Abschiedsgeschenk: Bei der Saisonabschlussfeier überreicht SCP-Präsident Michael Maurer (l.) Peter Strodl ein Präsent. Im Hintergrund Alpin-Sportwart Sepp Wörner. Foto: Sehr

Abfahrer Peter Strodl beendet Karriere

Garmisch-Partenkirchen - „Ich kann auch ganz gut ohne Skifahren leben." Zu dieser Erkenntnis ist Skirennläufer Peter Strodl in seinem mehrwöchigen Neuseeland-Urlaub gekommen.

Allzu überraschend kommt die Entscheidung nicht. Nach seinem Innenbandriss im Knie Ende Januar war der Abfahrtsspezialist schon ins Grübeln gekommen, ob das alles noch einen Sinn macht. „Wenn alles passt, greife ich vielleicht noch einmal an“, hatte er damals gesagt. Jetzt sagt sein Kopf: Es passt nicht. Es sind einfach zu viele Verletzungen gewesen, die den 27-Jährigen vom SC Partenkirchen in seiner Karriere immer wieder zurückgeworfen haben. Zwei Kreuzbandrisse, eine Operation an der Patellasehne, die Schulterluxation Ende August 2009 in der wichtigsten Trainingsphase vor dem Saisonstart - die Rückschläge kamen immer zum falschen Zeitpunkt.

Und sie haben Spuren hinterlassen. „Ich sehe keine Chance mehr, dorthin zu kommen, wo ich hin will“, hat Strodl erkannt. Das klingt pragmatisch, ist es aber nicht. Er hat sich die Entscheidung auf keinen Fall leicht gemacht. Schließlich hat er in den zurückliegenden Jahren viel investiert in den Sport, sich immer wieder herangekämpft.

Den Ehrgeiz und das Talent, in die Weltspitze zu kommen, hatte er. Für viele Trainer und Experten ist Strodl immer noch einer der besten deutschen Skirennfahrer. Doch er konnte sein Potenzial nie richtig ausschöpfen. Im Winter 2005/2006, Strodls erfolgreichstem, wurde er Zweiter in der Abfahrts-Europacupwertung - hinter Romed Baumann und vor Georg Streitberger. Danach trennten sich die Wege der Kontrahenten. Die beiden Österreicher haben sich inzwischen im Weltcup etabliert, standen beide schon auf dem Siegerpodest. Vielleicht hätte es auch Strodl so weit bringen können, hätte er sich nicht damals im letzten Saisonrennen zum zweiten Mal das Kreuzband gerissen. Das war der Anfang vom Ende.

„Die beiden waren weder besser noch schlechter als ich“, ist Strodl überzeugt. Nur ihnen gelang eben der wichtige Schritt in die erste Liga des Skisports. Bei dem Garmisch-Partenkirchner dagegen spielte erst der Körper, später dann der Kopf nicht mit. „Ich bin einfach nicht mehr bereit, das nötige Risiko einzugehen.“ Mit Zweifeln und ohne hundertprozentigen Einsatz könne man keinen Erfolg haben - schon gar nicht in den Speeddisziplinen. Er hat die Konsequenz daraus gezogen. Selbst wenn damit der große Traum vom Start bei der Heim-WM im kommenden Jahr auf der Kandahar platzt.

Vom Deutschen Skiverband hat er übrigens noch keine Reaktion auf seinen Rücktritt erhalten - bezeichnend. Denn bei den Trainern und Verbandsfunktionären war Strodl, der immer offen seine Meinung vertritt, öfters angeeckt. Vor allem mit dem ehemaligen Abfahrts-Coach Walter Hlebayna hatte er sich früh überworfen. „In den vergangenen zwei Jahren hat es einfach keinen Spaß mehr gemacht.“ Missen möchte der mehrfache Deutsche Meister in Abfahrt, Super-G und Riesenslalom die Zeit dennoch nicht: „Im Nachhinein würde ich nichts anders machen.“

Auch für die nahe Zukunft hat Peter Strodl konkrete Vorstellungen. Momentan steht vor allem Lernen im Mittelpunkt - für die Abschlussprüfung zum Sportfachwirt. Danach besucht der Oberfeldwebel die Fachschule der Bundeswehr in München, holt dort sein Abitur nach und möchte anschließend Studieren. Was ist noch offen, „aber ich habe jetzt ja ein bisschen Zeit mir darüber klar zu werden“. Auch mit dem Skifahren hat Strodl noch nicht endgültig abgeschlossen. Eine Rolle als Trainer im Nachwuchsbereich könnte er sich durchaus vorstellen. (lxs)

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