den Unterschriften entgegen. Foto: Sehr
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Termin im Rathaus: Zweite Bürgermeisterin Claudia Zolk (CSB) nimmt von Leonhard Hanawitsch das Schreiben mit den Unterschriften entgegen. Foto: Sehr

Leonhard Hanawitsch übergibt 400 Unterschriften im Rathaus – Gesundheitsbedenken

Kurios: Handyverkäufer gegen 5G

  • vonAlexander Kraus
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Ausgerechnet der Betreiber eines Handyladens befürchtet gesundheitliche Schäden durch 5G. Im Rathaus Garmisch-Partenkirchen übergab er eine Liste mit 400 Unterschriften.

Garmisch-Partenkirchen – Ungewöhnlicher Widerstand: Ausgerechnet der Betreiber eines Handyladens macht mobil gegen 5G. Leonhard Hanawitsch von der „Telecominsel“ in Garmisch-Partenkirchen hat massive Vorbehalte gegen den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards. „5G hat definitiv keinen Mehrwert“, findet der 48-Jährige. Vergangene Woche übergab er im Rathaus einen offenen Brief mit 400 Unterschriften an die Zweite Bürgermeisterin Claudia Zolk (CSB), die Rathauschefin Elisabeth Koch (CSU) vertrat.

Mit der fünften Generation des Mobilfunks wollen die Netzbetreiber in Deutschland ein ultraschnelles, mobiles Internet anbieten. Vor allem die Deutsche Telekom mache sich für 5G im Raum Garmisch-Partenkirchen stark, moniert Hanawitsch. „Das Netz wird mit 5G nicht besser, das ist völlig unnötig“, kritisiert er. Der derzeitige 4G-Standard reicht seiner Ansicht nach aus. „Mehr Leistung brauche ich nicht.“ Der Ladenbesitzer fragt sich, warum das Geld nicht in die Erweiterung des bestehenden Netzes investiert wird.

Aber es muss Gehör finden, dass viele Bürger den Ausbau nicht wollen

Leonhard Hanawitsch

Die fortschreitende Digitalisierung wird Hanawitsch nicht aufhalten können, das ist ihm auch klar. Auch in Garmisch-Partenkirchen gibt es seinen Angaben zufolge Standorte, an denen 5G schon aktiviert ist. „Aber es muss Gehör finden, dass viele Bürger den Ausbau nicht wollen“, verweist der Garmisch-Partenkirchner auf die 400 Unterschreiber aus dem Kreisort sowie aus Farchant. Damit protestieren die Gegner „gegen die Einführung und den weiteren Ausbau von 5G“ und fordern „die Abschaltung und Beseitigung eventuell bereits aufgestellter 5G-Sendeanlagen, solange die gesundheitliche Unbedenklichkeit nicht bewiesen ist“. Weiter heißt es in dem Schreiben, dass die Volksvertreter befragt werden sollen, wer bei Schäden an der Gesundheit haftet.

Die Kommunalpolitik hat den Zorn des Volkes vernommen. „Ich werde die Liste an die Telekom übergeben“, versprach Zolk bei dem Termin im Rathaus. Es ist ein Treffen von Vertretern der Gemeinde mit denen des Kommunikationsriesen geplant. Die Vize-Bürgermeisterin dämpft jedoch die Erwartungen und schätzt die Möglichkeiten der Gemeinde, den 5G-Ausbau zu beeinflussen, als „schwierig“ ein. Überhaupt sei Deutschland nicht vor die Wahl gestellt worden, bemängelte Zolk. Hanawitsch verwies auf Gegenbeispiele wie die belgische Hauptstadt Brüssel oder Slowenien, die sich erfolgreich gegen den Netzausbau gewehrt hätten.

Die fehlenden Informationen über die Gesundheitsgefährdung durch 5G ist ein weiterer Kritikpunkt, den Hanawitsch anführt. „Ich will gesund weiter leben. Es geht um die Gesundheit meiner Kinder“, betont er. Er vermutet, dass bei der Telekom der finanzielle Aspekt im Fokus steht: „Der Telekom geht es nur ums Marketing. Sie will was Neues haben, sie will das schnellste Netz haben.“ Darüber hinaus stehe die Automobilindustrie voll und ganz dahinter. Weil 5G höhere Frequenzen besetze, um mehr Datenmengen übertragen zu können, erläutert Hanawitsch, sei die Reichweite reduziert. Um möglichst viele Kunden anbinden zu können, müsse daher die Telekom mehr Masten und Funkzellen platzieren. Durch den flächendeckenden Netzausbau sieht Hanawitsch zudem die Gefahr einer „Überwachung“. Die Netzbetreiber hätten jederzeit Zugriff auf die Daten der Kunden. „Ich will keine Verschwörungstheorien aufstellen“, sagt er. Aber die Netztbetreiber könnten die Daten etwa an die Regierung weitergeben.

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