Romantische Nächte in ihrem künftigen Heuhotel Schleifmühle versprechen Klaus Aurhammer (r.) und Geschäftsführer Lorenz Grießer. Fotos (2): hutter

Zum Kuscheln: In Unterammergau entsteht ein Bio-Heuhotel

Unterammergau - Auf getrockneten Wiesenkräutern, Blumen und Gräsern können bald Gäste im Gasthof Schleifmühle in Unterammergau in den Schlaf hinübergleiten . . .

Mit der Idee spielt Klaus Aurhammer (56) schon seit längerem. So richtig rangetraut hat er sich bislang aber nicht. Positive Signale von Seiten der Gemeinde, unter anderem mit der Wiedereröffnung der historischen Schleifmühle, sowie personelle Veränderungen in seinem Betrieb haben den Oberammergauer bewogen, zusammen mit seiner Frau Irene jetzt das erste Bio-Heuhotel zu eröffnen - im ersten Stock ihres Restaurants Schleifmühle am Liftweg in Unterammergau. Aurhammer ist optimistisch: „Wir sind absolut davon überzeugt, dass wir damit in eine Marktlücke stoßen und so etwas bei den Leuten gefragt ist.“

In den letzten Monaten war die „Schleifmühle“, die von den Aurhammers 1998 gekauft wurde, immer wieder mal Gegenstand von Gerüchten - unter anderem, dass das romantische Ausflugslokal zum Verkauf stehe. Klaus Aurhammer dementiert dies auch nicht: „Das stimmt. Wir haben die Wirtschaft mal unter Immobilien ins Internet gestellt, und wollten schauen, wie die Resonanz so ist.“ Für 2,4 Millionen Euro wurde das Objekt angeboten, der Gastronom wäre mit 1,9 Millionen Euro zufrieden gewesen: „Auch ein paar Russen haben sich informiert und wollten hier ein Hotel bauen. Aber das hat sich schnell zerschlagen.“

Zu Jahresbeginn stieg dann als Geschäftsführer und Chefkoch Lorenz Grießer mit ein, der auf der Stromburg bei Sterne-Koch Johann Lafer lernte und zuletzt im Hotel Maximilian in Oberammergau beschäftigt war: „Seitdem geht es wieder richtig aufwärts, er macht ein tolles Essen“, schwärmt Klaus Aurhammer. Ein Verkauf sei nicht mehr relevant. Nun wollen beide das Konzept eines Heuhotels in Angriff nehmen.

In der leerstehenden, 150 Quadratmeter großen Wohnung im ersten Stock des Restaurants sollen drei schlichte, einfache Zimmer mit Heubetten sowie ein Heulager entstehen - für insgesamt 30 bis 35 Personen. Variable Abtrennungen wahren, falls gewünscht, die Intimsphäre. Die Gäste verbringen hier in Schlafsäcken die Nacht auf getrockneten Wiesenblumen, -kräutern und Gräsern. Auch wenn es ab und an vielleicht mal ein bißchen piekst. Aurhammer glaubt an seine Idee: „Im Heu zu übernachten, ist doch eine tolle Sache, und für Familien und Kinder aus der Stadt so etwas wie ein Abenteuer - eben Natur und Romantik pur“.

Auch preislich soll das Angebot passen: „Um die 25 Euro pro Person und Nacht“ will der 56-Jährige verlangen. Am Morgen gibt es dann im Restaurant ein kerniges bayerisches Frühstück mit Erzeugnissen und Produkten aus der Region.

Der finanzielle Aufwand für den Umbau in ein Bio-Hotel hält sich im Rahmen: Der Besitzer kalkuliert mit 100 000 Euro. In den nächsten Tagen soll bei der Gemeinde schon der Plan eingereicht werden, und wenn alles klappt, will Aurhammer zum 25. Dezember eröffnen: „Das ist ja keine so aufwändige Sache, schließlich wird außen nichts verändert“. Das Heu für das neue Gäste-Domizil kommt übrigens vom Dorf, von nicht gedüngten Wiesmahdflächen, daher auch der Name Bio-Heuhotel. Klaus Aurhammer hat schon jetzt zahlreiche positive Rückmeldungen erhalten: „Im Urlaub in einem Heubett zu schlafen, das hat doch was, oder?“

Ludwig Hutter

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