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Normalerweise sind Huskies - wie hier - als Schlittenhunde bekannt. Am Wank waren sie mit einem Mountainbiker unterwegs - mit Folgen.

Urlauber verletzt - Versicherung zahlt nicht

Kurioser Prozess um Unfall mit Husky-Gespann

Garmisch-Partenkirchen – Beim Wandern am Wank verletzt sich ein Urlauber, als er von einem Huskygespann umgerissen wird. Seitdem streiten der Husky-Halter und der Mann, sowie die Versicherung und diverse Gerichte.

Es sollte ein goldener Herbst im goldenen Landl werden. Ein Ehepaar aus Köln war im Herbst 2013 mit dem Wohnmobil ins Werdenfelser Land gereist und wollte dort vom 18. Oktober bis zum 9. November einen Wanderurlaub verbringen. Am 22. Oktober ging es dann ins Estergebirge, wo das Paar mit seinem Hundewelpen von der Wankhütte zur Esterbergalm marschierte. Plötzlich schoss von hinten ein Mountainbike-Fahrer an, der tatsächlich an seinem Fahrrad vier Huskys vorgespannt hatte. Es kam zum Hunde-Tohuwabohu. Der Kölner stürzte dabei und brach sich zwei Rippen. Er musste den Urlaub abbrechen.

Ein klarer Fall für die Versicherung, möchte man meinen. Doch die Versicherung des Radfahrers aus Hohenwart (Kreis Pfaffenhofen an der Ilm) lehnte ab. Mit der Begründung, dass ein Hündchenhalter mit solchen Attacken rechnen muss. Das fand der Kölner dann doch ziemlich frech – und reichte Klage beim Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen ein, in der er 3000 Euro Schmerzensgeld und 123 Euro Schadenersatz für Hose, Taxi und Medikamentenzuzahlungen forderte. Das Amtsgericht sprach ihm 710 Euro zu. 1000 Euro Schmerzensgeld und 65 Euro Schadenersatz – zog jedoch dreißig Prozent wieder ab, weil der Kläger sich die Gefahr des eigenen Hundes anrechnen lassen müsse.

In der zweiten Instanz vor dem Landgericht München II sorgte die ganze Geschichte nun für Kopfschütteln. „Der Fall ist kurios genug“, sagte Richter Harald Hernicht, „so ist das noch nie vor Gericht gekommen“. Angefangen bei dem Husky-Gespann des Mountainbike-Fahrers. „Als ich das hörte, dachte ich, das ist ein Scherz“, sagte der Richter. „Es kam wie es kommen musste. Die Huskys reagierten auf den Welpen. Es kam zum Zusammenstoß.“

Der Husky-Halter aus Hohenwart wehrte sich: „Ich habe seit 1988 Huskys. Ich bin immer so unterwegs. Es ist nie was passiert.“ An der Unfallstelle sei es nicht sehr steil, und er sei langsam unterwegs gewesen; er sei schon fast gestanden. Da sei der Welpe nach rechts weggelaufen, seine Hunde hinterher. „Wenn ich zu Fuß gegangen wäre, wäre es genauso gelaufen.“ Der Anwalt des Kölners gab bedenken, dass die Huskys nicht gut erzogen seien, wenn sie hinter einem Welpen her sprängen: „Das ist eine Frage des Trainings.“ Der Anwalt des Hohenwarters konterte: „Das Tierverhalten kann man nie ausschalten.“

Richter Hernicht nahm den Radfahrer ins Gebet: „Sie haben gar nicht verstanden, was passiert ist.“ Der Kläger sei erheblich verletzt worden. „Da kommt zu wenig an Verantwortung von Ihnen rüber. Mir fehlt bei Ihnen die Empathie für die ganze Sache.“ Auch mit der Versicherung ging Hernicht hart ins Gericht: „Bei der Sachlage gar nichts zu zahlen: Da bin ich fassungslos.“

Auch das Amtsgericht bekam sein Fett weg: „Das Amtsgericht hat das Schmerzensgeld zu niedrig angesetzt.“ Es habe bei seiner Berechnung den entgangenen Urlaubsgenuss und das Regulierungsverhalten der Versicherung nicht berücksichtigt; das Mitverschulden des Kölners habe es mit 30 Prozent viel zu hoch angesetzt. Das Mitverschulden wegen der Tiergefahr gegeneinander aufzuheben, konnte der Richter nicht nachvollziehen. „Vier Huskys sind eine größere Gefahr als ein kleiner Welpe.“

Alles in allem fand der Richter 700 Euro „extrem billig“. Das werde dem Ganzen nicht gerecht. Er schlug unter dem Strich einen Betrag von 1652,16 Euro vor. Beide Seiten stimmten zu – und schlossen einen Vergleich.

Nina Gut

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