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Holpriger Weg zum Welterbe

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Von: Manuela Schauer

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Weltweit einmalig: die Buckelwiesen in Mittenwald. © Archiv

Die Mittenwalder Buckelwiesen, das Murnauer Moos und die Ammertaler Wiesmahd – all das und noch mehr soll UNESCO-Welterbe werden. Dieses Ziel verfolgt der Landkreis seit sieben Jahren. Eine vorzeitige Bewerbung 2018 ist nun endgültig abgehakt. Eine andere Region war schneller.

Sie ist vom Tisch. Die Option von einer vorzeitigen Bewerbung zum UNESCO-Welterbe Gebrauch zu machen. Bis zum 1. Februar 2018 hätte es diese Sonderregelung für Kulturlandschaften gegeben. Doch ein Konkurrent um den Titel ist zuvorgekommen. Der Vorschlag „Montane Kulturlandschaft Erzgebirge“ hat eine fertige Bewerbung eingereicht. Damit ist der Landkreis aus dem Rennen.

„Alles halb so schlimm“, sagt Behörden-Sprecher Stephan Scharf. „Wir waren noch nicht so weit, dass wir etwas einreichen hätten können.“ Eine ehrliche Einschätzung. Denn dem Antrag aus dem Erzgebirge hinkt man noch hinterher. Deutlich zu erkennen auf der Homepage des Bewerbers, der bereits vor 16 Jahren in die deutsche Tentativliste – also der Vorschlagsliste für zukünftige UNESCO-Nominierungen – eingetragen wurde und das Vorhaben seit Anfang der 2000er Jahre intensiv verfolgt. Neben einem kreativen Kurzfilm wartet der Verein Welterbe Montanregion Erzgebirge als Träger der Nominierung mit einem bunten Paket an Informationen auf.

Dass nun die Sonderregelung in Anspruch genommen wurde, verwundert Scharf kaum. Der Vorteil des Mitstreiters: „Er hatte schon eine fertige Bewerbung, die man jetzt noch einmal einreichte.“ Ganz davon abgesehen gibt es grundlegende Unterschiede zwischen den beiden Regionen. „Dort ist die Kulturlandschaft etwas Historisches, bei uns wird sie noch gelebt“, betont der Sprecher. Heißt konkret: Es müssen viele Gespräche mit den Landwirten, Grundbesitzern und Gemeinden geführt werden. Keine Bewerbung ohne deren Zustimmung. Doch die Überzeugungs- und Informationsarbeit braucht seine Zeit. Das unterstreicht auch Michael Kleißl, Geschäftsleiter im Landratsamt. „Allen Beteiligten war von vornherein bewusst, dass es sich um einen langwierigen Prozess handelt.“

Einer davon ist Nikolaus Onnich. Der Kreisobmann des Bauernverbands vertritt auch die Meinung, dass der Landkreis jetzt noch nicht so weit ist, um eine Bewerbung einzureichen. Zumal kein Fehler unterlaufen darf. Doch ein bisschen mehr aufs Gaspedal hätte man nach seinem Geschmack schon drücken können. „Wir tun seit 2010 rum“, sagt er. In diesen Jahren widmete man sich Infoveranstaltungen und Besichtigungsterminen. Doch der Bad Kohlgruber weiß , dass man bei diesem Thema sehr vorsichtig vorgehen muss.

Alles steht und fällt mit dem Einvernehmen der Beteiligten. Betroffen sind vor allem die Landwirte. Einige stehen dem UNESCO-Welterbe kritisch gegenüber. Angst treibt sie um. Davor, dass der Titel weitere Auflagen mit sich bringt. Onnich, selbst Landwirt, versteht das. Aus Erfahrung. Schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass die Bauern per Beschluss etwas „übergestülpt bekommen“. Gleichzeitig verbürgt er sich, dass dieser Fall nicht eintritt. „Wir passen besonders auf“, betont er. Dass die Landwirte nichts zu befürchten haben, das versicherte auch die UNESCO-Expertin Dr. Brigitta Ringbeck vom Auswärtigen Amt in Berlin bei ihrem Besuch. Darauf beruft sich Onnich immer wieder. „Es wird keine Einschränkungen für Landwirte geben.“ Von ihr gibt es bereits die Zusage, nochmals zu kommen und Rede und Antwort zu stehen – vor allem zu diesem heiklen Punkt.

Jetzt aber verfolgt die Region ihren Fahrplan weiter. „Man konzentriert sich auf 2020“, sagt Kleißl. Wenngleich die Konkurrenz – die Königsschlösser – extrem groß sein dürfte. Davon lassen sich die Verantwortlichen des Landratsamts nicht beeindrucken. „Nach Auskunft der zuständigen Stellen ist unser Konzept attraktiv und eine gute Grundlage für eine aussichtsreiche Bewerbung.“ Bis dahin steht aber noch viel Arbeit an: Zum Beispiel die Landwirte endgültig ins Boot zu holen und die Gebietskulisse festzuzurren. Für Onnich hat der Beschreibungstext, quasi ein leichtes Regelwerk mit den Zielen, oberste Priorität. Denn darin wird festgehalten, dass es keine Einschränkungen für die Bauern gibt. „Nur dadurch können die Zweifel ausgeräumt werden.“ Erst dann kann’s weitergehen. Und das soll es Onnich zufolge unbedingt. „Das ist eine Riesenchance für die Region und wäre eine Auszeichnung hoch drei.“

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