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Landgestüt kämpft um Existenz

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Hoffnungsträger: In Candyman sieht Gestütsleiter Dr. Eberhard Senckenberg einen guten Vererber.  foto: fkn
Hoffnungsträger: In Candyman sieht Gestütsleiter Dr. Eberhard Senckenberg einen guten Vererber. foto: fkn

Schwaiganger - Die Pferdezucht geht insgesamt zurück, beim Warmblut kann Bayern nicht mit den Großen aus Holstein oder Hannover mithalten. Da sind Hengste wie "Candyman" gefragt.

50 Stuten, hofft Gestütsleiter Dr. Eberhard Senckenberg, könnte der vierjährige Deckhengst heuer besamt. Wenn es gut Läuft. "Candyman" ist der Hopffnungsträger für die Zuckht des Haupt- und Landgestüts. Insgesamt rechnet der Leiter mit 500 Besamungen, bei denen Hengste der Rassen Warmblut, süddeutsches Kaltblut und Haflinger aus Schwaiganger ihre Gene weitergeben. Wenn es gut läuft. „Vor 15 Jahren lag die Summe noch beim Dreifachen“, betont Senckenberg.

Das einzige staatliche Gestüt Bayerns hat zu kämpfen. „Der Pferdemarkt floriert derzeit nicht wirklich.“ Die Zahl der Züchter, die ihre Stuten decken lassen, nimmt kontinuierlich ab. Außerdem wird es immer leichter, an Samen von Tieren aus den europäischen Nachbarländern zu kommen. „Wir müssen Angst um die Zukunft haben.“ Senckenberg, der Schwaiganger seit 2004 leitet, findet deutlich Worte.

Hinzu kommt, dass gerade bei der Warmbluchtzucht Gebiete wie Hannover, Holstein und Oldenburg den Bayern weit voraus sind - bei der Größe und der finanziellen Ausstattung. Ein klassisches Nord-Süd-Gefälle. Während den Landgestüten im Norden für den Pferdekauf Summen in Millionenhöhe zur Verfügung stehen, muss Senckenberg mit 45 000 Euro pro Jahr auskommen. „Das ist fast nichts.“

Für den Unterhalt der Anlage mit 350 Hektar Wald, 400 Hektar Weideflächen, 330 Pferden und 42 Mitarbeitern gibt der Freistaat 2,5 Millionen Euro jährlich aus. Nicht eingerechnet sind dabei Renovierungsarbeiten an den Gebäuden, die ebenfalls zeitnah notwendig sind, „damit Schwaiganger ein Vorzeigebetrieb bleibt“.

Genau darum geht es. Der Öffentlichkeit zu zeigen, welcher Bedeutung der Pferdezucht im staatlichen Gestüt zukommt - für den Erhalt einer qualitativ hochwertigen Zucht, des Kulturguts Pferd und des Ausbildungsberufs Pferdewirt, den derzeit elf junge Menschen in Schwaiganger anstreben. Letztlich geht es auch um eine Legitimation für die öffentlichen Gelder, mit denen das Gestüt am Leben gehalten wird. Deshalb ist es Senckenberg sehr wichtig, „den Besuchern zu zeigen, wie wir arbeiten. Die Öffentlichkeit tut uns gut“.

Jeder ist in Schwaiganger willkommen, um einen Blick in die Ställe, Reithallen und auf die Wiesen zu werfen. Zusätzlich wird die Arbeit mit den Pferden bei besonderen Veranstaltungen vorgestellt.

Die Vorbereitungen für zwei Höhepunkte laufen bereits: Zum einen für den „iWest Alpen Cup“ und die Deutsche Meisterschaft im Vielseitigkeitsreiten Mitte Juli, bei dem nicht nur Pferde im Mittelpunkt stehen. Zu sehen bekommen Besucher auch Murnau-Werdenfelser Rinder, Brillen-, Berg- und Steinschafe, alle sind vom Aussterben bedroht. Die Herde des Gestüts dient als Genreserve, um die Rassen zu erhalten.

Zum anderen für ein Schmankerl im Vorfeld: Am Wochenende, 30. Juni und 1. Juli, präsentieren sich beim Kaltblut- und Haflinger-Festival die beiden Rassen der Öffentlichkeit. Denn im Gegensatz zum Warmblut ist Schwaiganger bei der Zucht des süddeutschen Kaltbluts „maßgebend. Da geht es um Tradition“, sagt Senckenberg. Und darum, einmal mehr zu zeigen, warum er jeden Tag mit Freude arbeitet: „Weil bei uns Leben und Bewegung drin ist.“

Janine Tokarski

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